Neuer WM-Modus: Siege entscheiden über F1-Titel

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Deutsche Presse-Agentur

Neuer Weltmeister-Modus ab sofort und ein Anreiz für weitere Kostensenkung von 2010 an: Mit revolutionären Entscheidungen hat der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobil-Verbandes FIA seine radikale Regelreform für die Formel 1 fortgesetzt.

Bereits von dieser Saison an wird der Rennfahrer mit den meisten Siegen Champion. Weisen zwei oder mehr Piloten am Ende die gleiche Anzahl an Grand-Prix-Gewinnen auf, zählen die insgesamt geholten Punkte. Dies teilte der Dachverband nach seiner Sitzung in Paris mit.

Teams, die im nächsten Jahr mit einem Etat von maximal 33 Millionen Euro antreten, erhalten „größere technische Freiheiten“. Mit diesen heftigen Kostenreduzierungen sollen vor allem potenzielle Neueinsteiger angelockt werden. „Diese Regeln ermutigen zu intelligenten Entwicklungen“, sagte FIA-Präsident Max Mosley.

Enttäuscht zeigte sich die FOTA, die Vereinigung der zehn Rennställe. Die FIA habe die Entscheidung „einseitig“ getroffen, hieß es in einer Stellungnahme.„Der Rahmen des Regelwerks, wie er von der FIA definiert wurde und ab 2010 in Kraft treten wird, stellt ein Risiko dar.“

Nach dem neuen Reglement hätte 2008 Felipe Massa und nicht Lewis Hamilton den Titel geholt. Der britische McLaren-Mercedes-Pilot wies in der Endabrechnung zwar einen Punkt mehr als sein brasilianischer Ferrari-Pilot auf (98:97), hatte aber ein Mal weniger gewonnen (5:6). Vorschläge, das Punktesystem zu ändern, lehnte der Weltrat ab. Hier bleibt es bei der bisherigen Regelung, nach der der Sieger zehn Zähler, der Zweite acht und der Dritte sechs Punkte erhält. Der Achtplatzierte eines Rennens erhält noch einen Punkt. Auch der von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone favorisierte Vorschlag, Medaillen wie bei Olympischen Spielen zu vergeben, ist vom Tisch.

Das Gremium präzisierte auch die Bestimmungen für die stark eingeschränkten Testfahrten. Künftig dürfen drei junge Fahrer nach dem letzten Grand Prix und dem 31. Dezember einen Tag lang testen. Diese dürfen aber in den zurückliegenden 24 Monaten nicht mehr als zwei WM-Läufe oder vier Testtage absolviert haben. Zudem können die Teams acht jeweils eintägige „Aerodynamiktests“ zwischen dem 1. Januar und dem letzten Grand Prix 2009 fahren.

Keine Steine legten die Delegierten Ross Brawn in den Weg. Der Brite darf mit dem von ihm übernommenen ehemaligen Honda-Rennstall als BrawnGP Formula One Team in die am 29. März in Melbourne beginnende Saison starten. Er muss auch nicht die bei einem Neuantritt sonst fällige Gebühr bezahlen.

Die Kostensenkung kann für 2010 wesentlich stärker als in diesem Jahr ausfallen, als die FIA nach eigenen Angaben Einsparungen in Höhe von 30 Prozent ermöglichte. Wer dann zwei Autos mit einem Budget von höchstens 33 Millionen Euro an den Start bringt, erhält als Belohnung technische Freiheiten. „Der Erfolg wird sich bei den Teams mit den besten Ideen einstellen und nicht nur bei denen, die das meiste Geld haben“, begrüßte Mosley die Reform.

Die jetzt auf 18 000 Umdrehungen gekürzte Motorenleistung ist dann für die „Billig-Autos“ freigegeben; die Flügel dürfen sich bewegen, der Unterboden kann aerodynamisch effizienter gestaltet werden. Die FIA stellte zugleich klar, dass Rennställe auch unter dem ansonsten weiterhin bis 2012 gültigen Reglement antreten können.

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