Riesch bei WM-Super-G ohne Chance

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Deutsche Presse-Agentur

Deutschlands Alpin-Königin Maria Riesch muss weiter auf ihre ersten Titel-Ehren warten, dafür bestieg Freundin Lindsey Vonn erstmals den WM-Thron.

Nach ihrer Zieleinfahrt zuckte Medaillenhoffnung Riesch niedergeschlagen mit den Schultern und hatte als Achte den Traumstart in die alpine Ski-Weltmeisterschaften verpasst. „Es hätte vieles einfacher gemacht, wenn es heute mit einer Medaille geklappt hätte. Jetzt heißt es locker bleiben und nicht verunsichern lassen“, sprach sich Riesch in Val d'Isère gleich neuen Mut zu. Dagegen war bei schwierigen Sichtbedingungen „Golden Girl“ Vonn einmal mehr die Sicherheit in Person. Jubelnd riss die Amerikanerin im Ziel die Arme hoch und schrie ihre Freude hinaus.

Mit der Siegesfahrt erstaunte Vonn ihre mit der Sicht hadernde Freundin Riesch. „Lindsey ist die einzige, die bei schwierigen Bedingungen gezeigt hat, was möglich ist. Aber die ist in so einer Topform, dass sie wahrscheinlich noch rückwärts Bestzeit fährt“, sagte die 24-jährige Partenkirchenerin und gratulierte zum „verdienten“ WM-Titel. Überraschend gut zog sich die 19-jährige Viktoria Rebensburg (Kreuth) als Zehnte mit einer frechen Fahrt und Karriere-Bestleistung im Super-G aus der Affäre.

Auf der extrem schwierigen Piste des erstmals von den Damen befahrenen Solaise scheute Riesch das letzte Risiko. Favoritinnen wie die ausgeschiedene siebenmalige Weltmeisterin Anja Pärson (Schweden) oder die Schweizerin Lara Gut (Platz sieben) wurden den hohen Erwartungen ebenfalls nicht gerecht. „Ich bin noch nie bei einer WM oder Olympischen Spiele so ein schweres Rennen gefahren“, befand ARD- Expertin Martina Ertl-Renz, die vor 47 Einzel-Rennen bei Großereignissen das letzte Edelmetall für deutsche Alpine holte. Die Gunst der Stunde - und den Heimvorteil - nutzte indes die 23-jährige Französin Marie Marchand-Arvier mit Rang zwei. Bronze ging an Hermann Maiers Großcousine Andrea Fischbacher aus Österreich.

Riesch war auf der Rhone-Alpes-Strecke nicht schlecht unterwegs, sie attackierte aber auch nicht so bedingungslos wie eben Vonn. „Insgeheim hatte man doch auf eine Medaille im ersten Rennen gehofft, aber man muss auch sehen, wie viel Überwindung man bringen kann“, sagte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier. „Für uns bricht keine Welt zusammen.“ Größer war die Enttäuschung bei Gina Stechert (Oberstdorf), die nach dem verpassten Tor verärgert mit den Fäusten gegen ihren Helm schlug.

Anders als die im Winter in Österreich lebende Vonn, die bei Marias Familie jedes Jahr Weihnachten feiert, war Riesch schon zweimal schwer verletzt. Auch, wenn sie die beiden Kreuzbandrisse gut überwunden hat und in den Savoyen erstmals bei einem Großereignis als Mitfavoritin startet - bei schlechter Sicht wie eben im Super-G merkt man es doch noch ein wenig. „Wir wissen, dass ihr das immer noch ein bisschen nachhängt“, merkte Maier an und auch Riesch mochte es nicht ganz leugnen. Viktoria Rebensburg hatte unterwegs ein „scheiß Gefühl“, freuen durfte sie sich aber dann im Ziel.

In 1:20,73 Minuten krönte sich Vonn, die erstmals mit drei Jahren auf Skiern stand, zum ersten Mal bei einer WM und könnte die große Ski-Königin von Val d'Isère werden. Denn auch in den vier noch ausstehenden Entscheidungen wird sie in ihrer jetzigen Form schwer zu schlagen sein. „Ich habe schon eine Goldmedaille, das war mein Ziel für die ganze WM. Jetzt werde ich lockerer sein“, sagte die 24- Jährige. Die nächste Chance bietet sich für sie und Riesch in der Super-Kombination. „Ich drücke immer meine Daumen für die Maria.“ Spätestens nach dem Titel dürfte Vonn ein Missgeschick nicht mehr passieren. Am Vortag hatte sie ihre Akkreditierung vergessen und durfte nicht ins Medienzentrum - spätestens jetzt kennt sie jeder in Val d'Isère.

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