Pro und Contra: Unentschieden bei der WM abschaffen?

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Bald ein tägliches Bild? Die Fifa denkt über ein Elfmeterschießen bei Gleichstand nach.
Bald ein tägliches Bild? Die Fifa denkt über ein Elfmeterschießen bei Gleichstand nach. (Foto: dpa)
Sportredakteur

Statt der bislang acht Gruppen mit jeweils vier Teams wird es 2026 in der Vorrunde 16 Gruppen mit je drei Mannschaften geben. Vier Spiele pro Tag werden in der Gruppenphase zur Regel. Das könnte zu neuen Regeln führen - zum Beispiel, das Unentschieden abzuschaffen. Zwei Redakteure aus der Sportredaktion der "Schwäbischen Zeitung" stehen diesen Ideen sehr unterschiedlich gegenüber. 

Pro, von Felix Alex

Traut euch und geht noch einen Schritt weiter! 

Im Kampf gegen Ergebnisabsprachen wird angedacht, die Fußball-Tradition über den Haufen zu werfen. Unentschieden sind nicht mehr vorgesehen. Das klingt erst mal befremdlich. Dennoch ist der Vorschlag nicht vollkommen abwegig. Die Frage wird sein, was sind bei möglichen 48 Teilnehmern und Dreiergruppen die Alternativen? Spielfreie Teams, die zusehen, wie sich zwei Mannschaften etwas zurechtmurksen und selig grinsend in die K.o-Runde einziehen, kann nicht wirklich im Sinne des Sportsgeists sein. Ebenso der Fakt, dass mögliche – pardon – Exotenländer noch eine Möglichkeit hätten, um sich durch die Gruppenphase zu mogeln und das Teilnehmerfeld weiter zu verwässern. Das alles spricht dafür, nach Auswegen zu suchen – und eben notfalls die Eliminierung von Unentschieden. Ich sage: Habt Mut und geht noch einen Schritt weiter. Mein Vorschlag: keine Gruppen, direkt eine K-o-Phase. Nur Sieger und Verlierer. Drama ab dem ersten Spiel. Es geht um alles. Mauscheleien ausgeschlossen. Und noch zwei Vorteile hätte diese Variante (vor allem bei 48 Teilnehmern): sofortige Spannung und einen zeitnahen Weltmeister.

Contra, von Michael Panzram

Was für eine unmögliche Idee!

Elfmeterschießen in der Gruppenphase? Was für eine unmögliche Idee! Noch bizarrer wäre es nur, eine Fußball-Weltmeisterschaft im Winter stattfinden zu lassen, weil es im Gastgeberland im Sommer zu heiß ist. Oder das Teilnehmerfeld auf 48 Mannschaften aufzustocken. Oder deutlich höhere Geldstrafen für falsche Socken als für Kriegsverbrecher-Vergleiche zu verhängen. Oder ... lassen wir das lieber.

Im Ernst: Es hat schon viel zu viele unsinnige Ideen gegeben, die nur Reaktionen auf unsinnige Ideen waren, die von irrlichternden Menschen erdacht und umgesetzt wurden. Die von allen guten Geistern verlassene FIFA hält es für richtig, die WM demnächst so aufzublasen, dass Albanien und Burkina Faso in der Gruppenphase aufeinandertreffen könnten – da spielt es auch wirklich keine Rolle mehr, ob sie aus taktischen Gründen den Ball immer nur quer spielen.

Ein mögliches Elfmeterschießen wird als Drohkulisse nicht funktionieren, die reguläre Spielzeit zuvor effektiver zu machen. Auch ein Anreiz ist das nicht wirklich. Höchstens für England.

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