Radprofi Emanuel Buchmann: „Die erfolgreichste Woche meiner Karriere“

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Gute Laune, großer Erfolg: Bei der Baskenland-Rundfahrt feierte Emanuel Buchmann seinen ersten Etappensieg auf der Worldtour.
Gute Laune, großer Erfolg: Bei der Baskenland-Rundfahrt feierte Emanuel Buchmann seinen ersten Etappensieg auf der Worldtour. (Foto: dpa)
Sportredakteur

Bei der Baskenland-Rundfahrt hat Emanuel Buchmann zum ersten Mal in seiner Karriere eine Etappe bei einem Worldtour-Rennen gewonnen. Der Bergspezialist vom deutschen Team Bora-hansgrohe setzt sich auch für den Saisonhöhepunkt, die Tour de France, große Ziele. Thorsten Kern hat mit dem 26-jährigen Buchmann über die aktuelle Radsaison gesprochen.

Herr Buchmann, war die Baskenland-Rundfahrt mit Gesamtrang drei bislang Ihr bestes Rennen der Karriere? Oder lässt sich das nicht so pauschal sagen?

Doch, das war schon meine erfolgreichste Woche bislang. Ich habe den ersten Etappensieg auf der Worldtour geschafft, ich bin im Gelben Trikot gefahren und wurde bei der stark besetzten Rundfahrt Dritter.

Hadern Sie ein bisschen damit, dass es nicht zum Gesamtsieg gereicht hat? Sie sind als Führender in die Schlussetappe gegangen ...

Natürlich will man das Rennen gewinnen, wenn man im Gelben Trikot auf die letzte Etappe geht. Mein Vorsprung war auch groß, 54 Sekunden lag ich vorne. Aber der Spanier (Jon Izagirre von Astana, Anm. der Red.) war an diesem Tag stärker. Hätte mir vor der Rundfahrt aber jemand gesagt, ich gewinne eine Etappe, trage das Gelbe Trikot und werde Dritter, dann hätte ich das unterschrieben.

Mit Ihrem Solosieg auf der schweren Bergetappe haben Sie bewiesen, dass Sie zur Weltspitze gehören. Ein gutes Gefühl, wenn einem niemand folgen kann?

Ein sehr gutes Gefühl sogar. Schon am Schlussanstieg habe ich gewusst, dass mir keiner mehr den Sieg nehmen kann. Ich habe gezeigt, dass ich noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht habe. Schon vor der Rundfahrt habe ich mich sehr gut gefühlt, am Berg hat alles gepasst. Ich habe durchgezogen und bin abgegangen.

Auf der Schlussetappe wurden Sie mit Ihrer Gruppe fehlgeleitet. Statt links abzubiegen, fuhren Sie geradeaus. Wie konnte das passieren?

Das Problem war, dass der Ordner falsch platziert war. Geradeaus wurden die Motorräder abgeleitet, wir hätten nach links fahren sollen. Aber der Ordner hat die rote Fahne hochgehalten, sodass es für uns so aussah, als würde er da absperren und auch wir müssten geradeaus fahren.

Die Jury hat Ihnen dann nachträglich zwölf Sekunden gutgeschrieben, weshalb Sie in der Gesamtwertung doch noch Dritter geworden sind. Wäre ohne die kurze Panne noch mehr drin gewesen?

Den Gesamtsieg hätte ich nicht mehr geschafft. Vielleicht wäre ich Zweiter geworden. Aber ob jetzt Zweiter oder Dritter ist eigentlich egal. Die Rundfahrt war so oder so ein Erfolg.

Wie geht es jetzt weiter?

In zwei Wochen fahre ich die Tour de Romandie in der Schweiz, die ist auch recht anspruchsvoll. Und dann kommt schon die Tour du Dauphiné als Härtetest für die Tour de France. Bei der Dauphiné sind viele der Tourfavoriten am Start. Das wird ein richtig hartes Rennen, jeder wird versuchen, sich zu zeigen und Selbstvertrauen für die Tour zu holen.

Mit was für Zielen gehen Sie denn in die Tour de France?

Mein Ziel ist es, in die Top Zehn zu kommen. Meine Saison ist bislang sehr gut gewesen, auch die Trainingswerte sind gut. Dieses Ziel ist daher absolut realistisch.

Gehen Sie als Kapitän von Bora-hansgrohe in die Tour de France?

Wir haben in diesem Jahr drei Kapitäne. Peter Sagan ist der Kapitän bei flachen Etappen. Parick Konrad und ich sind Kapitäne bei Bergetappen – wir beide fahren für die Gesamtwertung, mindestens einer von uns beiden soll unter die Top Zehn kommen. Wichtig wird sein, gut über die erste Woche zu kommen, wo es oftmals zu Stürzen kommt. Dadurch, dass sich das Team für zwei Kapitäne für die Gesamtwertung entschieden hat, nimmt das etwas Druck von uns Fahrern. Ich finde die Entscheidung gut.

In Maximilian Schachmann hat Bora-hansgrohe einen weiteren starken deutschen Fahrer im Team. Spornen Sie sich gegenseitig an?

Wir verstehen uns gut und es hilft, so einen starken Teamkollegen zu haben. Da versucht jeder, noch mal etwas mehr zu geben. Wir unterstützen uns gegenseitig und verstehen uns gut.

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