Rückkehr der T-Frage: Löw forciert Kampf um Nr. 1

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Deutsche Presse-Agentur

Erst Robert Enke, dann René Adler und plötzlich nur noch ein großes Fragezeichen: Das Rennen um die Nummer 1 im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist zum Jahresauftakt voll entbrannt.

Joachim Löw hält es bei der stets brisanten T-Frage wie einst sein Vorgänger Jürgen Klinsmann beim unvergessenen Wettkampf im WM-Jahr 2006 zwischen Jens Lehmann und Oliver Kahn. Die Suche nach dem nächsten WM-Stammtorwart bleibt offen.

Auch vor dem ersten Länderspiel 2009 gegen Norwegen erklärte der Bundestrainer: „Wir werden die Trainingseindrücke abwarten und dann nach einem Gespräch eine Entscheidung treffen.“ Nach Enkes Nicht-Berücksichtigung muss sich Löw wie schon zuletzt beim 1:2 gegen England zwischen Adler und Tim Wiese entscheiden.

Mehr als ein Fingerzeig kann die Düsseldorfer Entscheidung aber ohnehin nicht sein, die Nummer 1 auf dem Trikot wird von Löw dauerhaft nicht so schnell vergeben werden. Vieles spricht dafür, dass Löw den Torwart-Kampf sogar bis ins WM-Jahr 2010 offen hält. Schon jetzt erhielt Hannovers Enke eine Einladungsgarantie für die nächsten WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein (28. März) und Wales (1. April).

„Er wird im März auf jeden Fall wieder dabei sein, da werden wir drei Torhüter dazu nehmen“, kündigte Löw an - sicher auch, um Adler und Wiese Druck zu machen. „Er hat sehr gut gespielt, aber wir geben ihm Zeit, sich auch insgesamt im körperlichen Bereich zu verbessern, wir sind von den Qualitäten Robert Enkes absolut überzeugt“, lobte Löw ausgerechnet den zum Jahresauftakt von ihm (noch) nicht wieder nominierten Schlussmann.

Löws Torhüter-Personalkonzept ist allerdings auch aus der aktuellen Situation geboren. Der traditionelle deutsche Qualitäts-Überschuss ist auf der Schlussmann-Position auf allerhöchstem Niveau derzeit nicht unbedingt zu erkennen. Einen absoluten Spitzenmann wie Kahn bei der WM 2002 oder Lehmann 2006 gibt es mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2010 nicht.

Vor Enkes Handbruch schien der Hannoveraner die besten Karten zu haben, danach überzeugte Adler mit seiner Unbekümmertheit. Doch der Leverkusener erlebt in seiner Karriere derzeit wie beim Hammer-Tor von Thomas Hitzlsperger, dass einem Bälle sprichwörtlich und tatsächlich um die Ohren fliegen können. „Den Ball kann man halten“, sagte Löw. „Da sehe ich schlecht aus“, gestand Adler.

Und für Wiese, der sich einst von Löw verschmäht fühlte, kommt die Krise bei Werder Bremen zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sorgen muss sich Löw um die Tor-Baustelle aber dennoch nicht machen. Denn selbst hinter dem derzeit favorisierten Trio lauert in U21-Keeper Manuel Neuer der nächste kompetente Kandidat auf seine Chance - der Schalker wurde noch am Wochenende explizit von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke gelobt. Der Konkurrenzkampf geht also munter weiter.

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