Pechstein strebt nach „Senioren-Titel“ bei WM

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Deutsche Presse-Agentur

Claudia Pechstein will im „Eisschrank“ Hamar die Chance nutzen, sich nach dem Gewinn der Europameisterschaft nun mit fast 37 Jahren auch zur ältesten Weltmeisterin der Eisschnelllauf-Geschichte zu krönen.

Mit 35 Jahren und knapp zwei Monaten ist die Niederländerin Atje Keulen- Deelstra seit ihrem Sieg 1974 die bislang älteste Titelträgerin. Nach der kurzfristigen Absage der Erfurter Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms wegen eines Virus-Infekts sind Pechsteins Chancen weiter gestiegen. Vor ihrem „Heimspiel“ im Wikingerschiff regiert bei der erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin jedenfalls die Zuversicht: „Ich liebe das Eis in Hamar. Und fühle mich wieder fit. Mein Ziel ist eine Medaille.“

Die „Eis-Oma“ trainiert bei Außentemperaturen von minus 20 Grad und permanenten Schneefällen auf dem Eis-Oval, das seit fast zwei Jahren ihre neue Heimstätte ist. „Mit Hamar verbinde ich die Sternstunde meines ersten Olympiasieges 1994. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich auf der Zielgeraden stand und Gunda bei ihrem Einlauf beobachtete. Für mich stand fest, dass sie gewinnt, doch plötzlich stand hinter meinem Namen immer noch Platz 1“, erinnert sie sich an den Glückstag vor 15 Jahren, als sie die Favoritin Gunda Niemann überraschte.

Obwohl sie nach eigenem Bekunden den Mehrkampf gar nicht liebt, wird sie am Wochenende bereits ihre 17. Allround-WM bestreiten. Elf Medaillen (1/8/2) waren bisher ihre Ausbeute, der einzige Titelgewinn liegt aber schon neun Jahre zurück. „Seit dem EM-Titel macht mir der Mehrkampf wieder mehr Spaß. Aber auch diese WM bleibt nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur WM nach Richmond“, sagte Pechstein. Bei den Titelkämpfen auf der Olympia-Bahn will sie wieder eine Medaille auf den langen Strecken erkämpfen und ihre große Serie vollenden: Als einzige Eisschnellläuferin der Welt gewann sie bisher bei jeder Einzelstrecken-WM Edelmetall.

Allerdings haben zehn Tage Trainingsausfall nach der EM wegen eines Infekts die Euphorie etwas gedämpft. Beim Weltcup in Erfurt kam die Hauptstädterin nur auf zwei sechste Plätze und klagte über leichte Rückenprobleme. „Einige haben mich jetzt bestimmt schon wieder abgeschrieben. Aber ich muss mir auch nichts mehr beweisen, habe alles gewonnen. Ich stehe nicht unter Druck“, versucht Claudia Pechstein die Erwartungshaltung zu dämpfen. Viel wird in Hamar davon abhängen, wie viel Zeit sie der 15 Jahre jüngeren 5000-m- Weltrekordlerin Martina Sablikova aus Tschechien über die 500-m- Sprint-Distanz abnehmen kann, um sich ein Polster zu verschaffen.

„Sie wird etwas ganz Großes leisten. In Hamar steigt eine Riesenparty“, prognostiziert Norwegens Chefcoach Peter Mueller. Der Amerikaner hofft zudem, dass auch der Norweger Havard Bökko dem favorisierten Niederländer Sven Kramer einen Dämpfer versetzt. „Die Zeit ist reif für Titel“, kündigte Mueller an. Für Robert Lehmann (Erfurt) und Tobias Schneider (Berlin), die bei der EM als Sechster und Achter überzeugt hatten, ist das Finale der besten 12 über 10 000 Meter das große Ziel.

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