Play-offs sind eine Frage der Mentalität

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 Kampf um jeden Zentimeter Eis: Am Freitag startet das Play-off-Viertelfinale zwischen den Ravensburg Towerstars und dem EC Bad
Kampf um jeden Zentimeter Eis: Am Freitag startet das Play-off-Viertelfinale zwischen den Ravensburg Towerstars und dem EC Bad Nauheim. (Foto: Felix Kästle)
Sportredakteur

Drei Jahre mussten die Ravensburg Towerstars auf diesen Moment warten – nun hat das Warten ein Ende. „Endlich richtige Play-offs“, sagt Towerstars-Geschäftsführer Rainer Schan vor dem ersten Viertelfinale gegen den EC Bad Nauheim am Freitag (20 Uhr) in der CHG-Arena in Ravensburg. Richtige Play-offs? Ja, richtige Play-offs. Denn in den vergangenen zwei Spielzeiten scheiterten die Towerstars immer schon in den Pre-Play-offs. Entsprechend groß ist die Vorfreude.

„Ich freue mich, dass es endlich los geht. Wir haben uns gut vorbereitet“, sagt Towerstars-Kapitän Vincenz Mayer nach dem Donnerstagstraining. Seine Erwartungshaltung macht er in einem Satz klar: „Das Jahr soll richtig lange werden.“ Da hätte auch Rich Chernomaz gewiss nichts dagegen. Entschlossen wirkt der Trainer, einigermaßen zufrieden. Und: angriffslustig. „Haben Sie gelesen, was Christof Kreutzer über uns gesagt hat?“, fragt Chernomaz und knallt einen Ausdruck eines Artikels über die Bad Nauheimer in einer hessischen Zeitung auf den Tisch in seinem Büro. „Ravensburg ist kein übermächtiger Gegner. Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe“, wird Nauheims Trainer Kreutzer zitiert. Eine fast andächtige Stille entsteht. Chernomaz schaut auf. „Wir fürchten uns auch nicht vor Bad Nauheim!“, ruft er. Dann grinst er breit, lehnt sich in seinem Stuhl zurück und verschränkt die Arme.

„Alle sind hier heiß und angespannt“, sagt Geschäftsführer Schan, der den Verein mit all seinen Gemütszuständen schon lange kennt: „Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft bereit sein wird und jeder Spieler an seine Grenzen geht.“ Genau da will Chernomaz seine Jungs haben. Der Kader sei quasi vollständig, auch Robbie Czarnik kehrt zurück. So hat Chernomaz sogar mehr Optionen, als er für vier volle Reihen benötigt – zwei Goalies, sieben Verteidiger, 13 Stürmer. Es werde eine Frage der Mentalität und des Willens werden, wer sich letztendlich in maximal sieben Spielen durchsetzt, sagt Chernomaz, der schon viele Play-off-Schlachten geschlagen hat. Trotz dieser Erfahrung ist die Phase, die jetzt kommt, auch für ihn noch „sehr speziell“.

Viel trainiert haben sie in den vergangenen zwei Wochen, seit dem Ende der Hauptrunde. Zuerst standen zwar drei Tage Erholung, dann aber ging es voll in den Rhythmus: zwei Tage Training mit jeweils bis zu zwei Einheiten pro Tag, dann ein Tag Pause – und wieder von vorn. Chernomaz weiß: Die kleinen Dinge werden den Unterschied machen. Dinge, die von außen vermutlich gar nicht zu sehen sind, aber intern so wichtig sind. Disziplin sei extrem wichtig, Charakter natürlich auch. Auch Schan ist sicher: „Es wird auf Kleinigkeiten ankommen.“

Großer Einsatz für kleine Dinge

Dass die Mannschaft bereit sein wird, großen Einsatz auch für diese kleinen Dinge zu bringen, glaubt Schan ohne Zweifel. Denn: „Es gibt Spieler, die seit zwei Jahren bei uns sind und noch kein Play-off-Spiel gemacht haben. Die werden alles in die Waagschale werfen.“ Wer in die Play-offs einziehe, wolle mehr, sagt er über seine eigene Motivation für die kommenden Wochen: „Ich bin sicher, dass es den Jungs auch so geht.“

Bad Nauheim sehen Chernomaz und Schan nahezu gleichwertig mit Ravensburg, was angesichts der Abschlusstabelle der DEL2-Hauptrunde sicherlich kein falscher Eindruck ist. Denn da trennten den Dritten Ravensburg und den Sechsten Bad Nauheim nur drei Punkte. „Gegen Nauheim waren es enge, harte, umkämpfte Spiele“, erinnert sich Schan. Die Hessen sah er in einer sehr guten Spätform: „Sie haben zwar gebraucht, um sich zu finden. Aber jetzt stehen sie zu Recht da oben.“

Was Schan sich für die Play-offs wünscht, ist eine entsprechende Stimmung in der Arena: „Ich hoffe, dass die Fans genauso drauf brennen und uns von Anfang bis zum Ende unterstützen.“ In den vergangenen Wochen habe er aber nicht immer den Eindruck gehabt, dass der Funke schon auf die Ränge übergesprungen ist: „Ich hatte manchmal nicht den Eindruck, auf einer Sportveranstaltung zu sein, sondern auf einer Beerdigung.“ Es sei aber elementar wichtig, dass maximale Energie von den Rängen auf dem Eis ankomme.

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