Patrick Mahomes: Der jüngste Beste

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Footballspieler jubelt
Die Emotionen müssen raus: Quarterback Patrick Mahomes nach dem Super-Bowl-Triumph mit den Kansas City Chiefs. (Foto: Andy Lyons /AFP)
Jens Bistritschan

Die ganz große Super-Bowl-Sause blieb für den deutschen Football-Profi Mark Nzeocha genauso aus wie der so sehr ersehnte erste Titel. Der 30-Jährige aus dem fränkischen Rothenburg ob der Tauber verpasste mit den San Francisco 49ers durch das 20:31 gegen die Kansas City Chiefs den wichtigsten Titel der Footballwelt und muss weiter auf seine Premieren-Trophäe warten. „Mark war drei Jahre bei uns beim Flag Football – wir wurden in den fünf Jahren davor bayerischer Meister, dann kam Mark, dann haben wir nicht gewonnen und als er weg war, haben wir wieder zwei Titel geholt“, sagte sein Jugendtrainer Philipp Kimmelmann von den Franken Knights. Dies habe natürlich nichts mit der Qualität Nzeochas zu tun, betonte Kimmelmann. „Wir stehen als ganzer Verein dahinter und sind total stolz. Es soll jeder wissen, dass er bei uns angefangen hat. Wir haben es ihm in die Wiege gelegt, dass er beim Football bleibt.“ Nur das mit dem Titel hat bislang irgendwie noch nicht geklappt. (dpa)

Nicht nur einige Footballer der Kansas City Chiefs hatten leicht feuchte Augen, sondern auch viele ihrer Fans – einer davon Bobby Sandlin. Sein Team hatte gerade den Super Bowl mit 31:20 gegen die San Francisco 49ers gewonnen. 10:20 hatte das Team des Dauerkartenbesitzers Mitte des Schlussviertels in Miami zurückgelegen – um dann wie schon in den beiden Play-off-Spielen zuvor die Partie noch zu drehen.

„Ich würde lügen, wenn ich nicht ein wenig an einem Sieg gezweifelt habe“, sagte der Immobilienmakler Sandlin der „Schwäbischen Zeitung“. Doch er weigerte sich, die Hoffnung auf einen Sieg aufzugeben, wie auch die meisten Fans der Chiefs unter den 62 417 Zuschauern. Schließlich hatte Kansas City im Viertelfinale die Houston Texans nach einem 0:24-Rückstand noch 51:31 besiegt, im Halbfinale gegen die Tennessee Titans nach 7:17 mit 35:24 gewonnen. „Ich wusste: Wenn wir so etwas wie in diesen beiden Spielen hinbekommen, können wir alles erreichen“, sagte Sandlin, der seit 13 Jahren eine Dauerkarte hat und für den 54. Super Bowl ein Ticket für den Fanblock in der Ecke unter dem Dach hatte ergattern können.

Drei Touchdowns in Folge

Und wie schon in den Wochen zuvor war es einmal mehr Patrick Mahomes, der die Chiefs zum Comeback führte. Knapp zwölf Minuten vor Schluss hatte der Quarterback seine zweite Interception des Finales geworfen. Bis zum Super Bowl hatten die Gegner in den Play-offs überhaupt keinen Ball von Mahomes abgefangen. Doch sein Siegeswille war weiter ungebrochen. „Egal was im Spielzug zuvor passiert ist, du musst dich auf den nächsten fokussieren“, ist das Credo des 24-Jährigen. Eiskalt führte er seine Chiefs in den nächsten drei Ballbesitzen zu drei Touchdowns. Zusammen mit den drei Extrapunkten waren dies 21 Punkte – ein neuer Super-Bowl-Rekord für Punkte im Schlussviertel.

