Nachtschicht mit Nervenkitzel: München nach XXL-Spiel vorne

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Überstunden-Sieg
Der EHC Red Bull München musste auf den Sieg lange warten. (Foto: Tobias Hase / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Martin Moravec und Kristina Puck

Nach dem XXL-Duell für die Geschichtsbücher zwischen dem EHC Red Bull München und den Augsburger Panthern hatte sich Tor-Erlöser Mark Voakes ein Extra-Lob verdient.

„Danke, dass du es beendet hast“, sei die Reaktion seiner erleichterten Teamkollegen nach dem siebtlängsten Kräftemessen in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gewesen, wie der Münchner Stürmer berichtete.

Erst nach 101:12 Minuten gewann der Titelverteidiger kurz vor Mitternacht am Mittwoch mit 2:1 (0:0, 0:0, 1:1) den packenden Auftakt der Halbfinal-Playoffs in der dritten Verlängerung. Da hatten die Münchner Organisatoren schon darauf hinweisen müssen, dass ein anliegendes Parkhaus gleich schließen würde und die betroffenen Besucher umparken sollten.

„Da ist immer der Nervenkitzel des Unbekannten im Spiel, und wir haben einfach weitergemacht“, sagte Münchens Coach Don Jackson über die Nachtschicht, die nach eigener Vermutung die längste in seiner Karriere als Cheftrainer war.

„Länger als 100 Minuten gespielt, das sieht man nicht jeden Tag“, räumte auch Augsburgs Coach Mike Stewart ein. „Beide Mannschaften haben Chancen gehabt, beide Mannschaften haben Chance vergeben, beide Goalies haben stark gespielt.“ Die Panther absolvierten sogar ihr bislang längstes DEL-Duell. Den Rekord aber halten die Kölner Haie und Adler Mannheim, die im März 2008 sogar fast 169 Minuten auf dem Eis standen.

Die Nacht in München war dennoch denkwürdig. Nicht nur wegen dem Faktor Zeit. Denn die erste Drittelpause hatte wegen eines Lochs im Eis hinter dem Tor von Olivier Roy mehr als sechs Minuten vorgezogen werden müssen. Aufgrund von Reparaturen waren die Spieler frühzeitig in die Kabine geschickt worden.

Und auch danach lieferte Augsburgs Keeper eine überragende Partie ab. Erst sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit konnte Voakes den Kanadier erstmals überwinden. Drei Tage nach dem siebten Viertelfinale gegen Düsseldorf kämpfte der Hauptrunden-Dritte Augsburg aber leidenschaftlich und erzielte nur 54 Sekunden später durch Braden Lamb (55.) den Ausgleich. In der 102. Minute brachte Voakes die Bayern in der Best-of-Seven-Serie schließlich mit 1:0 in Front.

„Beide Mannschaften haben ein Topspiel abgeliefert. Wir sind sehr, sehr froh, dass wir es für uns entscheiden konnten“, sagte Jackson, der seiner Mannschaft auf der Jagd nach dem vierten Meistertitel in Serie nach dem Marathon-Spiel einen Tag zum Abschalten verordnete.

Matchwinner Voakes wollte gut schlafen und viel trinken. Nach einer für ihn durchwachsenen Serie gegen die Eisbären Berlin im Viertelfinale war der Stürmer nun voll da. „Ich fühle, dass ich produktiv sein kann und zum Siegen beitragen kann“, erläuterte der Kanadier. „Ich habe nicht die Zuversicht verloren.“

Viel Zuversicht zogen die Augsburger aus ihrem ersten Halbfinalspiel seit neun Jahren. „Wir haben Selbstvertrauen, wir haben Energie, uns fehlt es an nix und wir wissen, dass wir München schlagen können“, sagte Verteidiger Henry Haase mit Blick auf Partie Nummer zwei am Freitag (19.30 Uhr) und ergänzte: „Wenn die erst mal in unseren Hexenkessel kommen, brennen wir die Hütte ab.“

Statistik

Nachbericht Augsburg

Nachbericht München

Team EHC Red Bull München

Team Augsburger Panther

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