Rieschs Medaillen-Hoffnungen geschrumpft

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Schwäbische Zeitung

Val d'Isère (dpa) - Mit Schmerzmitteln und einer Portion Angst fuhr Maria Riesch einen Tag nach ihrem schweren Sturz sicher ins Ziel, aber ihre großen Medaillen-Hoffnungen haben einen kräftigen Dämpfer erhalten.

Bis zu ihrem Trainingscrash galt die 24 Jahre alte Partenkirchen als eine der großen Favoritinnen in der Super- Kombination aus Abfahrt und Slalom. Ob sie aber mit ihrer Innenbandzerrung im Knie und der Wirbelsäulen-Prellung die große Favoritin Lindsey Vonn (USA) gefährden kann, ist mehr fraglich.

„Die Erwartungen sind schon ein bissel geschrumpft. Ich hoffe, dass die Physiotherapeuten meinen Körper so weit hinkriegen, dass das halbwegs funktinioniert“, sagte die zehnmalige Weltcup-Siegerin am Donnerstag und war bemüht, aus dem Malheur bei den Ski- Weltmeisterschaften im französischen Val d'Isère das Beste zu machen. „Vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, wenn die etwas niedrigere Erwartungshaltung ein bisschen den Druck nimmt.“

Besonders als Riesch die Sturzstelle vom Vortag passierte, war der Respekt riesengroß. „Das nagt schon ein bisschen an der Psyche, gerade an so einem schwierigen Hang“, sagte die gefragteste Dame im Zielraum. Die wegen des Schmerzes und des Schreckens vergossennen Tränen waren getrocknet, nur eine zwei Zentimeter lange Hautabschürfung am rechten Mundwinkel war noch ein äußeres Zeichen des Unfalls. Bang schauten die Eltern während der neuerlichen Fahrt ihrer Tochter den Berg hinauf und waren ebenso wie diese selbst bei der Zieleinfahrt erleichtert. „Es ist nicht ganz so einfach, einen Sturz gleich wieder aus dem Kopf herauszukriegen. Dementsprechend bin ich auch ein bisschen vorsichtiger gefahren heute“, gestand Riesch. Ihre Mutter verriet, dass die Tochter mit Angst unterwegs gewesen sei.

Beim Deutschen Skiverband versuchten die Verantwortlichen schnellstmöglich zur Normalität überzugehen. „Flapsiger und easy“, so Alpindirektor Wolfgang Maier, wolle man mit der Thematik umgehen. Der Sturz oder gar Angst sollen sich keinesfalls im Kopf der Slalom- Weltcup-Führenden festsetzen. „Weg vom Crash und weg von der Erwartung“, formulierte Maier die Devise.

Nach dem letzten Training vor der Kombi, vor der sich Maria Riesch noch einmal am frühen Freitagmorgen behandeln lassen wollte, lobte Trainer Mathias Berthold das Pisten-Comeback von Riesch. „Obwohl sie nicht 100 Prozent fit ist, hat sie die Aufgabe gut gelöst“, erklärte der Coach. Er setzt weiter voll auf seine beste Rennfahrerin, denn nach einem Trainingrückstand von 4,04 Sekunden ist von Gina Stechert (Oberstdorf) in der Kombi nichts zu erwarten. „Ein Champion geht durch so was durch“, meinte Berthold über Maria Riesch.

Im Abfahrtstraining war Riesch 2,65 Sekunden langsamer als die Schnellste Vonn, die auf die Tücken der Rhones-Alpes-Strecke hinwies. „Wenn du einen Fehler machst, kannst du schnell im Netz landen. Das ist auch für deinen Kopf schwierig“, sagte die 24-Jährige und freute sich über die sichere Zieleinfahrt der Freundin. „Ich bin sehr glücklich, dass sie nicht wieder gestürzt ist. Dass sie ins Ziel gekommen ist, ist wichtig für ihr Selbstvertrauen.“ Und auch aus der Vergangenheit kann Riesch ein bisschen Mut schöpfen. Vor fünf Jahren gewann sie in Haus im Ennstal einen Super-G-Weltcup; einen Tag vorher war sie bei der Abfahrt gestürzt.

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