Das spricht für und gegen Leipzigs Titelchance

Kopfball
Leipzigs Willi Orban (M) erzielt das 3:0. (Foto: Annegret Hilse / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Tom Bachmann und Arne Richter

Wenn die Bayern mal schwächeln, ist keiner da! Diese deutsche Fußball-Gewissheit will RB Leipzig unbedingt widerlegen. Nach dem 22. Bundesliga-Spieltag ist der Vorsprung der Münchner auf zwei Punkte zusammengeschmolzen.

Das Team von Trainer Julian Nagelsmann traut sich den Titel-Coup zu. „Aber es hilft nichts, immer drüber zu reden. Wir müssen es auch machen und Woche für Woche dran bleiben“, forderte Kapitän Marcel Sabitzer. Andernfalls „lachen mich alle wieder aus“, befand der österreichische Nationalspieler.

DAS SPRICHT FÜR RB LEIPZIG IM TITELKAMPF:

RESTPROGRAMM: Zwei Punkte Rückstand bedeuten Schlagdistanz. Leipzig hat alles in der eigenen Hand. Schon am nächsten Spieltag kann RB vorne sein. Und der Spielplan meint es gut. Alle Konkurrenten aus den Top Vier müssen noch in die Red Bull Arena. Zum Meister-Showdown kommt es am Osterwochenende. Karsamstag (3. April) kommen die Bayern, die haben die vergangenen drei Spiele in Leipzig nicht gewonnen.

ECHTE TYPEN: Bayern hat sein Mentalitätsmonster Joshua Kimmich, RB hat gleich mehrere. Sabitzer, Willi Orban oder Yussuf Poulsen gehören zwar nicht zu den brillantesten Fußballern der Welt, können aber eine Mannschaft mitreißen, aufbauen und im Spiel coachen. Hinzu kommt Torwart Peter Gulacsi, der in entscheidenden Momenten oft herausragend agiert und keine Angst vor großen Duellen hat.

BESTWERTE: In zwei Kategorien ist Leipzig schon top. Das beste Heimteam und die beste Abwehr stellt RB. Gerade die Defensive könnte den Ausschlag geben. „Der große Unterschied ist, dass wir insgesamt besser verteidigen“, zog Nagelsmann den Vergleich zur Vorsaison. Die Fußball-Weisheit kennt man auch in Leipzig: Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Titel.

FITNESS: Februar und März hat Nagelsmann als neuralgische Monate ausgemacht. Schlechte Plätze, Müdigkeit in der Corona-Saison. Verletzungen können zur Gefahrenquelle werden. Derzeit steht RB gut da. Wenige Ausfälle sind zu beklagen. Absenzen, wie die vom künftigen Münchner Dayot Upamecano, werden kompensiert. Und im Gegensatz zu den Bayern gibt es derzeit auch keine positiven Corona-Fälle.

UMFELD: Kein Verbal-Scharmützel des Trainers mit Karl Lauterbach, keine Impfmissverständnisse vom omnipräsenten Vorstandschef und eine vergleichsweise beschauliche Medienlandschaft. Nagelsmann kann in Leipzig im Vergleich zu seinem Bayern-Kollegen Hansi Flick unbehelligt von Störgeräuschen abseits des Fußballs arbeiten.

DAS SPRICHT GEGEN RB LEIPZIG IM TITELKAMPF:

TORFLAUTE: Das Spiel bei der Hertha hat erneut die Leipziger Schwachstelle im Sturm offengelegt. Im Vergleich zum Vorjahr hat RB nach 22 Spielen 16 Tore weniger geschossen, was zweifelsohne an den nicht ersetzbaren Abgängen von Timo Werner und Patrik Schick liegt. Hätte man die 16 Tore mehr, „wären wir vielleicht Tabellenführer“, meinte Nagelsmann.

TOPSPIEL-BILANZ: Während RB in der Champions League europäische Top-Mannschaften schlägt, ist das Team in der Liga gehemmt, wenn es gegen Kaliber wie die Bayern oder den BVB geht. Das 1:0 Ende Januar gegen Leverkusen war Nagelsmanns erster Bundesliga-Erfolg als RB-Coach gegen eine Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt unter den besten Vier stand.

MENTALE DREIFACH-BELASTUNG: Leipzig ist noch in drei Wettbewerben vertreten, was die Mannschaft körperlich gut wegsteckt. Mental könnte es aber eine Herausforderung werden, wenn die Ergebnisse nicht mehr stimmen und man eine Titelchance wie den DFB-Pokal immer im Hinterkopf hat.

ABTEILUNG ATTACKE: Die Bayern haben es in der Vergangenheit prächtig verstanden, beim jeweiligen Verfolger über die Medien für Unruhe zu sorgen. Vor dem Oster-Duell wird es sicherlich ein mehr oder weniger offensichtliches Störfeuer geben. Leipzig fehlt die Abteilung Attacke, die Verantwortlichen sind öffentlich zu brav und zu konfliktscheu.

TITELKAMPF-ERFAHRUNG: Leipzig hat wenig Erfahrung darin, in einem Wettbewerb bis zum Ende um den Titel zu spielen. Und wenn doch, gab es klare Pleiten. Das Pokalfinale 2019 und das Halbfinale der Champions League 2020 wurden jeweils 0:3 verloren. In der Liga brach man als Herbstmeister der vergangenen Saison in der Rückrunde ein.

© dpa-infocom, dpa:210222-99-537705/4

Informationen zum Spiel auf Bundesliga-Homepage

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