Nach Pokal-Aus: Leipzigs Frust vor Bayern-Kracher

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Julian Nagelsmann
Muss in der Bundesliga mit seiner Elf nach dem Pokal-Aus direkt gegen den FC Bayern ran: Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann. (Foto: Uwe Anspach / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Patrick Reichardt

Selbst mit finsterer Miene hatte der genervte Julian Nagelsmann die Lacher noch auf seiner Seite: „Wir fahren nicht nach München und singen, wir fahren nach Berlin.“

„Das kann ich Ihnen schon mal verraten“, sagte der Trainer von RB Leipzig mit Blick auf den Bundesliga-Kracher beim deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern am 9. Februar (18.00 Uhr/Sky). Die Journalisten lachten herzhaft über seinen Scherz, der 32 Jahre alte Nagelsmann selbst kämpfte nach dem schmerzhaften 1:3-Pokal-Aus bei Eintracht Frankfurt mit der nächsten Enttäuschung in kniffligen Wochen.

Die erste Titel-Chance ist vor dem Liga-Gipfel in München dahin, vom Triple können die Sachsen nicht mehr träumen. Und nach den drei Rückschlägen gegen Frankfurt, Gladbach und erneut Frankfurt kommt das Gastspiel beim Meister für den Tabellenzweiten nun zur Unzeit. „Es fehlt die letzte Effektivität. Manchmal fehlt einfach das letzte Puzzleteil und das wird irgendwann wieder gefunden“, sagte Angreifer Yussuf Poulsen salopp zu den aktuellen Schwächen des Titelanwärters.

„Wir sind ausgeschieden, was soll das bedeuten“, fragte Nagelsmann, nachdem er zuvor bereits schnippisch anmerkte, man spiele „am Sonntag schon das allerwichtigste Spiel des Jahres für die Medienlandschaft.“ Tatsächlich dürfte der Auftritt beim Spitzenreiter für RB wegweisend sein: Nach dem Pokal-Aus gegen „gallige“ Frankfurter um den Doppel-Torschützen Filip Kostic droht ihnen der nächste mögliche Titel zu entgleiten, wenn Bayern mit einem Sieg in der Meisterschaft schon auf vier Punkte davonziehen würde. Sportdirektor Markus Krösche nahm deshalb vorsorglich Druck vom Team. „Bayern ist kein Endspiel“, sagte der 39-Jährige.

Der Serbe Kostic und André Silva durch einen Handelfmeter hatten die derzeitigen Schwächen Leipzigs im Pokal einmal mehr aufgedeckt. Die Nagelsmann-Elf braucht zu viele Chancen und hat trotz der Verpflichtung von Torschütze Dani Olmo auch personell derzeit zu kämpfen: Im Mittelfeld fehlt ohne den an den SSC Neapel verkauften Diego Demme ein zentraler Stabilisator, in der Abwehr macht sich die Verletzungsmisere immer mehr in Form von überforderten Profis bemerkbar.

Innenverteidiger Dayot Upamecano wirkt überspielt und physisch angeschlagen, in Frankfurt leitete er mit verheerenden Fehlpässen das 1:3 maßgeblich mit ein. „Er hat sehr viele Spiele gemacht. Das ist nie förderlich. Er muss in den Rhythmus kommen. Wir können ihm keine Pause geben, demnach muss er durch“, sagte Nagelsmann. Offensiv, wo der ehrgeizige Coach genug Optionen hat, suchen mehrere Profis ihre Hinrundenform, als Leipzig in acht Bundesliga-Partien in Serie mindestens drei Tore schoss.

„Klar ist es bitter auszuscheiden. Wir würden gerne wieder in Berlin stehen, jetzt müssen wir uns auf die anderen beiden Wettbewerbe konzentrieren“, sagte Poulsen. Während in der Champions League das Aufeinandertreffen mit Tottenham Hotspur wartet, wird nun in Leipzig erst einmal eifrig auf das Spitzenduell beim FC Bayern hingearbeitet. Nagelsmann erwartet bei den selbstbewussten Münchnern ganz neue Herausforderungen als zuletzt.

„Ich gehe schwer davon aus, dass Bayern ein bisschen anders spielt. Bayern wird ein bisschen weniger auf Konter spielen“, sagte der Coach. Auf bildhafte Vergleiche, wonach sein Team für das Erklimmen des Gipfelkreuzes noch härter arbeiten müsse, verzichtete er diesmal. „Ich habe gesagt, dass wir gut sind“, betonte Nagelsmann noch einmal. Das gilt es, in München erneut zu beweisen.

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