Obama: Der Sport hat ein bisschen mitgesiegt

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Deutsche Presse-Agentur

Die Vereinigten Staaten strahlen, die Welt feiert Barack Obama, und der Sport hat dabei ein wenig mitgesiegt. Es gibt da eine Geschichte, die viel erzählt über den neuen Herrn im Weißen Haus, seine Befähigungen und Talente.

Während ihrer Zeit an der Harvard-Universität hatte Michelle Robinson ihren Bruder Craig gebeten, er möge den Kommilitonen Barack Obama einem Härtetest im Basketball unterziehen. Craig war ein hervorragender Collegespieler, Barack hatte es ins Auswahlteam seiner High School auf Hawaii geschafft. Barack sei ein Führungsspieler, der gut in der Verteidigung ist, genau wisse, wann man die Initiative ergreifen müsse und der jede Chance nutze, um selbst zu punkten, lautete der Befund. Er hatte Auswirkungen. Michelle heiratete Barack, und der ist seit dem 20. Januar der 44. Präsident der Vereinigten Staaten.

Die Sportnation USA hat schon immer besonders darauf geachtet, ob ihr Präsident auch in den Leibesübungen Besonderes zu leisten vermag. Barack Obama, der Fitnessfreak, Handicap-16-Golfer und Basketball-Liebhaber, kann es da mit fast jedem seiner Vorgänger aufnehmen. Und dass er von seiner Jugendzeit an eine besondere Zuneigung zu dem Spiel mit dem großen Ball gefasst hat, beschreibt er so: „Basketball ist ein Spiel, das Identität schafft. Es war für mich ein Platz, wo es kein Nachteil war, Schwarzer zu sein. Denn hier dominierten wir.“ Im Basketball finde sich, wie im Jazz, afro-amerikanische Kultur wieder, „eine Verbindung von Improvisation und Disziplin. Das ist sehr, sehr stark“.

Dass mit Barack Obama nun zum ersten Mal ein schwarzer Präsident ins Weiße Haus eingezogen ist, dafür hat der Sport den Weg ein wenig mitbereitet. Die patriotische Nation hat immer wieder besonderen Ruhm aus den Erfolgen ihrer schwarzen Idole bezogen. Zu den größten Pionieren zählen Boxer Joe Lewis mit seinem WM-Sieg über den „bösen“ Deutschen Max Schmeling und Leichtathlet Jesse Owens mit seinen drei Olympia-Triumphen 1936 in Berlin, und das vor den Augen des Rassisten Adolf Hitler. Der Kriegsdienstverweigerer Cassius Clay steht als Muhammad Ali für den Kampf schwarzer Sportler gegen Diskriminierung, die Basketball-Legende Michael Jordan und der Golf-Titan Tiger Woods symbolisieren die schier unbegrenzte Möglichkeit auch für Afro-Amerikaner, in den USA reich zu werden.

Kein Wunder, dass der nun schwer von der Parkinsonschen Krankheit gezeichnete Muhammad Ali zur Eideszeremonie vor dem Capitol geladen war und Tiger Woods zur Inaugurationsfeier vor dem Lincoln Memorial in Washington. 1997 hatte Woods nach seinem ersten Masterssieg in Augusta noch eine Einladung des damaligen Präsidenten Bill Clinton in die Hauptstadt abgelehnt und bisher jede Aussage zu Politik, Kultur und Rassenproblematik verweigert. Vermutlich aus Gründen, die sein Freund Michael Jordan so beschrieb: „Auch Republikaner kaufen Schuhe“ - Woods und Jordan sind die Top- Repräsentanten des US-Sportartikel-Giganten Nike. Der angehende Golf-Milliardär gab sich in einer kurzen Rede erstmals als Obama-Anhänger zu erkennen. „Woods hat seine politische Stimme gefunden“, kommentierte die „New York Times“.

Obama und der Sport - der neue Präsident will seinem Land nun auch ein neues olympisches Kapitel bescheren. „Ich kann mir nichts Größeres vorstellen, als im Sommer 2016, am Ende meiner zweiten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten, der Welt zuzurufen: Lasst die Spiele beginnen“, sagte er am 6. Juni vergangenen Jahres. Da war seine Heimatstadt vom Internationalen Olympischen Komitee neben Tokio, Madrid und Rio de Janeiro in die Endausscheidung gewählt worden. Nun soll der 2. Oktober in Kopenhagen zum Tag des Sieges werden.

In Chicago gibt man sich zuversichtlich, dass der prominenteste Bürger der Stadt dann als Stimmenfänger in Erscheinung tritt. Vorgänger George W. Bush hatte mit seiner Politik auch im Parlament der Olympier für einen Anti-Amerikanismus gesorgt mit dem Resultat, dass New Yorks Bewerbung für die Spiele 2012 abgeschmettert wurde. Im vergangenen Jahr hatte sich Obama beim IOC mit der Aussage beliebt gemacht, Werte der olympischen Idee wie Freundschaft, gegenseitiger Respekt und Fairplay seien auch die seinen. IOC-Präsident Jacques Rogge sähe mit Wohlgefallen, wenn Barack Obama den olympischen Gipfel in Kopenhagen mit seiner Anwesenheit schmücken würde. Das würde Chicago „sicherlich helfen“, ließ der Oberolympier verlauten.

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