Nagelsmanns Standpauke nach Leipziger Pleite: So „Vierter“

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RB-Coach
Trainer Julian Nagelsmann war nach der Leipziger Niederlage bedient. (Foto: Thomas Frey / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Ulrike John

Julian Nagelsmann saß im knallroten Sweatshirt in der Pressekonferenz, und es hätte niemanden gewundert, wenn sein Gesicht in der gleichen Farbe angelaufen wäre.

Der Trainer von RB Leipzig hielt seiner Mannschaft nach der 0:2 (0:0)-Pleite bei Eintracht Frankfurt eine deftige Standpauke. Tabellenführer ist der Brause-Club noch, Meister wird er in der Form nicht. „So wirst du am Ende halt nur Vierter - wenn es gut läuft“, wetterte Nagelsmann. Er warf seinen Profis mangelnde Gier auf den Titel vor und fehlende Einstellung im Training.

„Es ist die Frage: Wollen wir das Gipfelkreuz erreichen oder bleiben wir kurz darunter stehen und genießen die schöne Aussicht“, philosophierte der 32-Jährige, der seinen Urlaub am liebsten in den Bergen verbringt. Den Meisterkampf in der Fußball-Bundesliga machten die Leipziger mit dem Rückschlag vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und 50.300 Zuschauern noch spannender. Ihre eigene Titelreife müssen sie nun gegen Borussia Mönchengladbach und beim Gipfel in zwei Wochen beim FC Bayern München beweisen.

Von dem auf mittlerweile einen Punkt geschrumpften Vorsprung auf den FC Bayern wollte Nagelsmann schon vor dessen Sieg gegen Schalke 04 am Abend nichts hören. „Wir stehen immer noch oben, aber wenn wir 100 Prozent des Gipfels erreichen wollen, müssen wir noch viel arbeiten“, mahnte er und redete sich in Rage: „Ich weiß nicht, ob jeder Spieler das verstanden hat. Die Entscheidung trifft jeder für sich, ob er ein Gewinner sein will und etwas reißen will.“ Und diese Entscheidung beginne „schon zwischen den Ohren: Nicht der, der am meisten darüber spricht, sondern der am meisten Punkte holt, gewinnt am Ende.“

Sein Team hatte nach neun ungeschlagenen Partien erstmals wieder verloren, es war die dritte Saisonniederlage für den Herbstmeister. Nachdem RB bei seiner Serie zuletzt immer mindestens drei Tore erzielt hatte, gingen die Gäste und damit auch Torjäger Timo Werner (20 Treffer) diesmal leer aus. Das war RB in der gesamten Saison noch nicht passiert.

Eine Halbzeit lang spielte Leipzig die Eintracht her, dann fiel das überraschende 0:1 durch einen Direktschuss von Almamy Touré (48. Minute). Filip Kostic machte den Coup der Frankfurter mit dem 2:0 (90.+4) perfekt. So untermauerte die Eintracht ihren Ruf als Favoritenschreck. Das wiedererstarkte Team von Adi Hütter feierte nach dem 5:1 gegen den FC Bayern und dem 3:0 gegen Bayer Leverkusen einen weiteren Erfolg gegen ein Spitzenteam.

„Vielleicht sollten wir in einer eigenen Liga spielen und sagen: Wir spielen nur noch gegen diese Mannschaften. So eine Art Super League in der Bundesliga“, scherzte Sportvorstand Fredi Bobic.

Dem missgelaunten Nagelsmann ging es vor allem um die Einstellung seines Teams im Training. „Wir hatten am Mittwoch kein gutes Elf gegen Elf, mit sehr wenig Engagement und Elan. Es ist nicht so einfach auf dem Platz, wenn man im Training nicht an die Grenze geht“, erklärte er. „Mir geht's einfach um die paar letzten Prozentpunkte. Da muss man hin und wieder die Finger in die Wunde legen. Wir sind nicht auf einem Niveau mit Bayern oder Dortmund. Deshalb müssen wir jede Trainingsminute besser nutzen als Bayern oder Dortmund, um näher heranzukommen.“

Beim erneuten Aufeinandertreffen von Frankfurt und RB im DFB-Pokal-Achtelfinale in zehn Tagen können sich die Leipziger revanchieren, die Punkte in der Liga aber sind weg. Nächste Woche soll der spanische U21-Nationalspieler Dani Olmo erstmals beim großen Verlierer des 19. Spieltags trainieren. Leipzig bestätigte am Samstag die Verpflichtung des Offensivmanns von Dinamo Zagreb.

Olmo und seine Kollegen können sich auf einige kernige Übungseinheiten in dieser Woche gefasst machen. „Um auf dieses Niveau zu kommen“, sagte Nagelsmann mit Blick auf die Konkurrenz an der Tabellenspitze, „musst du trainieren, trainieren, trainieren...“

Ähnliches hatte der RB-Coach seinen Spielern nach dem Abpfiff in der Kabine gesagt, wie Marcel Halstenberg bestätigte. Vielleicht liege es an der Einstellung, räumte der Nationalspieler kleinlaut ein, „weil es am Wochenende immer funktioniert hat“.

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