Pechstein nach erstem WM-Tag auf Platz drei

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Deutsche Presse-Agentur

Dem Schock folgte der erste Frust, doch wenig später gab sich Claudia Pechstein schon wieder kämpferisch. Die Berlinerin muss ihren Traum vom Gewinn des Titel-Doubles bei Welt- und Europameisterschaften aber voraussichtlich begraben.

Nachdem sie sich bei ihrem „Heimspiel“ im ausverkauften Wikingerschiff von Hamar gleich zum Auftakt eine Schnittwunde im Bereich der Achillessehne zugezogen hatte, reichte es für die Europameisterin über 3000 Meter nur zu Platz vier (4:06,00 Minuten). Damit rangiert die 36 Jahre alte Berlin im Zwischenklassement auf Platz drei.

„Es war einfach schade, dass ich keine starke Gegnerin hatte. Das hat eine Sekunde gekostet“, bedauerte die fünfmalige Olympiasiegerin. „Natürlich kann ich nicht zufrieden sein. Die Beine wurden immer schwerer“, meinte Claudia Pechstein enttäuscht, während Trainer Peter Mueller Mühe hatte, seinen Schützling wieder aufzurichten. Wenig später hatte sie sich aber schon wieder gefangen. „Sablikovas Führung ist keine Überraschung. Jetzt werde ich am Sonntag noch einmal angreifen“, meinte Pechstein, die alle Chancen wahrte, zum neunten Male Vize-Weltmeisterin im Mehrkampf zu werden.

Das Missgeschick hatte die fast 37 Jahre alte Berlinerin bereits nach etwa 30 Metern des Auftakt-Rennens über 500 Meter ereilt: Mit der rechten Kufe hackte sie sich in das linke Bein und fügte sich die blutige Verletzung selbst zu. „Es war ein ganz komisches Gefühl. Gott sei Dank war der Schuh im Weg, sonst wäre das böse ausgegangen“, meinte die Langstrecken-Spezialistin, die trotz des Schrecks den fünften Platz belegte und in 39,74 Sekunden nicht viel Zeit verlor. Der Schuh jedoch war jedoch arg lädiert und beeinträchtigte die Hauptstädterin damit in den weiteren Rennen. „Es lief nicht optimal, aber sie hat sich wacker geschlagen“, meinte Teamchef Helge Jasch.

Über 3000 Meter startete Favoritin Martina Sablikova, die schon über 500 Meter in 40,28 Sekunden persönliche Bestzeit gelaufen war, vor 6000 Zuschauern den erwarteten Generalangriff auf die Spitze. Mit der Siegerzeit von 4:01,90 Minuten verfehlte die Tschechin den Bahnrekord von Gunda Niemann zwar knapp, überflügelte aber alle Konkurrentinnen auch im Gesamt-Klassement und ist nun angesichts ihrer Klasse über 5000 Meter die Top-Favoritin auf den Titel.

Die schnellste Sprinterin Christine Nesbitt (38,87) fiel nach den 3000 Metern auf Platz zwei zurück. Die Kanadierin hat vor der dritten Strecke, den 1500 Meter, noch einen Vorsprung von 0,21 Sekunden auf Claudia Pechstein. Lucille Opitz (Berlin/18.), WM- Neuling Isabell Ost (Berlin/22.) und Stephanie Beckert (Erfurt/24.) konnten nicht überzeugen und werden sich voraussichtlich nicht für das Finale der besten 12 über 5000 Meter qualifizieren.

Unzufrieden waren die deutschen Herren. Der EM-Sechste Robert Lehmann warf wütend seine Plastik-Trinkflasche weg, nachdem er in 36,46 Sekunden nur auf Platz acht gelandet war. Über 5000 Meter war der Erfurter in 6:35,19 zwar schneller als bei der EM in Heerenveen, muss nun aber als Zehnter des Zwischenklassements um den Einzug in das Finale bangen. Tobias Schneider aus Berlin rangiert nach zwei Strecken auf Platz 14.

Seine unglaubliche Überlegenheit unterstrich Top-Favorit Sven Kramer mit einem allerdings inoffiziellen Flachland-„Weltrekord“ über 5000 Meter. In 6:09,74 war der 22 Jahre alt Millionär aus den Niederlanden 2/100 Sekunden schneller als vor gut zwei Jahren in Berlin. Kramer hat vor den 1500 Metern 0,84 Sekunden Vorsprung auf den Norweger Havard Bökko und strebt seinem dritten Allround-Titel in Serie entgegen.

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