Nach Anfeindungen: Löw hilft Özil

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Deutsche Presse-Agentur

Nach den Anfeindungen gegen Mesut Özil hat der DFB den türkisch-stämmigen Profi vor dessen Länderspiel-Debüt von allen öffentlichen Auftritten ferngehalten - Joachim Löw forderte eindringlich Toleranz und Fairplay.

„Man sollte das so akzeptieren von Seiten der Türkei und auch von unserer Seite, wenn ein Spieler diese Entscheidung fällt und davon hundertprozentig überzeugt ist“, sagte Löw einen Tag vor dem Länderspiel gegen Norwegen in Düsseldorf. Der erst 20-jährige Jung-Profi Özil hatte sich für die deutsche und gegen die türkische Nationalelf entschieden. „Er war sich schon bewusst, dass es keine einfache Entscheidung sein wird, dass er jetzt auch einige Anfeindungen bekommt“, berichtete Löw, nachdem er über das Thema nochmals mit Özil gesprochen hatte. Der gebürtige Gelsenkirchener Özil soll am Mittwoch erstmals für das A-Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auflaufen.

„Wir versuchen, ihm Ruhe zu geben“, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff, der die Verunglimpfungen etwa im Gästebuch auf Özils Homepage als Ausnahme sieht. „Natürlich muss man immer mit solchen Anfeindungen Verrückter rechnen. Aber das ist nicht die Meinung der Mehrheit“, betonte der ehemalige DFB-Kapitän im ZDF-Morgenmagazin. Für wie brisant der DFB das Thema dennoch weiter hält, zeigt allein die Tatsache, dass Özil im Vorfeld des Norwegen-Spiels in Düsseldorf von allen Medien-Terminen befreit wurde. Nur im Training war der Bremer zu sehen, sein Gesicht zeigte deutlich die Anspannung. „Das wird er schon wegstecken können, damit hatte er auch ein Stück weit gerechnet“, bemerkte der Bundestrainer.

Löw, der selbst als Trainer in der Türkei gearbeitet hatte, verwies auch auf andere Fälle, in denen sich Spieler mit türkischen Wurzeln gegen die DFB-Auswahl entschieden hatte. So wurde der Dortmunder Nuri Sahin im Oktober 2005 erstmals in der türkischen Nationalmannschaft eingesetzt und schoss beim 2:1-Sieg gleich ein Tor - gegen Deutschland. Sahin hatte auch eine Offerte, für den deutschen Verband zu spielen.

Der Bundestrainer hatte zu Özil, der schon alle Jugend-Auswahlteams des DFB durchlaufen hat, in den vergangenen Monaten einen intensiven Kontakt gepflegt: „Ich habe ihm gesagt, er muss die Entscheidung hundertprozentig mit seinem Umfeld abstimmen und er muss hundertprozentig davon überzeugt sein. Es ist seine Karriere und seine Zukunft“, berichtete Löw von den Gesprächen.

Nach Löws Nominierung hatte Özil vor allem im türkischen Umfeld immer wieder um Verständnis für sein Ja-Wort zur deutschen Nationalmannschaft geworben. „Das ist keine Entscheidung gegen meine türkischen Wurzeln“, erklärte Özil: „Die Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht, weil meine Familie und viele Freunde aus der Türkei stammen.“ Der türkische Nationaltrainer Fatih Termin hatte das Talent schon im September 2008 für sein Team eingeladen und auch nach Özils Absage seine Bemühungen weiter intensiviert.

Dass der ehemalige Schalker lange mit seinem klaren Ja zur Löw-Auswahl zögerte, begründete er selbst schlüssig: „Die Spekulationen kamen nie von mir. Ich konnte mich ja schlecht selbst einladen.“ Schon vor zwei Jahren hatte der damals gerade 18-jährige Özil einen Ausbürgerungs-Antrag gestellt. Sein Vater war im Alter von zwei Jahre von Anatolien in den Ruhrpott gekommen und hatte seinen Sohn bei dessen DFB-Plänen unterstützt. Und Werder-Manager Klaus Allofs unterstrich schon vor Wochen: „Ich weiß, dass Mesut sich als Deutscher fühlt.“

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