Rieschs Titel-Lohn nach WM der Leiden

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Deutsche Presse-Agentur

Fast wäre Maria Rieschs Geschichte bei Großereignissen um ein weiteres trauriges Kapitel fortgeschrieben worden. „Aber dieses Happy End ist ein Wahnsinn. Mir fiel ein riesiger Felsbrocken vom Herzen“, gestand sie nach dem WM-Titel im Slalom - ihrer ersten Medaille überhaupt.

Die Weltmeisterschaft 2005 und Olympia 2006 verpasste die die 24-Jährige vom SC Partenkirchen wegen zwei Kreuzbandrissen, bei der WM in Are vor zwei Jahren kam sie in ihrer Comeback-Saison etwas zu spät in Schwung. Und auch im französischen Val d'Isère schien es, als würde die deutsche Ski-Königin ungekrönt bleiben.

Der Druck auf die zehnmalige Weltcupsiegerin war so unermesslich groß. „Es waren nicht so viele Aufs, sondern fast nur Abs in den letzten Wochen“, meinte die Führende im Slalom-Weltcup, die mit der Gesamtweltcup-Ersten Lindsey Vonn (USA) eng befreundet ist wie auch mit Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl. Als Vierte verpasste sie eine WM-Medaille in der Super-Kombination denkbar knapp, dazu war sie immer noch mit Schmerzen nach einem Trainingssturz unterwegs. Irgendwie wollte bis zum glücklichen Ende der WM in Val d'Isère nichts so recht klappen bei der Vorzeige-Alpine im Deutschen Skiverband - dann glückte der goldene Befreiungsschlag.

Eine echte Rennfahrerin war Riesch schon immer - und auch an ihrem Titel-Tag zeigte sie ihre Qualitäten als „Stehauffrau“. Das Talent ist ihr in die Wiege gelegt, dazu hat sie neben der mentalen Stärke die Fähigkeit, sich im Wettkampf im Vergleich zu Übungsfahrten zu verbessern. „Ihr gefällt das Rennfieber, da steigert sie sich“, sagte Trainer Mathias Berthold einmal. Daneben arbeitete die Partenkirchenerin in den vergangenen Jahren auch vermehrt an ihrer früher noch ausbaufähigen Fitness.

Riesch ist gereift. Aus dem Ausnahme-Talent ist eine Vorzeige- Sportlerin geworden. Auf und auch neben der Piste, denn mit großer Professionalität absolviert sie geduldig die immer zahlreicher werdenden Medientermine - selbst in schweren Stunden stellt sie sich. Bemerkenswerterweise suchte sie nach dem verpassten Kombinations-Edelmetall keineswegs die Schuld beim heftigen Trainingssturz zuvor, dessen Folgen immer noch schmerzen, sondern bei sich selbst: Wer so viele Fehler mache, habe eine Medaille eben nicht verdient.

„Wir vom DSV sind froh, dass wir so eine Athletin haben, weil sie unseren Sport nach vorne bringt. Sie sammelt viele Sympathien und ist ein Vorbild für die Jugend“, sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier. In Val d'Isère sammelte die große Schwester von Susanne Riesch nicht nur weitere Sympathien, sondern auch endlich auch eine Medaille. Dass es gleich die goldene wurde, machte den Tag für die Vorjahres- Weltcupsiegerin in Super-G und Kombination perfekt.

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