Norwegens Coach Olsen mit Sorgen

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Deutsche Presse-Agentur

Spekulationen um Lothar Matthäus, kein Sieg im vergangenen Jahr, Schlusslicht in der WM-Qualifikation und große Verletzungssorgen: Norwegens Übergangs-Chefcoach Egil Olsen hat viele Probleme, aber wenig Grund zur Zuversicht.

Überlagert wurden seine sportlichen Sorgen vor dem Abschlusstraining zum Testspiel gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft von der bekanntgewordenen Meldung der Osloer Zeitung „Verdens Gang“, der deutsche Rekordnationalspieler Matthäus sei Kandidat für seine Nachfolge. Olsen: „Ich bezweifle, dass er auf der Liste steht.“

Norwegens Fußball-Verband (NFF) gab sich in Sachen Matthäus, der zurzeit beim israelischen Club Maccabi Netanya tätig ist, zurückhaltend. „Wir haben 20 bis 30 Kandidaten auf einer Liste. Etwa 15 haben sich selbst angeboten. Zu diesem Namen gibt es keinen Kommentar“, erklärte NFF-Generalsekretärin Karen Espelung in Düsseldorf. Möglich sei auch, dass der zunächst zum Interimscoach bestellte Olsen bei einem Erfolg in der WM-Qualifikation weiter im Amt bleibe. Zunächst hat er einen Vertrag für drei Testspiele mit Option, bis zum 1. Dezember zu bleiben.

Mehr als das Matthäus-Gerücht beschäftigte den 66-jährigen Olsen vor seinem Comeback als Nationalcoach, was für eine Elf er aufbieten und mit welchem System er spielen soll. „Ich habe eigentlich keine Ahnung und bin sehr unsicher“, bekannte Olsen und fügte scherzend hinzu: „In meiner Truppe gibt es Spieler, die würde ich in der Fußgängerzone von Oslo nicht erkennen.“ Dennoch glaubt er, dass sich seine Fußball-Wikinger gut gegen Michael Ballack und Co. schlagen werden. „Ich habe Deutschland gegen England, Wales und Russland gesehen - und war nicht beeindruckt“, sagte der Trainer-Fuchs, der zwischen 1990 und 1998 Norwegen zweimal zur WM-Endrunde geführt hatte.

Bei seiner Rückkehr nach zehn Jahren muss Olsen neben den Stars John Carew, John Arne Riise und Steffen Iversen kurzfristig noch drei weitere Spieler aus der norwegischen „Tippeliga“ ersetzen. Stürmer Tor Hogne Aarøy aus Aalesund sagte wegen der erwarteten Geburt seines zweiten Kindes ab. Zuvor hatten sich Abwehrspieler Børre Steenslid (Viking Stavanger) sowie der Stürmer Daniel Fredheim Holm (Vålerenga Oslo) verletzt abgemeldet. Für Aarøy wurde Erik Nevland vom englischen Erstligisten FC Fulham nachnominiert.

Abgesehen von den sieben Legionären im nur noch 18-köpfigen Aufgebot hat das Gros des Kaders kaum Spielpraxis, da der Liga-Betrieb in Norwegen erst am 14. März startet. „Deshalb werden die meisten der im Ausland spielenden Profis zum Einsatz kommen“, kündigte der „Helfer in der Not“ an. Das Selbstvertrauen der Kicker des Weltranglisten-59. dürfte nach dem katastrophalen Start in der WM-Ausscheidung für Südafrika 2010 nicht ausgeprägt sein: In der Gruppe 9 stehen sogar Mazedonien und Island besser als Norwegen, das sich weder für die EM 2004 und 2008 noch die WM 2002 und 2006 qualifizierte.

Das einstige norwegische Fußball-Idol Rune Bratseth traut dem alten Haudegen Olsen, der mehr Wert auf die Defensive und weniger auf attraktiven Offensiv-Fußball legt, einiges zu. „Deutschland ist natürlich haushoher Favorit“, sagte er in einem Interview der „Welt“. „Aber ich weiß, wie gut Egil Olsen in kürzester Zeit eine Mannschaft organisieren kann. Deswegen wird es für die Deutschen schwer, ein Tor zu erzielen.“

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