Politik will „Schutzschirm Sport“

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Schwäbische Zeitung

Berlin (dpa) ­ Die parlamentarische Trainerdebatte hat ein Nachspiel. Nach den Brandreden des organisierten Sports für die Aufwertung des Trainerjobs, ist Peter Danckert, Vorsitzender des Bundestags­Sportausschusses, mit harscher Kritik in die Offensive gegangen.

„Wenn das so weitergeht, dann ist die Lösung der Trainerproblematik in der Hand des Sports nicht gut aufgehoben“, stellte der SPD­Parlamentarier fest. „Es darf nicht so weiterlaufen, dass der Sport auf seine Autonomie pocht und dabei nichts geregelt bekommt, und wir im Bundestag pumpen parallel dazu sehr viel Steuergelder in die Trainerfinanzierung.“

Michael Vesper wies die Vorwürfe entschieden zurück. „Dass Herr Danckert erst jetzt die Trainerproblematik erkennt, wundert uns doch sehr - wir weisen seit zwei Jahren immer wieder darauf hin“, erklärte der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), „eine Verstaatlichung bietet keinen Ausweg. Nur die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Politik und des autonomen Sports kann und wird helfen.“

Am Vortag hatte Vesper von den Sport- und Haushaltspolitikern gefordert, dass bei den Etatberatungen für 2010 eine neue Anpassung der Trainervergütungen durch zusätzliche Bundesmittel ermöglicht wird. 2008 hatte es nach einer zusätzlichen Bundeszuweisung erstmals seit 1997 eine siebenprozentige Tarifanpassung in Höhe von 1,3 Millionen Euro gegeben.

Danckert hatte bereits in den parlamentarischen Trainerdiskussionen deutlich gemacht: Der DOSB habe das Problembündel Trainervergütung, Qualifizierung, Weiterbildung und Steuerung nicht lösen können. Die Sportpolitiker müssten gemeinsam mit dem DOSB und dem Bundesinnenministerium jetzt sehr schnell neue Lösungswege aufzeigen. Ein sogenannter „Schutzschirm Sport“ wird dabei angedacht. „Es ist ein Weck­ und Warnruf. Ansonsten klettert der Spitzensport immer weiter auf dem absteigenden Ast nach unten“, sagte Danckert.

Vesper hatte im Sportausschuss die offizielle Sicht des Geschäftsbereichs Leistungssport vorgestellt. Gedreht werden sollte an mehreren Stellschrauben: Vergütungsanpassungen für Toptrainer, Trainerpreise und ein Geld-Bonus für Trainer von Goldmedaillengewinnern. „Seit Gründung des DOSB arbeiten wir mit aller Kraft an der Verbesserung der Trainersituation, und das mit wachsendem Erfolg“, meinte DOSB-Leistungssport-Direktor Bernhard Schwank und bemühte sich um ein Glätten der Wogen, „erstmals seit 1997 wurden die Vergütungen für die Bundestrainer erhöht, fast siebzig zusätzliche Stellen geschaffen und die Mittel für die Aus- und Fortbildung deutlich gesteigert. Dafür sind wir dem Parlament dankbar.“

Trainingswissenschaftler Joachim Mester von der Deutschen Sporthochschule Köln schien unterdessen ein Lösungskonzept parat zu haben. Reformschritte dürften nicht von unten beginnen, meinte Mester. „Wir brauchen ein Trainerteam, bei dem ein Verantwortlicher, also der Bundestrainer oder Chefcoach, in der Lage ist, die wissenschaftlichen Teilbereiche zu übersehen: Biomechanik, Psychologie, Pädagogik und so weiter. Er muss in der Lage sein, sein Team zu führen, und da er natürlich nicht auf allen Feldern ein Spezialist sein kann, sollte er deshalb Experten zurate ziehen.“ Im Profifußball zeigten etwa die TSG Hoffenheim oder Bayern München, wie man es richtig macht.

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