Pro & Contra: Endlich wieder Formel 1 gucken...?

Lesedauer: 4 Min
 Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hat den neuen Formel-1-Boliden auf der Rennstrecke Barcelona Catalunya in Montmelo vor dem Start
Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hat den neuen Formel-1-Boliden auf der Rennstrecke Barcelona Catalunya in Montmelo vor dem Start der Saison getestet. Nur gut ein Viertel der Deutschen traut Sebastian Vettel in dieser Saison den ersehnten WM-Titel mit Ferrari zu. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Es geht wieder los: Die Formel-1-Saison 2019 beginnt mit dem Großen Preis von Australien. Das Rennen in Melbourne am Sonntag, 17. März, bildet den Auftakt des neuen Jahres in der Königsklasse. 20 weitere Rennen rund um den Globus folgen noch. Spannende Sport-Events, die man sich auch mitten in der Nacht nicht entgehen lässt...?

Pro: Spannung bis zum Weltmeister-Glühwein

Von Joachim Lindinger

Nein, dass uns auf der A 96 erst neulich mal wieder die halbe Eidgenossenschaft den Auspuff gezeigt hat, war völlig okay. Nur dass hier niemand auf falsche Gedanken kommt: Wir schauen Formel 1 nicht, um irgendwas zu kompensieren. Obwohl: Tief drinnen ... Tief drinnen, da freut es uns schon, dass 2019 kein Schweizer in einem Königsklassen-Cockpit sitzt. Aber zwei der unseren: die Bleifüße Hülkenberg und Vettel. Wie, Letzterer ist Wahl-Thurgauer? Heppenheimer! Bergsträßler!! Hesse!!! Einer der Guten!!!!

Der Beste? Aus der Frage leiten Kreise, die sich auskennen mit dem Kreisverkehr, die Spannung ab für 21 Sonntage bis in den Advent. Brennen wir das erste Lichtlein an, betrinken wir uns mit Glühwein, weil Ferrari endlich seinen Weltmeister hat? Noch dazu einen aus Deutschland, einig Dieselland? Oder ist zum Schluss doch wieder dieser Hamilton schneller mit seinen aus Stuttgart geleasten Pferdlestärken? Der erste von 21 Teilen der Antwort verlangt einen penetrant lauten Wecker, eine Kanne Koffein pur und einen klaren Blick. Nicht auf Kai Ebels zeitlos schicke Oberwäsche – auf die Gefährte, die sich tummeln in Melbourne ab zehn nach sechs. F1 W10 EQ Power+ contra SF90, ein Biotop der Beschleunigung. Weit weg von A 96 ... und helvetischen Auspuffen.

Contra: Ohne die Boliden wäre die Erde noch immer eine Scheibe.

Von Dirk Uhlenbruch

Ist schon klar, liebe Freunde des lärmenden und stinkenden Spektakels: Ohne die segensreichen Erprobungen und Entwicklungen in der Formel 1 wären die Reifen unserer normalen Autos nicht rund, müssten wir mit den Schuhsohlen bremsen und durch Gewichtsverlagerung lenken. Wahrscheinlich hätten wir auch keine wunderbaren Teflon-Pfannen. Und selbstverständlich wäre die Erde ohne die knallbunten Boliden noch immer eine Scheibe.

All das erkennen wir sofort und freudig an – ohne zu brummen wie ein mickriger Motor mit nur drei Zylindern. Die Königsklasse wird es uns deshalb gewiss im Rückspiegel nachsehen und es keinesfalls als Majestätsbeleidigung ahnden, wenn wir die eine oder andere Petitesse anmerken: Ein geschätzter Durchschnittsverbrauch von 60 bis 80 Litern Benzin auf 100 Kilometer – ganz ohne Schummel-Software ermittelt – erscheint uns angesichts von Dieselfahrverboten und CO2-Grenzwertdebatte geringfügig zu hoch. Ganz zu schweigen vom Kerosindurst der Flugzeuge, die den Rennzirkus um den Globus chauffieren. Dass das edle Kräftemessen der Motorsportler einem Kampf der Geldbörsen gewichen ist, irritiert uns ebenfalls. Und dass deshalb immer die Herren Hamilton und Vettel siegen, macht uns schläfrig – und lässt uns von Teflon-Pfannen träumen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen