Neureuther & Co.: Lernen für Garmisch 2011

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Schwäbische Zeitung

Val d'Isère (dpa) - Auf eine Ein-Euro-WM wie in Val d'Isère dürfen sich die Ski-Fans 2011 in Garmisch-Partenkirchen nicht freuen, dafür aber auf moderatere Preise für Essen und Trinken.

„Was Einigen die WM-Stimmung hier vielleicht etwas verdorben hat, ist ein meiner Wahrnehmung nach inakzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis“, meinte der deutsche Skiverbands-Präsident Alfons Hörmann trotz sportlicher Leckerbissen auf Solaise und Bellevarde. Knapp fünf Euro für ihr belegtes Supermarkt-Baguette oder fast acht Euro für einen halben Liter Bier im Restaurant schmerzten schon beim Griff in die Brieftasche - auch wenn der Eintritt zu den Wettkämpfen praktisch kostenlos war.

Während die Schlachtenbummler in den Savoyen nur einen symbolischen Euro für Busfahrt und Eintritt zahlen, werden die Fans in Garmisch-Partenkirchen vom 6. bis zum 20. Februar 2011 nicht so preiswert zum Ski-Genuss kommen. „Wenn man eine WM kostenlos anbietet, was kann ich dann bei einem Weltcup noch verlangen?“, fragte Organisationskomitee-Chef Peter Fischer. Die Anhänger in Val d'Isère mussten aus dem Tal in die Höhe gekarrt werden, Garmisch setzt auf das Einzugsgebiet „mit drei Millionen Menschen in einem Umkreis von 300 Kilometern“ (Fischer), eine leichtere Anreise und ein internationaleres Publikum.

Felix Neureuther denkt bei seiner dritten WM auch bereits an die Titelkämpfe vor der Haustür. „Für mich ist das ganze ein Lernprozess für 2011, damit ich dort besser mit der Drucksituation umgehen kann“, sagte der Partenkirchener. Er und Maria Riesch („Eine WM im eigenen Ort ist das Highlight schlechthin“) sollen den deutschen Wintersport- Fans in zwei Jahren Medaillen bescheren, das Umfeld müssen andere bereitstellen. Zwölf Personen inspizierten in mehreren Reisegruppen dafür die Titelkämpfe 2009. „So eine WM ist ein sehr guter Gradmesser für viele Bereiche, denn es werden ganz andere Dimensionen aufgezeigt, als bei einem Weltcup“, sagte Walter Vogel, der mit Fischer die Geschäfte für die erste alpine WM in Deutschland seit der in Garmisch-Partenkirchen 1978 führt.

Die Pisten, die für rund 12 Millionen Euro aufgewertete Kandahar und der Gudiberg, sind fertig und wurden jüngst im Weltcup einem ersten WM-Check unterzogen. „Dieser Test war sportlich gelungen“, meinte Vogel. Der nächste Check steht mit der Junioren-WM vom 1. bis zum 7. März an, die Generalprobe ist in gut einem Jahr das Weltcup- Finale, wenn die Abfahrt dank eines noch fertigzustellenden Tunnels dann auch von ganz oben gestartet werden kann. „Durch den jüngsten Weltcup und dann das Weltcup-Finale werden wir genügend Erfahrung haben, was die Pisten-Präparierung betrifft“, sagte Vogel.

Aber nicht nur aus Val d'Isère ziehen Fischer, Vogel & Co. Nutzen, denn sie waren auch schon in Are 2007 auf Erkundungstour und eine Sache von damals tragen sie immer im WM-Gepäck mit sich herum. „Wir haben zwar die organisatorische Perfektion. Was wir brauchen, ist die skandinavische Gelassenheit“, lautet der hehre Wunsch im Werdenfelser Land.

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