Neuner verschenkt Weltcupsieg in Antholz

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Deutsche Presse-Agentur

Kati Wilhelm reist als Weltcup-Zweite optimistisch zur Biathlon-WM, Magdalena Neuner muss die bitterste Niederlage ihrer Laufbahn verarbeiten.

Beim letzten Weltcuprennen vor den Titelkämpfen ab 14. Februar im südkoreanischen Pyeongchang verschenkte die 21 Jahre alte sechsmalige Weltmeisterin aus dem bayerischen Wallgau beim letzten Schießen ihren greifbar nahen 14. Weltcup-Tagessieg. „Ich begreif's nicht“, war die einzige Reaktion von Neuner, deren sonstige Fröhlichkeit völlig weggeblasen war. Bei Kaiserwetter im Massenstartrennen über 12,5 Kilometer in Antholz lief „Gold-Lena“ scheinbar einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen, ehe sie nach drei fehlerfreien Schießeinlagen beim vierten Mal alle fünf Scheiben verfehlte und auf Platz sieben zurückfiel. Anschließend verschwand sie niedergeschlagen und wortlos erst ins Umkleidezelt in der Südtirol-Arena, wo sie vor zwei Jahren ihre ersten drei WM-Siege gefeiert hatte, und dann ins Mannschafts-Hotel.

Selbst Bundestrainer Uwe Müssiggang konnte Neuners Missgeschick kaum fassen. „Es tut mir so Leid für 'Lena'. Das ist bitter für sie. Vier der fünf Fehler waren sehr knapp. Wäre die erste Scheibe gefallen, hätte sie auch gewonnen“, schätzte er ein. Dabei hatte die „Überläuferin“ in der Höhe von 1600 Meter bei den ersten drei Schießeinlagen die Hinweise von Müssiggang nahezu perfekt umgesetzt, nachdem sie am Samstag nach dem 10. Platz in der Verfolgung über Müdigkeit im Kopf geklagt hatte. Beim Anlaufen zum Schießstand nahm sie etwas Tempo raus und stellte sich bis zum Debakel beim letzten Anschlag kompakter hin.

Der Tagessieg fiel so beim Biathlon-Fest mit insgesamt 62 000 Zuschauern an den vier Tagen der russischen Weltcup-Spitzenreiterin Jekaterina Jurjewa in den Schoß. Mit einer Zeit von 36:37,8 Minuten verwies die makellos schießende Russin die Schwedin Helena Jonsson (+13,4 Sekunden) und Kaisa Mäkäräinen (Finnland/+ 28,2) auf die weiteren Podestplätze. Das Zella-Mehliser „Rotkäppchen“ Wilhelm unterlag wie am Samstag in der Verfolgung der Finnin im Zielspurt und wurde mit 28,2 Sekunden Rückstand Vierte. Andrea Henkel (Großbreitenbach) rutschte als Sechste mit 36,8 Sekunden Rückstand auf dem Hosenboden ins Ziel. „Ich weiß nicht, weshalb ich auf der Schlussrunde nicht mithalten kann“, grantelte die dreimalige Weltmeisterin des Vorjahres, die auf den letzten 2,5 Kilometern fast zehn Sekunden einbüßte.

Dagegen tankte Kati Wilhelm, die nach den vier Strafrunden beim Liegendschießen scheinbar aussichtslos zurück lag, vor der Traum- Kulisse der Riesenfernergruppe mit den Plätzen 3, 4 und 5 Selbstvertrauen und lies sich ihr Waldfrucht-Getränk schmecken. „Ich bin nach den drei anstrengenden Wochen zwar nicht mehr so frisch. Doch dass ich mich nicht aufgegeben und im Endspurt auch noch Olympiasiegerin Anna Carin Olofsson beherrscht habe, stärkt das Selbstbewusstsein“, jubelte sie. „Die Formaufbau stimmt, jetzt geht's bei der WM-Vorbereitung zu Hause in Ruhpolding noch um mehr Spitzigkeit“, erklärte Wilhelm im Weltcup-Geburtsort Antholz.

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