Pro und Contra: Das Spiel um Platz drei

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WM 2018 - Belgien - Japan
Akrobatik pur: Vincent Kompany aus Belgien (l) kämpft mit Torwart Eiji Kawashima aus Japan um den Ball. (Foto: Petr David Josek/AP / DPA)

Das Spiel um Platz 3 bei großen Turnieren - ist das nur eine Quälerei für Spieler und Fans? 

Ja, sagt Jürgen Schattmann, in seinem Pro für die Abschaffung des Spiels um Platz 3

Die Ananas (Ananas comosus oder Ananas sativus) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Sie ist ursprünglich in Amerika heimisch und wird heute weltweit in tropischen Gebieten als Obstpflanze angebaut. Das Wort Ananas stammt von naná, also Frucht, in der Guaraní-Sprache, lehrt uns Wikipedia. Tatsächlich ist die Ananas eine sehr leckere Südfrucht, trotz und gerade wegen ihres Fruchtzuckers noch gesünder als Brokkoli, rote Paprika und die gleichfarbige Bete zusammen. Viele Obstbauern am Bodensee spekulieren bereits darauf, dass sie im Zuge des Klimawandels spätestens ab Februar 2019 Ananas anpflanzen können.

Auch im Sport gibt es die Ananas, eine goldene sogar. Sie ist die fiktive Prämie für solche Spiele, in denen es um nichts, aber auch um gar nichts mehr geht, etwa das heutige WM-Duell zwischen England und Belgien. Viele fordern, Spiele um Ananässe, Ananassi oder Ananasen, wie auch immer der Plural von Ananas lautet, abzuschaffen. Auch ich bin dieser Meinung.

Allerdings geht es für Belgien und England immerhin noch um den Torkönig. Der nämlich, also Harry Kane oder Romelu Lukaku, kann sich den Titel danach mit geschätzten zehn Millionen Euro Werbeprämien vergolden lassen und davon etwa fünf Millionen Ananasen kaufen. Womit wir wieder beim leidigen Thema Geld und Fußball wären. Warum zum Blatter braucht ein einzelner Mensch eigentlich so viele Südfrüchte?

Nein, sagt Joachim Lindinger in seinem Contra:  

Vielleicht gibt es ja einfach schöne, weil von jeglichen taktischen Zwängen befreite eineinhalb Stunden Fußball. Wäre nicht das erste Mal: Allen Spiel-um-Platz-drei-für-überflüssig-Erklärern sei gesagt, dass in den bisher 18 Begegnungen um WM-Bronze immerhin 71 Tore zusammenkamen. Der Spektakel-Faktor also war groß. Groß waren stets auch die Gesten der beteiligten Trainer; längst ist es guter Brauch, dass sie auch diejenigen aus ihren 23er-Kadern mit einem WM-Einsatz bedenken, die die sechs Turnierspiele zuvor bevorzugt für die Bank eine Bank waren. Natürlich kann, wer partout will, daraus sportliche Geringschätzung ableiten.

Er kann sich aber auch mit Oliver Kahn über dessen wohl positivste „Sommermärchen 2006“-Erinnerung unterhalten, sich die Bilder vom strahlenden Schlussmann Hans Jörg Butt anschauen, der 2010 beim deutschen 3:2 über Uruguay (einem höchst attraktiven Kick!) überragend gehalten hatte. Und: Er kann rechnen. Dritter von 32, womöglich nur ein Spiel – das Halbfinale – verloren, das ist doch, schon von den bloßen Zahlen her, durchaus erstrebenswert. Belgien und England jedenfalls dürften sich noch mal ziemlich ins Zeug legen, um eine hier wie da starke WM mit Platz drei zu krönen. Mit der Bronzemedaille. Vergeben nur alle vier Jahre... Komme nun niemand mit „aufgeblähte WM“! Da sagen wir nur: 48er-Feld!! So sinnfrei kann kein Spiel um Platz drei sein!!!

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