Romme schmiedet am nächsten Gold für Anni

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Deutsche Presse-Agentur

In Vancouver will Gianni Romme seinen Schützling Anni Friesinger bei der WM- Jagd zu drei Goldmedaillen führen, im kommenden Jahr soll dann an gleicher Stelle der goldene Olympia-Coup steigen.

Romme hält mit sieben Titel, zweimal Silber und dreimal Bronze noch immer den Herren-Rekord bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften der Eisschnellläufer, doch aus dem Goldjäger von einst ist längst ein Goldschmied geworden. „Das dritte Jahr als Trainer und das dritte Jahr mit WM-Gold, das wäre echt schön“, schwärmt der mit 36 Jahren wohl jüngste Trainer der Weltelite.

Und er schmunzelt. „Anni hat das Zeug dazu. Sie hat nach ihrem verspäteten Einstieg wegen ihrer Knie-Operation alles richtig gemacht. Ich musste sie nur ein wenig bremsen, weil sie zu eifrig trainieren wollte“, sagte der Doppel-Olympiasieger von Nagano 1998, der seinen WM-Rekord mit großer Wahrscheinlichkeit an seinen erst 22- jährigen Landsmann Sven Kramer verlieren wird. Erst zum dritten Mal startet der neue Oranje-Star bei einer Einzel-WM, und bisher reiste er jedes Mal mit drei Titel nach Hause.

Dafür will nun Anni Friesinger ihren Titel-Rekord in Kanada ausbauen, ihre Goldmedaillen über 1000 und 1500 Meter verteidigen und dazu möglichst noch im Team erfolgreich sein. „Ich verstehe, dass sie sagt, ein Titel wäre angesichts der Probleme mit dem Knie eine tolle Sache. Aber ich kenne Anni: Wenn sie startet, will sie den Titel auf jeder Strecke. Sie würde nie sagen, sie läuft nur so mit. Dafür ist sie zu stark. Sie ist ein einmaliges Talent“, bringt es Romme, den seine Eltern den Vornamen nach dem AC Mailand-Star Gianni Rivera gaben, auf den Punkt.

Das Geheimnis des deutsch-niederländischen Gespanns ist für ihn ganz einfach: „Die Chemie stimmt zwischen uns.“ Doch auch Romme weiß: „Sie ist natürlich noch nicht wieder bei 100 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit - aber sie ist optimal in Form für diese Saison, wo wir so viel Rücksicht auf das operierte Knie nehmen mussten.“ Deshalb würden beide zum Ende der langen Saison auch kein Risiko eingehen, wenn Friesinger nach dem ersten WM-Rennen wieder Probleme im Knie bekommen würde.

„Es sieht aber nicht so aus. Bei den 1000 Metern werde ich am Start wieder alles riskieren können“, kündigte die insgesamt 15- malige Weltmeisterin einen „Blitzstart“ an. Im Vorjahr hatte sie Gunda Niemann-Stirnemann (11/3/0) mit ihrem elften Titel bei der Einzelstrecken-WM aufgrund von achtmal Silber und einmal Bronze in der Erfolgsbilanz überflügelt. In Vancouver soll nun am Freitag über 1500 Meter zunächst das Titel-Dutzend vollendet werden.

„Anni ist ganz anders als ich in meiner aktiven Zeit, viel stürmischer und mental stärker, ich war eher körperlich stabiler“, schätzt Romme ein. Doch eines sei bei seinem Schützling und ihm absolut gleich: „Der Ehrgeiz“, meint er spontan. Zur Vorbereitung der goldenen Deals gehört auch immer ein besonders Trainings-Ritual, daher sah man Anni Friesinger am Donnerstag im Olympic Oval überhaupt nicht auf dem Eis, sondern nur auf dem Fahrrad, neben den Schlittschuhen ohnehin ihr liebstes Trainingsgerät. „Das Fahrrad- Training hat dafür gesorgt, dass sie in den schweren Monaten ohne Eis jene Kraft zurückgewonnen hat, die durch die Operation verloren gegangen war. Jogging gehört seit dem Missgeschick dafür kaum noch zu unserem Plan. Wir wollen nichts riskieren“, bekennt der Niederländer.

Der in dieser Saison erfolgreichste deutsche Eisschnellläufer Robert Lehmann muss wegen der Folgen eines Magen- Darm-Virus das 1500-Meter-Rennen absagen. „Er hat es heute noch einmal auf dem Eis versucht. Es geht einfach nicht. Ich fürchte, er wird auch über 5000 Meter nicht dabei sein können“, sagte Bundestrainer Bart Schouten. Den Startplatz von Lehmann nimmt nun über 1500 Meter sein Vereinsgefährte Jörg Dallmann ein.

Den EM-Sechsten Lehmann, der schon im Vorjahr wegen Krankheit auf seine WM-Starts verzichten musste, trifft die Absage schwer. „Manchmal ist der Sport echt unfair! Ich hatte nach dem schweren Sommer echt eine super Saison“, erklärte der Erfurter, „was mir bleibt, ist auf ein kleines Wunder zu hoffen und ruhig zu bleiben, bis ich wieder fit bin.“ Lehmann setzt nun alle Hoffnungen auf den Start in der Team-Verfolgung am Sonntag. Aber auch den 5000-m-Start hat der 25-jährige Thüringer noch nicht ganz abgeschrieben. „Ich versuche mein Möglichstes“, erklärte Lehmann.

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