Nicolás González: Noch ein Argentinier für die Traumelf des VfB Stuttgart

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Penible Beobachter: VfB-Manager Michael Reschke und Präsident Wolfgang Dietrich.
Penible Beobachter: VfB-Manager Michael Reschke und Präsident Wolfgang Dietrich. (Foto: imago)
Deutsche Presse-Agentur

Ungewohnte Zustände derzeit in Stuttgart: Während mancher Anhänger nach der brillanten Rückrunde des VfB unter Trainer Tayfun Korkut bereits von Platz vier im Jahre 2019 träumt, also vom ersten Champions-League-Einzug seit neun Jahren, hört man von den Führungskräften? Nichts, zumindest in punkto Vision. Kleckern statt Klotzen, Arbeiten statt Sprücheklopfen, das tun Manager Michael Reschke, Präsident Wolfgang Dietrich sowie Korkut und sein mit sechs Neuen ergänzter Kader derzeit – sie wollen beste Voraussetzungen dafür schaffen, damit das Wunderle, das im Februar begann, seine Fortsetzung findet

Wie es scheint, hat der Kaderplaner Reschke einen neuen Fisch an der Angel – den argentinischen Stürmer Nicolás González von Maradonas erstem Club Argentinos Juniors aus Buenos Aires. Der VfB soll für den 20-jährigen, der in seinen 24 Erstliga-Partien sieben Treffer erzielte, bis zu acht Millionen Euro Ablöse bieten, dieser Tage wird er zum Medizincheck in Stuttgart erwartet. Polyvalenz, also Vielseitigkeit, ist das Markenzeichen des 1,80 Meter-Manns, Gonzalez kann in der Mitte, als Rechts- und als Linksaußen spielen. Reschke wollte sich am Samstag beim öffentlichen Trainingsauftakt vor 3500 Fans nicht zur Personalie äußern. Juniors-Sportchef Salta Gonzalez allerdings sagte: „Es ist alles klar. Stuttgart hat das bessere Angebot als Inter Mailand abgegeben.“

González wäre der dritte Argentinier im VfB-Kader nach Santiago Ascacíbar und Emiliano Insua, was die Integration ein wenig erleichtern würde. Dass er Daniel Ginczek, der nach Wolfsburg abwanderte, sofort ersetzen kann, ist nicht zu erwarten – soll er auch nicht. González ist ein anderer Stürmertyp, quirliger, verspielter, einer, der gerne von hinten kommt, worauf Ginczek offenbar keine Lust mehr hatte. Ginczek wollte wieder den Stoßstürmer mimen, womöglich auch, weil er sich in einem veränderten Nationalteam Chancen ausrechnet, im Zentrum Timo Werner oder Mario Gomez zu verdrängen.

Ohne Ginczek dürfte der VfB künftig ein anderes System spielen als in der Rückrunde, als Korkut von Beginn an eine Art 4-4-1-1 praktizieren ließ, das er nach einer 1:0-Führung stets in ein Catenaccio-artiges 5-4-1 wandelte und dadurch zahllose Rivalen entnervte. Flexibler will Korkut künftig spielen lassen, weniger ausrechenbar, gerne auch kultivierter. Wie das im Idealfall aussieht, konnte man Ende April am 34. Spieltag beim 4:1-Sieg in München sehen, als Anastasios Donis und Chadrac Akolo (Ginczek ersetzte damals Gomez im Zentrum) über die Flügel rochierten und wirbelten, dass es eine Freude war. „Wir haben eine spannende Mannschaft“, findet Korkut, der nun eine neue Traumelf ertüfteln muss. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass es eine gute Mischung ist.“ Die außerdem spielerisch besser sein soll als jene im Vorjahr. Auch ohne González, fügt Reschke an, habe man „eine schlagkräftige Offensive“.

Pavard weiter umworben

Während Gomez im Urlaub ist und Verteidiger Benjamin Pavard damit beschäftigt, Weltmeister zu werden, quält sich der Rest des Kaders bereits beim Konditionsschinden. In Gonzalo Castro (31) und Rückkehrer Daniel Didavi (28) hat Reschke zwei Routiniers an Land gezogen, die die Bundesliga aus dem Effeff kennen, die Talente Pablo Maffeo (20), Borna Sosa (20), Marc Oliver Kempf (23), David Kopacz (19) und González dürften Druck auf die Etablierten machen.

Würde der VfB nach der WM tatsächlich ein exorbitantes Angebot eines Topclubs erhalten, das den Franzosen Pavard dazu bewöge, Stuttgart sofort zu verlassen, dürfte sich die Kaderplanung bis Ende der Transferperiode am 31. August nochmal ändern – dann bräuchte der VfB adäquaten Ersatz. Bei einem Angebot von weniger als 65 Millionen Euro, so mutmaßte etwa die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich, würde Reschke den Hörer gar nicht erst abnehmen. Eine Einigung mit dem FC Bayern auf einen Wechsel Pavards 2019 für die via Klausel fixierte Ablöse von 35 Millionen Euro gebe es nicht.

Sein erstes Testspiel bestreitet der VfB am Freitag (19 Uhr) bei Oberligist SSV Reutlingen. Auch die Vorbereitungen für das Duell am 5. August gegen Europa-League-Sieger Atlético Madrid, mit dem der Club sein 125-jähriges Bestehen feiern wird, laufen auf Hochtouren. Zuvor tritt der VfB noch ganz im Süden an – bei Bayern-Regionalligist FV Illertissen nämlich, am Mittwoch, 18. Juli, ab 18.30 Uhr.

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