Neuer VfB-Zuspieler Martin Krüger: Vertragsverhandlungen per Facebook

Lesedauer: 6 Min

Alles ist vertraut beim Gang zur Geschäftsstelle der ZF-Arena in Friedrichshafen. Am Eingang lacht einem die Volleyballmannschaft des VfB entgegen und wenn man die Stufen erklimmt, dann ist man auf Blickkontakt mit jedem einzelnen Profi. Alle säumen den Weg. Ganz oben, kurz vor dem Eingang in den VIP-Raum schaut einem Simon Tischer entgegen. Der Zuspieler hat aber seine Karriere an den Nagel gehängt. Und weil es in Tomas Kocian auch den zweiten langjährigen Zuspieler vom See weggezogen hat, hat der Bundesligist gleich zwei neue Spieler für diese ungemein wichtige Position verpflichtet: Den tschechischen Nationalspieler Jakub Janouch und den früheren Junionrenationalspieler Martin Krüger.

In ein paar Wochen, rechtzeitig, wenn kurz vor dem Saisonstart Mitte Oktober die Mannschaft komplett und auch Trainer Vital Heynen von seinen Abenteuern mit der polnichen Nationalmannschaft bei der WM in Bulgarien und Italien zurück in Friedrichshafen ist, wird das Mannschaftsposter auf der Geschätsstelle ausgetauscht. Doch ein Teil des VfB ist Martin Krüger natürlich schon jetzt. Er will am Bodensee den nächsten Schritt machen. Eigentlich sind es sogar zwei: beim VfB ankommen, dort viel spielen und sich so für die Nationalmannschaft empfehlen. „Das ist ein großer Traum“, sagt der 24-Jährige, letzte Saison noch beim TSV Herrsching.

Überrascht vom Angebot

Der Kontakt zwischen Trainer Vital Heynen und Martin Krüger kam dank der modernen Kommunikationsmittel zustande. Über Facebook kontaktierte der Coach ihn. Lange dauerte es auch nicht bis zur Einigung. „Das war für mich eine große Überraschung“, so Krüger, „bis auf das eine Jahr in der Bundesliga in Herrsching habe ich als Profi ja nicht so viel zu bieten gehabt“, so Krüger, der zwischen 2013 und 2017 in den USA an der Warner University in Florida studiert und Volleyball gespielt hat. Von dort ging er nach Herrsching, jetzt Friedrichshafen. Auch, weil „der geilste Club der Welt“, wie sich die Mannschaft aus Bayern nennt, ihn ziehen ließ. Nach Diagonalangreifer Daniel Malescha, der 2016 kam, ist Krüger der zweite deutsche Spieler, der aus Herrsching nach Friedrichshafen wechselt.

Seit dem 16. August ist Krüger in Friedrichshafen und arbeitet zusammen mit seinen neuen Mitspielern und den beiden Co-Trainern Adam Swazyna und Radomir Vemic. „Die Vorbereitung ist gut, sehr strukturiert, aber die Zirkel und die Laufeinheiten sind hart und machen nicht immer Spaß“, sagt er. Das gehört aber in der Vorbereitung dazu.

Krüger ist ein Mensch, der gerne Verantwortung übernimmt und deshalb ist die Position des Zuspielers die Richtige für ihn. „Ich kontrolliere das Spiel, bediene meine Nebenleute, studiere die Mittelblocker des Gegners, um sie ins Leere laufen zu lassen. Die Aufgabe ist so vielfältig und deshalb bereitet sie mir auch große Freude“, betont er. In Friedrichshafen ist er froh, dass es Spieler wie Libero Markus Steuerwald gibt, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Er saugt die Ratschläge auf, versucht die Fehler zu minimieren, um noch besser das Spiel des Gegners zu lesen. „Dabei sind mir die beiden Co-Trainer Adam Swazyna und Radomir Vemic ebenfalls eine große Stütze“, so Krüger.

Wichtige Jahre in Amerika

In den USA lernte der in Halle an der Saale Geborene, was „Teamspirit“ wirklich bedeutet:. „In den USA wird einem täglich eingeimpft, dass im Mannschaftsport einer allein kein Spiel gewinnen kann. Nur das Team zählt und das Individuum muss sich hinten anstellen.“ Das heißt, dass der Zuspieler keine Sonderrolle genießt, auch wenn er das Herz der Mannschaft ist. „Das waren für mich lehrreiche Jahre“, meint Krüger.

Der 24-Jährige hat mit dem VfB Friedrichshafen viel vor. Viele Titel will er holen und dabei sich stets in den Dienst der Mannschaft stellen. Zielstrebig, lernfähig und bodenständig – mit diesen Eigenschaften ausgestattet packt Martin Krüger das Abenteuer VfB Friedrichshafen an. Er hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen