Rekordmeister VfB Friedrichshafen vergibt erste Titel-Chance

Lesedauer: 7 Min
 Berlins Benjamin Patch (li.) spielt den Ball gegen Friedrichshafens Block.
Berlins Benjamin Patch (li.) spielt den Ball gegen Friedrichshafens Block. (Foto: Andreas Gora)
Crossmedia-Volontärin
plus
Mehr Lesevergnügen:
Unsere Plus-Inhalte

Dieser Inhalt steht normalerweise exklusiv für unsere Plus-Abonnenten zur Verfügung. Für Sie ist er frei.

Die Finalserie um die deutsche Volleyballmeisterschaft wird wieder eine epische – und wird wie schon in den letzten zwei Jahren erst im letztmöglichen Spiel entschieden. „Die Tradition hat sich bestätigt“, sagte VfB-Trainer Vital Heynen nach dem 1:3 (26:28, 21:25, 25:15, 21:25) am Mittwoch in Berlin und stellte fest: „Der Unterschied zwischen Berlin und Friedrichshafen ist nicht groß. Doch dieses Jahr müssen wir das letzte Spiel gewinnen.“

Die letzte Runde dieses ewigen Duells – seit 1998 wurde immer eines der beiden Teams deutscher Meister – für diese Saison steigt nun am Sonntag (14.30/sporttotal.tv) in der Friedrichshafener ZF-Arena. „Am Sonntag gibt es nur noch ein Gas – Vollgas“, sagte VfB-Diagonalangreifer Daniel Malescha.

Lange war Spiel vier der Finalserie wie ein Abziehbild des letzten letzten Duells in Friedrichshafen am Sonntag gewesen. Nur eben mit umgekehrter Rollenverteilung. Nachdem der erste Satz sich zu einem Krimi entwickelt hatte, den diesmal eben die Berliner und nicht die Häfler gewannen, dominierten die Gastgeber den zweiten Satz, um den dritten abzugeben. Der vierte ging dann an den Gastgeber. „Das war nicht unser bestes Spiel. Es war Durchschnitt. Und Durchschnitt reicht hier in Berlin eben nicht. Hier musst du ausgezeichnet spielen“, sagte Heynen.

Doch weil die Niederlage vor 8553 Zuschauern in der ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle am Ende also nicht unverdient war, aber auch nicht super deutlich ausfiel, war die Zuversicht im Lager der Häfler recht groß hinterher. „Wir haben noch eine Chance, das am Sonntag zu holen. Zu Hause vor unseren Fans. Und die werden wir nutzen“, sagte Außenangreifer David Sossenheimer.

Vielleicht trug am Mittwoch tatsächlich auch die grandiose Kulisse in Berlin ihren Teil zur VfB-Niederlage bei. Legten die Fans der Berlin Recycling Volleys los, angeführt von gut einem Dutzend Trommler, war in der Halle das eigene Wort nicht mehr zu verstehen. Auf „zwanzig bis dreißig Prozent“, hatte VfB-Trainer Vital Heynen vor allem angesichts dieser Kulisse die Siegchancen seiner Friedrichshafener vor dem Spiel beziffert.

Am Ende fuhren der scheidende Trainer – Heynen will sich vorerst nur um seine polnische Weltmeistermannschaft kümmern – und seine Mannschaft mit einem 1:3 nach Hause. Und wollen ihrerseit den Heimvorteil nutzen: „Wir haben uns den Vorteil erspielt, durch Platz 1 in der Hauptrunde ein Heimspiel mehr zu haben als Berlin. Und den Vorteil müssen wir jetzt nutzen“, so Sossenheimer. Heynen zog seine Zuversicht aus einer anderen Sache: „In so einer Serie lernt der Verlierer immer am meisten“, sagte er.

Lernen können die Häfler, so eine intensive Partie zu Ende zu spielen. Denn intensiv war das Spiel auf dem Parkett gewesen – aber auch daneben. Je länger das Spiel dauerte, desto rauer wurde die Atmosphäre. Bei vermeintlichen Fehlentscheidungen hallten laute Pfiffe durch die Arena. Im zweiten Satz wies der Stadionsprecher das Publikum zurecht, als Gegenstände auf das Spielfeld geworfen wurden. Diskutierten die Häfler oder ihr Trainer Vital Heynen über Schiedsrichterentscheidungen, war dies begleitet von langen Buh-Rufen. Eine wüste Geste in Richtung Schiedsrichter von Berlins Star-Zuspieler Sergej Grankin beendete den zweiten Satz. Im dritten Satz bekam Heynen eine gelbe Karte wegen Meckerns. Im vierten sein Gegenüber aus Berlin.

Grankin macht Grankin-Dinge

Vor allem in diesem vierten Satz hatte Berlins Starzuspieler Grankin, der russische Olympiasieger, der eigentlich viel zu stark ist für die Bundesliga, seine Extraklasse gezeigt. Er machte Grankin-Dinge, schlug stark auf, stellte auch mal einhändig zu. Die ganze Partie über hatten die Berliner vielleicht zum ersten Mal in dieser Finalserie ihre Extraklasse gezeigt – vor allem weniger Fehler als in den drei Partien zuvor gemacht. In diesem vierten Satz, in dem aber auch die Häfler stark spielten, strotzten sie nur so vor Selbstbewusstsein und schienen dieses Spiel um jeden Preis gewinnen zu wollen. Nach jedem Punktgewinn feuerten die Spieler noch dazu ihre eigenen Fans an. Und die tobten mit den Spielern. Bis ganz zum Schluss, als Berlins Benjamin Patch den entscheidenden Punkt machte und die Berliner damit im Titelrennen hielt. Die Tradition setzt sich forta_online_titel Tag mit Dummy-TextFinale um die deutsche Volleyballmeisterschaft wird am Sonntag in Spiel fünf entschieden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen