Rhein-Neckar Löwen wollen wieder angreifen

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Die Enttäuschung bei den Rhein-Neckar Löwen, hier Torhüter Andreas Palicka, nach Platz zwei in der Handball-Bundesliga war groß
Die Enttäuschung bei den Rhein-Neckar Löwen, hier Torhüter Andreas Palicka, nach Platz zwei in der Handball-Bundesliga war groß. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Im Augenblick der Enttäuschung verlor Nikolaj Jacobsen zunächst den Blick auf das große Ganze. „Wir hatten alle auf das Wunder gehofft, aber leider hat ein Tor gefehlt“, sagte der Trainer der Rhein-Neckar Löwen nach der verpassten deutschen Handball-Meisterschaft.

Am letzten Bundesliga-Spieltag hatte seine Mannschaft die Aufgabe gegen den SC DHfK Leipzig mit einem 28:25-Sieg erfolgreich gelöst, Titelrivale SG Flensburg-Handewitt zitterte sich allerdings zu einem 22:21-Erfolg. Bei einem Unentschieden der Norddeutschen hätten die Löwen zum dritten Mal in Folge den Titel nach Mannheim geholt. Aber sie haben es selbst verspielt.

Erst eine Minikrise nach dem Pokalsieg Anfang Mai mit nur einem Punkt aus drei Spielen führte noch zum Sturz der Nordbadener. „Wir müssen einfach sagen, dass wir nicht gut genug waren“, sagte Jacobsen selbstkritisch: „In der Bundesliga muss man 34 Spieltage ein hohes Niveau abrufen.“

Phasenweise dominiert

Das gelang den Löwen über 90 Prozent der Saison, sie dominierten den deutschen Handball phasenweise. Nicht umsonst wurde Andy Schmid von den Trainern und Managern der Bundesliga zum fünften Mal in Folge zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt. Mikael Appelgren erhielt die Auszeichnung als bester Torwart. Und Jacobsen wurde zum Trainer der Saison gekürt. Zum kompletten Glück fehlte eigentlich nur Schale, weshalb die Runde irgendwie frustrierend endete, aber mit etwas Abstand in der Gesamtbetrachtung trotzdem als eine gute in die Vereinsgeschichte eingehen wird.

„Supercup, Pokal, Vize-Meisterschaft und Champions-League-Qualifikation – vor der Saison hätten wir das wahrscheinlich sofort genommen“, sagte Jacobsen, der in seiner Analyse zwischen Stolz und Enttäuschung schwankte und noch etwas weiter in die Vergangenheit zurückblickte: „Wir sind in den letzten drei Jahren zwei Mal Meister und einmal Pokalsieger geworden. Vor ein paar Jahren gab es hier nicht so viel zu feiern.“

Positiver Blick in die Zukunft

Was den Trainer nun vor allem optimistisch stimmt, ist der Blick in die Zukunft. Mit Ausnahme von Routinier Alexander Petersson, dessen Vertrag im nächsten Jahr endet, sind alle Leistungsträger bis mindestens 2020 an den Club gebunden. Mit Jesper Nielsen (Paris Saint-Germain), Ilija Abutovic (Vardar Skopje), Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar) und Steffen Fäth verstärken zudem gleich vier Hochkaräter die Löwen, denen einzig die Abgänge von Hendrik Pekeler zum THW Kiel und von Rückkehrer Kim Ekdahl du Rietz nach Paris weh tun.

Die weiteren Abgänge Kristian Bliznac (Trainer in Fjellhammer/Norwegen), Momir Rnic (Ziel unbekannt), Harald Reinkind (THW Kiel) und Rafael Baena (Bergischer HC) gehörten nicht zum Stammpersonal. „Wir haben künftig mehr Leute auf der Bank, die uns helfen können“, freute sich Kapitän Schmid über mehr Qualität in der Kader-Breite. Und auch deshalb kündigte der Schweizer mit Blick auf die neue Saison selbstbewusst an: „Wir werden wieder angreifen.“

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