Rassismus-Vorfall erschüttert erneut Frankreich

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Deutsche Presse-Agentur

Ein neuer Rassismus-Skandal erschüttert den französischen Fußball. Der am Wochenende von einem Fan beleidigte Profi John Mensah von Meister Olympique Lyon hat sogar eine Rückkehr in seine Heimat Ghana erwogen.

„Das hat mir den Spaß am Beruf verdorben. Ich habe keine Lust mehr. Nach dem Spiel wollte ich alles stehen und liegen lassen und sofort nach Ghana zurück fliegen. Das alles vergessen“, sagte der dunkelhäutige Mensah in einem Interview der französischen Sportzeitung „L'Equipe“.

Der 26-Jährige, der als einer der härtesten Verteidiger der französischen Liga gilt, wurde im eigenen Stadion Stade Gerland in Lyon im Spiel gegen AC Le Havre (3:1) von der Tribüne aus von einem Fan rassistisch beschimpft, der von der Polizei sofort festgenommen wurde. Dass der Mann betrunken war, macht die Sache für den ghanaischen Nationalspieler nicht erträglicher. „Ich war schockiert“, sagte Mensah - laut „LEquipe“ mit „zittriger Stimme“.

Teamkameraden verrieten, Mensah habe das Stadion nach den Beleidigungen schon zur Pause verlassen wollen, sei er aber zum Bleiben überredet worden. In der zweiten Hälfte bekam der Verteidiger die Gelb-Rote Karte, OL-Coach Claude Puel sah die Schuld aber bei sich: „Ich hätte ihn früher vom Platz nehmen müssen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Mensah in Frankreich wegen seiner Hautfarbe leiden musste. Im Herbst war er bei einer Verkehrs- Kontrolle ohne Grund brutal festgenommen worden, weil er sich nicht auf Französisch verständigen konnte. Er habe mitten in der Nacht eine Polizeipistole an der Schläfe gehabt, erinnert sich der Ghanaer heute. „Ich habe diese Geschichte nicht vergessen, werde sie nie vergessen“, gab er jetzt zu. Die Beleidigungen vom Sonntag seien jedoch schlimmer gewesen. „Das war auf einem Fußballfeld, während der Ausübung meines Berufes“, das sei ihm zum ersten Mal passiert.

In den vergangenen Jahren hat es im französischen Fußball immer mehr rassistische Zwischenfälle gegeben. Allein in der vergangenen Saison wurden von der Polizei 14 solcher Vorfälle gezählt. Zwei Fans des FC Metz wurden zu jeweils sechs und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Führende Sport- Persönlichkeiten, darunter Ex-Profi und UEFA-Präsident Michel Platini, forderten ein härteres Vorgehen gegen Rassismus in den Fußballstadien.

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