„Olympia-Sünder“ Ahlmann auf dem Weg zu Normalität

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Deutsche Presse-Agentur

Christian Ahlmann kommt ganz langsam zurück in die Normalität. Seit einem Monat darf der Springreiter wieder das machen, was er am liebsten macht: Bei Turnieren reiten.

Zumindest beim Publikum scheint der Wirbel um die positive Probe seines Olympia-Pferdes Cöster sowie die dadurch entfachte Doping-Diskussion vergessen zu sein. In Leipzig empfingen ihn die Zuschauer beim ersten internationalen Turnierstart in Deutschland nicht mit Pfiffen, sondern mit Applaus - so als sei nichts gewesen. „Wir müssen ihn wieder aufnehmen“, sagte auch Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Völlig normal sind die Turnierstarts für Ahlmann jedoch noch nicht, zumindest nicht abseits des Parcours'. So wirkt der zuvor so lockere Reiter aus dem westfälischen Marl vorsichtig, gibt Interviews nur in Begleitung - oder gar nicht. Nach Absprache mit seinen Anwälten werden TV-Anfragen derzeit generell abgelehnt, erklärte Volker Wulff, der Turnierveranstalter in Leipzig. Die Reaktionen der Zuschauer beurteilte Wulff als „sehr positiv, sehr fair“. Der Leipziger Turnierveranstalter sagte: „Das fachkundige Publikum weiß, was er durchgemacht hat.“

Ahlmann war nach den Olympischen Spielen der Buhmann, der einzige positive Fall des deutschen Teams. Mit Schimpf und Schande war seine überstürzte Abreise aus Hongkong begleitet worden, die Kritik und die folgenden juristischen Auseinandersetzungen brachten dem Doppel-Europameister von 2003 mehr Schlagzeilen als alle sportlichen Erfolge. Als Dopingsünder galt der 34-Jährige vielen, als Sündenbock nur wenigen. Vom Weltverband FEI ist er schließlich vom Doping-Vorwurf freigesprochen und lediglich für eine minder schwere verbotene Medikation bestraft worden war. Diese oft schwammige und selbst von Fachleuten manchmal schwer zu verstehende Unterscheidung, die es nur im Reglement für Pferde gibt, ist nur eines der Probleme, die eine Beurteilung des Falles Ahlmann so mühsam machen.

Wie schwer Ahlmann die Rückkehr in die Öffentlichkeit gefallen ist, lässt sich an seinen Comeback-Stationen erahnen. Den ersten Turnierstart absolvierte er im spanischen La Coruna, wohin er als einziger Deutscher reiste. Dann folgten das belgische Mechelen, sowie zwei kleinere nationale Turniere.

Sportlich läuft es auch noch nicht optimal. Ein Sieg in einem Zeitspringen gelang Ahlmann in Leipzig, im von Jessica Kürten (Irland) gewonnenen Weltcup-Springen landete er mit Lorenzo auf Rang 27. Viel schlimmer für Ahlmann ist aber, dass der Fall auch juristisch noch nicht ausgestanden ist. Der deutsche Verband hat vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung eingelegt, weil die Strafe als zu milde erschien.

Diese Haltung hat sich auch nicht geändert, wie der Verbands-Präsident betonte. Rantzau will Ahlmann zwar nicht mehr ausgrenzen, aber die harte Linie beibehalten. Auch an der verbandsinternen Sperre von zwei Jahren für Einsätze im Nationalteam bei EM, WM und Nationenpreisen solle nicht gerüttelt werden. Auch wenn Ahlmanns Kollegen murren und es übertrieben finden, auch wenn es scheint, dass das Publikum ihm längst verziehen hat.

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