„Phänomen“ Ronaldo vor Comeback

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Deutsche Presse-Agentur

Wann kehrt das „Phänomen“ auf den Rasen zurück? Diese Frage beschäftigt Brasiliens Sportjournalisten wie kaum eine andere, seit der dreimalige Weltfußballer Ronaldo („O fenomeno“) im Dezember einen Einjahresvertrag beim SC Corinthians São Paulo unterschrieb.

Seit zwölf Monaten laboriert der Stürmer an den Folgen eines Patella-Sehnenrisses im linken Knie, den er sich am 13. Februar 2008 im Spiel seines damaligen Clubs AC Mailand gegen AS Livorno zuzog. Damals drohte ihm das Karriere-Aus. Zurück in der sonnigen Heimat und nach einigen privaten Eskapaden soll jetzt endlich das Comeback des 32-Jährige auf dem Fußballplatz bevorstehen.

In regelmäßigen Abständen geht Ronaldo bei seinem neuem Club, der gerade den Wiederaufstieg in die erste Liga geschafft hat, vor die Presse. Er hat deutlich abgenommen, scheint aber sein Idealgewicht noch nicht erreicht zu haben. Das Haupthindernis für sein Debüt bei Corinthians liegt derzeit in der ungleichen Muskelkraft in den Beinen. Tests ergaben, dass Ronaldos linkes Bein 30 Prozent weniger Muskelkraft hat als das rechte. „Es fehlt nur die Kraft, aber es ist ein großes Risiko, jetzt wieder mit dem Spielen anzufangen“, sagte Ronaldo kürzlich. Dennoch rechnet sein Umfeld damit, dass der Weltmeister von 2002 entweder schon am 1. März gegen Marília oder am 8. März gegen den derzeit scheinbar unbezwingbaren Erzrivalen Palmeiras aufläuft.

Ronaldo hat in den vergangenen zwölf Monaten weniger durch sportliche Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Im Mai 2008 empfing er in Rio de Janeiro in einem Hotel drei Transvestiten und beteuerte anschließend, er habe gedacht, es seien weibliche Prostituierte. Am 24. Dezember brachte seine Freundin María Beatriz Antony eine gemeinsame Tochter zur Welt. Medien berichteten nur Wochen danach von einer Trennung. Im Januar wurde er dann, auch zum Ärger seines Trainers, in São Paulo fotografiert, als er um 06.00 Uhr morgens aus einer Diskothek kam - und dies, obwohl er noch mitten im Aufbautraining ist.

Corinthians präsentiert seinen Star mit der „Nummer 9“ indes entweder schwitzend auf dem Fahrrad im Trainingsraum oder lachend und kickend auf dem Fußballplatz. Ronaldo, der 14 Jahre lang bei Spitzenclubs in Europa spielte, lässt sich die Rückkehr nach Brasilien, das 2014 das zweite Mal nach 1950 Fußball-WM-Ausrichter ist, gut bezahlen. Der Club überweist Ronaldo monatlich umgerechnet 133 000 Euro. Zudem verdient er an den Einnahmen aus der Werbung auf Trikot-Hose und -Ärmel. Insgesamt summiert sich das Jahreseinkommen auf schätzungsweise mehr als vier Millionen Euro.

Für Ärger und Wut sorgte der Torschützenkönig der Fußball-WM 2002 dagegen in Rio. Dort hatte er bei Flamengo mehrere Monate ein Reha-Training absolviert, und der Club hatte sich Hoffnungen auf einen Vertrag gemacht. Die Fans gründeten sogar eine Initiative „Fica, Ronaldo“ („Ronaldo, bleib'“) und sammelten Geld für einen Vertrag. Umso größer war dann die Enttäuschung, als sich ihr Idol für São Paulo entschied, was Ronaldo bei den Fans in Rio den Ruf eines „Verräters“ bescherte.

Der Brasilianer sehnt sich nach eigenen Worten zurück auf den Fußballplatz. Dann stehe nicht mehr sein Privatleben, sondern der Fußball im Mittelpunkt des Interesses, sagte er. Der Druck ist groß, denn Vereinsführung und Fans erwarten von dem „Phänomen“ nicht mehr und nicht weniger als viele Tore. Die Chancen auf eine Rückkehr in Brasiliens Nationalmannschaft und auf eine Teilnahme an der Fußball- WM 2010 in Südafrika dürften eher gering sein. Zwar ist Ronaldo dann „erst“ 33 Jahre. Er müsste sich aber gegen deutlich jüngere und starke Konkurrenten wie etwa Robinho (25/Manchester City) oder Adriano (27/Inter Mailand) durchsetzen.

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