„Mit seinem Willen hat uns Patrick zurück ins Spiel gebracht“, lobte Tight End Travis Kelce seinen Quarterback. Auf einmal kamen dessen Würfe besser an – oder Mahomes lief selbst ein paar Yards. „Ich habe anfangs viele Fehler gemacht. Aber die Jungs haben an mich geglaubt“, bedankte er sich bei seinen Mitspielern. Mit 24 Jahren und 138 Tagen ist Mahomes der jüngste Quarterback, der in einem Super Bowl als Most Valuable Player, also als wertvollster Spieler, ausgezeichnet wurde.

Bei den 49ers lief im Schlussviertel hingegen so gut wie gar nichts mehr zusammen. Quarterback Jimmy Garoppolo brachte nur noch drei seiner elf Passversuche an den Mann. Und doch hätte San Francisco die Partie beinahe noch einmal gedreht. Beim Stand von 20:24 mit noch knapp zwei Minuten auf der Uhr hatte Emanuel Sanders seinen Gegenspieler schon abgehängt. Doch der Wurf von Garoppolo segelte über den Kopf seines Wide Receivers. „Da waren einige Spielzüge dabei, die wir normalerweise mit Erfolg abschließen, diesmal aber nicht. Das ist schon bitter“, sagte Garoppolo.

Zweifelhafte Ehre für Shanahan

Seinem Cheftrainer Kyle Shanahan ist nun die zweifelhafte Ehre zuteil geworden, maßgeblicher Teil der zwei größten verspielten Führungen der Super-Bowl-Geschichte zu sein. Vor drei Jahren hatte er als Offensive Coordinator der Atlanta Falcons nach einer 28:3-Führung noch mit 28:34 nach Verlängerung gegen die New Englands Patriots verloren. Dass seine 49ers nun das Schicksal vieler Super-Bowl-Verlierer der vergangenen Jahre ereilt, nach der Final-Niederlage in der darauffolgenden Saison einzubrechen, glaubt Shananhan nicht. „Wir werden unsere Wunden lecken und darüber hinwegkommen. Fast alle unsere Spieler werden auch nächstes Jahr bei uns sein und wir planen noch ein paar Ergänzungen“, kündigte er an. Die Fans der Kalifornier sollten also die Hoffnung auf den sechsten Super-Bowl-Titel insgesamt und den ersten seit nunmehr 25 Jahren nicht aufgeben.

Die Chiefs hatten die Vince-Lombardi-Trophäe für den Sieger bisher nur einmal erhalten – vor 50 Jahren. Am Mittwoch werden sich Spieler und Trainer in Kansas City in einem großen Autokorso von ihren Fans feiern lassen. Und die Buchmacher in Las Vegas haben den neuen Champion auch gleich als Favoriten auf den Titel in der kommenden Saison auserkoren. Kein Wunder bei einem jungen Quarterback, der die Gabe hat, wichtige Spiele scheinbar nach Belieben noch zu drehen.

Die ganz große Super-Bowl-Sause blieb für den deutschen Football-Profi Mark Nzeocha genauso aus wie der so sehr ersehnte erste Titel. Der 30-Jährige aus dem fränkischen Rothenburg ob der Tauber verpasste mit den San Francisco 49ers durch das 20:31 gegen die Kansas City Chiefs den wichtigsten Titel der Footballwelt und muss weiter auf seine Premieren-Trophäe warten. „Mark war drei Jahre bei uns beim Flag Football – wir wurden in den fünf Jahren davor bayerischer Meister, dann kam Mark, dann haben wir nicht gewonnen und als er weg war, haben wir wieder zwei Titel geholt“, sagte sein Jugendtrainer Philipp Kimmelmann von den Franken Knights. Dies habe natürlich nichts mit der Qualität Nzeochas zu tun, betonte Kimmelmann. „Wir stehen als ganzer Verein dahinter und sind total stolz. Es soll jeder wissen, dass er bei uns angefangen hat. Wir haben es ihm in die Wiege gelegt, dass er beim Football bleibt.“ Nur das mit dem Titel hat bislang irgendwie noch nicht geklappt. (dpa)

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