Rodler planen Goldjagd - Loch „bei 70 Prozent“

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Deutsche Presse-Agentur

Der Respekt vor der wohl schwersten Bahn der Welt ist riesengroß, doch im gefürchteten WM-Eiskeller von Lake Placid planen die deutschen Rodel-Asse die nächste Goldjagd.

„Wir wollen in jedem Wettbewerb eine Medaille. Bei den Frauen dürfen es auch gerne zwei sein“, gibt Bundestrainer Norbert Loch vor den in den USA beginnenden Weltmeisterschaften die selbstbewusste Marschroute für seine Schützlinge aus. Mit einem Selbstläufer wie bei den goldenen Heim-Festspielen von Oberhof, wo die Deutschen vor einem Jahr alle Titel abräumten, rechnet Loch bei seinem WM-Einstand jedoch in seinen kühnsten Träumen nicht: „Das Ergebnis von 2008 ist kein Maßstab. Hier in Lake Placid gibt es eine Kurve nach der anderen. Dass man sich kaum einmal erholen kann, macht diese Bahn so schwer.“

„Alle vier haben das Zeug, ganz nach vorne auf einen Medaillenrang zu fahren“, erhofft Norbert Loch bei seinem WM-Debüt („Sicher bin ich angespannt“) auch von seinen Männern eine starke Vorstellung. Härtester Gegner für Lochs Weltmeister-Sohn Felix und den zweimaligen Titelträger David Möller dürfte erneut Armin Zöggeler sein. Der zweimalige Olympiasieger aus Italien ist auch in diesem Winter eine Klasse für sich, auf dem Weg zu seinem sechsten WM-Titel stapelt der 35-Jährige aber tief. „Ich bin nicht der große WM-Favorit.“

Immer besser in Schuss nach seinem doppelten Bänderriss in der Schulter kam zuletzt Sensationsweltmeister Felix Loch, die Titelverteidigung sieht der 19-Jährige jedoch in Gefahr. „Am Start habe ich schon Rückstand. Ich bin erst bei 70 Prozent“, erklärt der Berchtesgadener. „Zum Glück ist der Start hier nicht so entscheidend. Eine Medaille wäre natürlich schön.“ Sorgen hat auch Möller, der mit einem Kreuzbandriss im Knie in die Titelkämpfe geht. „Ich bin athletisch topfit und optimistisch. Rodler sind harte Kerle“, scherzt der Thüringer nach seinem Malheur. Ein Sieg war dem 27-Jährigen in dieser Saison noch nicht vergönnt, doch der Routinier im deutschen Männer-Team will bei der WM angreifen. „Ich habe mit meinen WM-Titeln schon bewiesen, das ich es kann. Und die Bahn hier ist schwer. Es gibt wohl keinen, der sagt, dass er sie liebt.“

Zum Auftakt sollen die Doppelsitzer und vor allem die seit 1995 bei Weltmeisterschaften ungeschlagenen deutschen Frauen die Erfolgsspur im Olympia-Ort von 1932 und 1980 legen. „Ich will meinen Titel verteidigen“, hofft die Oberwiesenthalerin Tatjana Hüfner auf den WM-Hattrick nach 2007 und 2008. Die härteste Konkurrenz dürfte einmal mehr aus dem eigenen Lager kommen: Europameisterin Natalie Geisenberger hat mit ihrem Sieg bei der WM-Generalprobe in Altenberg Rückenwind für den Saisonhöhepunkt erhalten. „Bei der WM fahre ich voll auf Angriff“, sagte die Miesbacherin, die sich einen Tag nach ihrem 21. Geburtstag selbst das schönste Präsent machen will.

Nach durchwachsener Saison titulierten sich die Doppelsitzer Patric Leitner/Alexander Resch schon als „Bimmelbahn vom Königssee“, bei seiner letzten WM will der „Bayern-Express“ aber noch einmal mächtig durchstarten. „Ist doch logisch, dass wir bei unserer letzten WM noch etwas reißen wollen“, sagt Resch. „Die Bahn hier liegt uns und wir wollen eine Medaille - ob Gold, Silber oder Bronze, ist egal.“ Voller Zuversicht nach schweren Verletzungswochen sind die Titelverteidiger André Florschütz/Torsten Wustlich nach Lake Placid gereist: „Am Start wird es immer besser“, sagt Hintermann Wustlich nur etwas mehr als zwei Monate nach der Bandscheiben-Operation bei Steuermann Florschütz. „Eine Medaille ist unser Ziel.“

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