Rätseln über langsame Silberpfeile

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Deutsche Presse-Agentur

Bei den Silberpfeilen brennen rund zwei Wochen vor dem Formel-1-Auftakt die Warnlichter.

„Es kann passieren, dass auch das beste Team nicht auf Anhieb den goldenen Treffer landet - keiner unserer Konkurrenten wird das viel anders sehen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es fehle dem MP4-24 von McLaren-Mercedes insgesamt an Abtrieb, urteilte Haug: „Wir sind derzeit deutlich zu langsam und werden hart arbeiten, um wieder an die Spitze zu kommen.“

Zehnter von zehn mit rund zweieinhalb Sekunden Rückstand am 12. März, Achter am folgenden Tag mit fast zwei Sekunden mehr auf einer Runde auf dem Circuit de Catalunya nahe Barcelona - selbst Weltmeister Lewis Hamilton bekam den neuen Boliden nicht auf Touren. Und erneut stahl dem britisch-schwäbischen Rennstall ausgerechnet das ebenfalls mit Mercedes-Motoren ausgestattete neue BrawnGP-Team die Show. Rubens Barrichello erzielte einen Tag nach Teamkollege Jenson Button die Tagesbestzeit für den Honda-Nachfolgerennstall unter der Leitung des ehemaligen Michael-Schumacher-Weggefährten Ross Brawn. Auf die Ränge zwei, drei und vier kamen die Deutschen Nico Rosberg (Williams-Toyota), Timo Glock (Toyota) und Sebastian Vettel (Red Bull).

Weitere vier Tage hat McLaren-Mercedes in Jerez noch zum Testen Zeit, um am neuen Auto zu arbeiten. „Diese müssen wir zur Verbesserung unserer Leistungsfähigkeit nutzen“, sagte Haug. Angesichts der Bilanz von einem Drittel gewonnener Formel-1-Rennen in den vergangenen vier Jahren gab er sich aber zuversichtlich, dass man die Kurve kriegt. Es liefen Programme und man werde sich steigern, „auch wenn das Zeit braucht“. Am 29. März beginnt in Melbourne allerdings die Saison, eine Woche später geht es schon in die „Sauna von Sepang“ in Malaysia. Testfahrten sind dann untersagt, große Veränderungen können nur noch an den Freitagen vor den Rennen der praktischen Erprobung unterzogen werden.

„Wir wissen nicht genau, was sie testen, aber es ist wahr, dass sie auf den letzten Positionen mit verschiedenen Fahrern waren“, meinte der frühere Silberpfeil-Pilot Fernando Alonso, nachdem Heikki Kovalainen an den ersten beiden Tagen und anschließend Champion Hamilton Rückstände von ein- bis zweieinhalb Sekunden auf die jeweiligen Tagesbesten gehabt hatten. Zudem war der Engländer am Mittwoch auch noch von der Strecke abgekommen. Glock meinte beim Internetanbieter „F1tody.nl“, dass es so aussehe, „als hätten sie ein Problem mit der Stabilität und wahrscheinlich zu wenig Anpressdruck an der Hinterachse“. In puncto Abtrieb sähen die Konkurrenten „derzeit deutlich besser aus“, räumte Haug ein.

Überbewerten wollen die Rivalen die unerwarteten Resultate der derzeit alles andere als glanzvollen Silbernen nicht. Er denke, „dass sie bald wieder um Siege mitfahren können, wenn sie die Ursache für ihre Probleme finden. Sie müssen einfach einmal die richtige Richtung finden. Dann wissen sie, was zu tun ist, denn sie sind sehr erfahren“, meinte Glock. Auch Vettel warnte vor übereilten Rückschlüssen. „Ich glaube, man muss der Sache den Wind aus den Segeln nehmen. Mit einem Team wie McLaren-Mercedes ist immer zu rechnen.“ Gleichwohl fügte der 21-Jährige hinzu: „Irgendwo lässt jeder im Verlauf der vier Tage die Hosen runter, um zu schauen, was ist möglich und machbar.“

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