Nordische Kombinierer gewinnen Team-Silber

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Deutsche Presse-Agentur

Das Drama um die deutschen nordischen Kombinierer in Team-Wettbewerben hat auch bei den Weltmeisterschaften in Liberec kein Ende gefunden. 22 Jahre nach dem bislang letzten Triumph einer deutschen Staffel reichte es erneut „nur“ zu Silber.

Am Ende fehlte dem wie um sein Leben spurtenden Tino Edelmann eine Schuhspitze zum ganz großen Glück, das völlig unerwartet den Japanern den Sieg bescherte. Dass die hoch favorisierten Norweger mit dem sonst schier unschlagbaren Magnus Moan als Schlussläufer von den Deutschen und Edelmann in Schach gehalten werden konnte, war nur ein schwacher Trost.

„Wieder mal Silber. Das letzte Quäntchen hat gefehlt“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch und musste damit das wiederholen, was in der jüngeren Vergangenheit immer wieder der Fall war. Zum vierten Mal in Serie waren seine Schützlinge nur knapp am großen Wurf gescheitert. „Wir wussten, dass Japan stark ist, hatten aber eher mit Norwegen gerechnet. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie hat alles gegeben“, betonte Weinbuch. „Ich bin selbst als Letzter gelaufen und weiß, dass Gold drin war“, meinte Edelmann.

Nach dem Springen waren die Titelchancen völlig in Takt. 17 Sekunden Rückstand hatten Ronny Ackermann, Eric Frenzel, Björn Kircheisen und Edelmann auf Frankreich. Im 4-x-5-Kilometer Wettbewerb hatte Ackermann zwar stark begonnen, dann aber abreißen lassen müssen. „Ich hatte nicht damit gerechnet, eine Lücke schließen zu müssen. Alter Schwede, war das hart“, bemerkte Frenzel, der auf den von Damen-Staffel-Läuferin Miriam Gössner geborgten „Granaten“ unterwegs war. „Wir haben sie mal kurz probiert und diese Ski waren ein Tick besser als meine“, erklärte der Oberwiesenthaler.

Björn Kircheisen startete dann in seiner zweiten Runde die „Operation Gold“. „Ich habe versucht, einen Akzent zu setzen und das ist mir auch gelungen“, sagte der Johanngeorgenstädter, der am letzten Anstieg eine Attacke ansetzte und mit leichtem Vorsprung auf Japan und Norwegen an Edelmann übergab. Dieser lief taktisch klug, versuchte nicht zu viele Kräfte allein zu verlieren und ging dann mit den zu ihm aufgeschlossenen Kontrahenten mit. Moan jedoch konnte die von allen erwartete Offensive nicht starten und war im Endspurt völlig unerwartet chancenlos gegen Edelmann und den Japaner Norihino Kobayashi. Dieser hatte von vorn laufend die größere Endgeschwindigkeit und war sich seines Erfolges bereits auf der Ziellinie sicher, obwohl am Ende das Zielfoto entscheiden musste.

Nach der ersten kleinen Enttäuschung konnten sich die Aktiven auch wieder über Silber freuen. „Wir können stolz sein. Das ganze Team hat eine große Leistung gebracht“, sagte Kircheisen und Ackermann ergänzte: „Das war ein ganz, ganz hart erkämpftes Silber. Ich bin froh, dass es gereicht hat.“

Während sich die Deutschen freuten, herrschte im mitfavorisierten USA-Team um Doppelweltmeister Todd Lodwick dicke Luft. Bill Demong hatte beim Springen plötzlich keine Startnummer und wurde disqualifiziert. „Das Leibchen war in meinen Schuh gerutscht, ich hab es nicht gefunden. Ich bin ein Idiot“, meinte Demong und wurde noch an der Schanze von Lodwick beschimpft. Zum Lauf traten die Amerikaner wegen Chancenlosigkeit nicht mehr an.

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