Roddick im Rampenlicht - Gegner Federer: „Respekt“

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Deutsche Presse-Agentur

So richtig auf der Rechnung hatte ihn keiner, doch plötzlich steht Andy Roddick wieder im Rampenlicht. Vor den Australian Open notierte ihn ein lokales Wettbüro mit der Quote 51:1 - und nun fordert der Ballermann aus den USA im Halbfinale Künstler Roger Federer heraus.

Es ist ein Treffen alter Bekannter, ein Duell zweier Dauerbrenner im Tennis-Zirkus. Zum 18. Mal spielen der 27 Jahre alte Schweizer und der 26 Jahre alte Roddick gegeneinander. Sie kennen sich gut, sie respektieren sich und sprechen dieser Tage voller Hochachtung voneinander.

„Er muss nichts mehr beweisen. Er ist der Größte“, sagte Roddick über Federer, nachdem sein Viertelfinal-Gegner Novak Djokovic aufgegeben hatte. „Ich finde, die Leute sollten Andy mehr Anerkennung zollen für das, was er geleistet hat“, meinte Federer nach seinem Erfolg gegen Juan Martin del Potro. „Er verdient Respekt.“

Nachdem Andrew Stephen Roddick 2003 im Alter von 21 Jahren die US Open gewann, die Spitzenposition in der Weltrangliste eroberte und in der Heimat als neuer Hoffnungsträger für die Zeit nach Andre Agassi und Pete Sampras betrachtet wurde, hat er keine Grand-Slam-Trophäe mehr in die Höhe gestemmt. 2006 stand er in New York im Endspiel, 2004 und 2005 in Wimbledon und verlor jedes Mal gegen Federer. In Melbourne erreichte er schon 2003, 2005 und 2007 das Halbfinale.

Im vergangenen Jahr lief es nicht ganz so rund für das Aufschlag-Ass aus Austin/Texas. In Melbourne flog er in der dritten Runde gegen Philipp Kohlschreiber raus, die French Open verpasste er wegen einer Schulterverletzung, in Wimbledon war in Runde zwei und bei den US Open im Viertelfinale Endstation. Immerhin feierte Roddick drei Turniersiege und beendete das siebte Jahr nacheinander in den Top 10.

„Er steht da felsenfest, und das seit Jahren“, sagt Federer. Und doch gehörten die Schlagzeilen zuletzt anderen: natürlich Federer, aber eben auch der jüngeren Generation um Rafael Nadal, Djokovic, Andy Murray. „Es ist schon okay, dass vor dem Turnier nur über 'Die Vier' gesprochen wurde“, sagte Roddick. „Sie hatten zuletzt ja auch bessere Ergebnisse als ich.“ Nicht so in Melbourne, wo Djokovic und Murray bereits die Koffer packen mussten. Solche Worte hätte man vor ein paar Jahren von dem Heißsporn mit der großen Klappe nicht erwartet. Im US-Open-Halbfinale 2003 herrschte er einmal während eines Seitenwechsels den Schweizer Schiedsrichter Andreas Egli an: „Gib Dir mehr Mühe. Und jetzt will ich nichts mehr hören.“

In diesen Tagen präsentiert sich in den Pressekonferenzen tief unten im Bauch der Rod Laver Arena ein entspannter und unterhaltsamer Mann mit Mütze. So amüsierte sich Roddick über das hochgestochene Ausdrucksweise eines amerikanischen Reporters und verneinte die baldige Veröffentlichung eines Diätbuchs. „Ich bin nicht so gut im Schreiben“, sagte er.

Im Winter hatte Roddick Larry Stefanki als neuen Trainer verpflichtet. Dessen erster Auftrag an den 1,88 Meter großen und 88 Kilogramm schweren Athleten lautete: „Du musst abnehmen!“ Also hielt Roddick sechs Wochen lang Diät, bis er sieben Kilo leichter war. Der Ballast verschwand, das Selbstbewusstsein stieg. „Ich mache einfach weiter, arbeite auch gegen Roger und dann werden wir schon sehen“, sagte Roddick. Erst zweimal konnte der Amerikaner Federer bezwingen. Das bislang letzte Stelldichein der beiden alten Bekannten war im April 2008 beim Masters in Miami - der Sieger hieß Andy Roddick.

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