Norwegen-Test als Personal-Puzzle für Löw

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Deutsche Presse-Agentur

Für Joachim Löw wird gleich das erste Fußball-Länderspiel des Jahres zu einem kniffligen Personal-Puzzle. Dabei werden vom Bundestrainer schon deutliche Signale für seine Pläne 2009 erwartet.

Alle Querelen aus dem Vorjahr um die Rückkehrer Michael Ballack und Torsten Frings sind Geschichte: Volle Konzentration auf die neue Runde lautet das Motto und der DFB-Chefcoach bastelt vor dem ersten Testlauf gegen Norwegen am 11. Februar eifrig an seinem Team. Wer stürmt in Abwesenheit des diesmal aussortierten Lukas Podolski im Angriff? Welcher Torwart darf sich im Kampf um Platz 1 als erster beweisen? Bekommt Rebell und Rückkehrer Torsten Frings wieder ein Chance in der Startformation?

„Wir wollen gleich den Fokus ausrichten auf die Aufgaben, die auf uns zukommen. Wir wollen uns einstimmen auf die WM-Qualifikation und die Ziele, die vor uns liegen“, sagte Löw, ehe er seine 20 Akteure ins inzwischen zum inoffiziellen Stammquartier des DFB-Teams gewordenen Hilton Hotel in Düsseldorf lud. Vor dem Norwegen-Prüfstein sind das nur einige der wichtigen Fragen für den Coach der deutschen Nationalmannschaft, der vor der Fortsetzung der WM-Qualifikation im März seinen kompromisslosen Führungsstil konsequent beweisen will.

In nur zwei Trainingseinheiten muss Löw schnell ausloten, wer sich beim Schaulaufen gegen die Skandinavier für den nächsten Ernstfall auf dem angestrebten Weg Richtung Südafrika 2010 präsentierten darf. „Wir haben nicht viel Zeit. Das ist ein wichtige Testlauf, den wir nutzen wollen. Norwegen wird ähnlich defensiv agieren wie Liechtenstein und Wales“, sagte Löw.

Dem Coach bieten sich Alternativen in allen Mannschaftsteilen. Für den Sturm-Platz neben Miroslav Klose brachte sich Stuttgarts Mario Gomez am Wochenende in der Bundesliga mit seinem Tore-Doppelpack im direkten Duell mit seinen Leverkusener Konkurrenten Patrick Helmes und Stefan Kießling nachdrücklich in Erinnerung. „Mario hatte einen kleinen Durchhänger. Jetzt ist ein neues Jahr und wir hoffen, dass er zu alter Stärke findet“, sagte Löw-Assistent Hansi Flick. Doch auch Helmes macht sich Hoffnungen auf einen Startplatz.

Torwart René Adler dürfte sich über den Gomez-Aufschwung wenig gefreut haben. Der Leverkusener Schlussmann zeigte beim 2:4 bisher ungewohnte Schwächen („Das war ein gebrauchter Tag“) und wirkt in Abwesenheit des noch nicht wieder berücksichtigten Robert Enke nicht mehr als automatische Nummer 1. Gut möglich, dass Löw wie schon im letzten Spiel 2008 gegen England (1:2) wieder auf ein Torwart-Splitting setzt, indem er Adler und dessen im Zeichen der Bremer Krise auch nicht unbedingt überragend agierenden Konkurrenten Tim Wiese jeweils eine Halbzeit auf den Prüfstand stellt.

In der Defensive steht Andreas Beck vor seinem Debüt im DFB-Dress. Besonders nach der Absage von Arne Friedrich, der sich mit Rückenproblemen plagt, ist der Blondschopf für die rechte Abwehrseite die ernsthafte Alternative. „Er hat eine gute Entwicklung in Hoffenheim gemacht, daher wollen wir ihn in der Nationalmannschaft auf der rechten Seite testen. Er gehört zu den jungen und dynamischen Spielern mit Perspektiven, die wir ganz gezielt fördern wollen“, sagte Löw über den 21 Jahre alten Aufsteiger.

Neben Beck bewirbt sich Mesut Özil intensiv darum, der 23. Länderspiel-Neuling unter Löw zu werden. Und ein Einsatz des Bremers mit türkischen Wurzeln scheint auch aus „politischen Gründen“ wahrscheinlich. Denn Özils Mitwirken in Düsseldorf würde den 20-Jährigen definitiv an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) binden, der türkische Verband hätte das Tauziehen um das Talent endgültig verloren. „Ich wusste immer, dass ich für Deutschland spielen will“, meinte der Mittelfeldmann, der mit einer Einwechslung rechnen darf.

Ob Özil an der Seite seines Werder-Kollegen Frings zum Einsatz kommt, ist eine der spannendsten Fragen. Während Kapitän Ballack trotz der Kritik an Löw nach der EM in Düsseldorf für seinen 90. Länderspiel-Einsatz in die Startelf zurückkehren wird, ist die Rolle des öffentlich handzahm gewordenen Rebellen Frings noch ungeklärt. „Er ist körperlich wieder in einer viel besseren Verfassung“, sagte Löw über seinen Kritiker. Nur um des lieben Team-Friedens Willen wird Löw den 79-maligen Nationalspieler nicht in die erste Elf stellen. Dafür bieten sich dem Bundestrainer weiterhin zu viele Alternativen.

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