Rutten muss Schalke spätestens im Sommer verlassen

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Deutsche Presse-Agentur

Das Chaos beim FC Schalke 04 ist perfekt, Chefcoach Fred Rutten wird den Fußball-Bundesligisten in der kommenden Spielzeit nicht mehr betreuen.

Peter Peters hat mir in den vergangenen Tagen gesagt, dass ich in der nächsten Saison nicht mehr Trainer sein werde“, sagte der 46 Jahre alte Niederländer nach Unterredungen mit seinem Geschäftsführer. Ob Rutten den Krisen-Club bis zum Bundesliga-Finale am 23. Mai betreuen wird oder vorzeitig von seinen Aufgaben entbunden wird, blieb zunächst unklar. Peters, der Schalke-Vorsitzende Josef Schnusenberg und Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies waren am frühen Nachmittag für Stellungnahmen telefonisch nicht erreichbar.

Rutten gab sich kämpferisch. „Ich bin nicht mit dem PSV Eindhoven im Gespräch, sondern konzentriere mich auf meine Sache mit Schalke“, sagte er. Schalke sei „ein super Verein und hat ein sehr großes Potenzial. Es macht mir immer noch Spaß, hier zu arbeiten“, ergänzte Rutten. Er hatte die Profis des letztjährigen Viertelfinalisten der Champions League zu Saisonbeginn übernommen. Sein Vertrag hat eine Laufzeit bis 30. Juni 2010. Schon zuvor waren Spekulationen laut geworden, nach denen bei einem vorzeitigen Ausscheiden Ruttens wie 2008 die ehemaligen Profis Mike Büskens und Youri Mulder die sportliche Verantwortung übernehmen sollten.

Neun Spieltage vor dem Bundesliga-Ende stehen die einst hoch ambitionierten Schalker endgültig vor einem Scherbenhaufen. Manager Andreas Müller seit mehr als zwei Wochen weg, der Trainer bald weg - die Verantwortlichen um Schnusenberg, Tönnies und Peters müssen einen Problemberg abtragen. Der kommende Manager, der möglicherweise Oliver Kahn heißt und den die Königsblauen laut Zeitplan schon in dieser Woche präsentieren wollen, hat enorme Zukunfts-Herausforderungen zu bewältigen.

Schnusenberg hatte bereits finanzielle Einschnitte und personelle Veränderungen angekündigt. Man werde „um einige Leistungsträger herum eine junge und hungrige Mannschaft aufbauen. Die Jugend spielte auf Schalke immer eine große Rolle. Diesen Trend wollen und müssen wir fortsetzen“, lautet die Prämisse des 68- Jährigen vor dem Neuaufbau, der spätestens mit dem Ende der aktuellen Saison einsetzen soll.

Schalkes früherer Manager Rudi Assauer ging mit der Führung des Krisenclubs hart ins Gericht. „Die Verantwortlichen von Schalke 04 sind im Moment ein bisschen kopflos“, sagte der 64-Jährige der „Nordwest-Zeitung“ Oldenburg. „Sie haben große Schwierigkeiten, alles wieder einigermaßen zurückzuholen. Das heißt in Form von Klasse, Spielen und Gewinner-Mentalität.“ Assauer bezeichnete den Status quo als „Katastrophe“. Die Frage, ob der frühere Nationaltorwart Kahn der geeignete Müller-Nachfolger wäre, beurteilt er skeptisch. „Mit Oliver Kahn ist das äußerst schwierig. Erstens ist er Torwart und kein Feldspieler, und Torhüter sind bekanntlich eine ganz besondere Spezies.“ Außerdem sei die Frage, wie Kahn mit den Verantwortlichen und den Fans auskomme und etwas Neues beginnen könne.

Nicht nur Assauer wartet auf den großen Schalker Befreiungsschlag. Es werde sehr schwierig, „die werden sicherlich nicht von heute auf morgen besser. Die Schalker müssen etwas herbeizaubern“, sagte Assauer. „Sie müssen einen Manager holen, der die Geschicke sofort in die Hand nimmt und es erkennbar ist, dass die Sache wieder nach oben geht. Im Moment sehe ich da keinen.“ Eine eigene Rückkehr schließt er aus: „Wenn ich wiederkommen soll, müssen 20 Leute verschwinden.“

Nach Bayern Münchens Präsident Franz Beckenbauer hat sich unterdessen auch der ehemalige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld für Kahn als Schalke-Manager stark gemacht. „Es wäre natürlich hervorragend für den deutschen Fußball, eine solche Persönlichkeit im Fußball-Geschäft zu haben. Ich traue ihm zu, dass er diesen Posten zu hundert Prozent erfolgreich ausführt, weil er gewohnt ist, erfolgreich zu arbeiten“, sagte Hitzfeld dem Deutschen Sportfernsehen (DSF). Der frühere Nationalkeeper sei „prädestiniert für diesen Job.

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