Nach 4:0-Sieg fordert Löw Nachlegen in Wales

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Deutsche Presse-Agentur

Pflicht erfüllt, jetzt kommt die Kür: Joachim Löw hakte das gemütliche Aufwärmprogramm gegen Liechtenstein ganz fix ab und richtete direkt nach dem unspektakulären 4:0 alle Konzentration auf die ernsthafte WM-Qualifikations-Prüfung am 1. April.

„Es war ein guter Auftakt für das Spiel in Wales“, bilanzierte der Bundestrainer nach der „erfüllten Pflichtaufgabe“ im Leipziger Zentralstadion. Nach einer kurzen Nacht wegen der Umstellung auf die Sommerzeit hetzte der Chefcoach zumindest die Reservisten gleich wieder auf den Trainingsplatz. Denn der Tabellenführer der Gruppe 4 muss im Fernduell mit Verfolger Russland unbedingt in Cardiff die nächsten drei Punkte einfahren.

„Wir haben den ersten Schritt gemacht, gegen Wales soll der zweite folgen“, kündigte Lukas Podolski an. „Die schwere Aufgabe wartet in Wales“, erklärte auch Michael Ballack. Eine Herkulesaufgabe erwartet im deutschen Team aber keiner, wie Bastian Schweinsteiger erkennen ließ: „Wir freuen uns auf Wales. Da werden wir wohl ein bisschen mehr gefordert.“

Sonderlich anstrengen musste sich der Vize-Europameister bei der leidlich gelungenen Wiedergutmachung für die letzten Heimpleiten gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) jedenfalls nicht. Am Ende waren die Fans auch mit vier Toren versöhnt - Pfiffe gab es dieses Mal allein für den im Nationaltrikot seit 643 Spielminuten torlosen Stuttgarter Mario Gomez. „Es ist ein bisschen verhext“, stöhnte der 23-Jährige, dem die Pfiffe „weh“ taten und der mit den Fußball- Göttern haderte: „Ich weiß nicht, ob ich irgendwas angestellt habe.“

Zwei Blitz-Doppelpacks zu Beginn beider Spielhälften durch Anführer Ballack (4.) und Rückkehrer Marcell Jansen (9.) sowie die strahlenden Bayern-Kumpel Schweinsteiger (48.) und Podolski (50.) waren die wenigen Höhepunkte in einer Partie, in der die deutsche Elf zu keiner Phase körperlich, läuferisch und spielerisch gefordert wurde. „Wir haben unseren Job gut gemacht“, kommentierte Thomas Hitzlsperger. Das verschenkte Torfestival relativierte der Ballack- Partner in der Zentrale: „Wir haben im Hinspiel sechs Tore gemacht, jetzt vier. Zehn Tore macht auch nicht jede Mannschaft. Insgesamt war das ordentlich.“

Das fand auch Löw, der phasenweise „Kombinationsfreude“ sah, die wieder größere Laufbereitschaft lobte und sich vor allem über die richtige Einstellung zu Spielbeginn freute. „Das war mir wichtig, denn man muss den Widerstand des Gegners brechen. Wenn man das in der Anfangsphase versäumt, dann wird es im Laufe des Spiels immer schwieriger“, sagte der Bundestrainer. Nach neun Minuten war praktisch schon alles gelaufen - der Rest nicht mehr als eine lockere Trainingseinheit. Man habe die richtigen Lehren aus den letzten Niederlagen gezogen, bilanzierte Löw emotionslos. Gäste-Coach Bidu Zaugg feierte die Niederlage dagegen wie einen Sieg: „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Wir können mit diesem 4:0 leben.“

In Wales, das nach der ernüchternden 0:2-Heimpleite gegen Finnland in der WM-Qualifikation mit dem Rücken zur Wand steht, werde ein anderer Wind wehen, warnte Löw dennoch nach seinem 25. Länderspielsieg als Bundestrainer: „Sie werden sicherlich versuchen, gegen uns eine Reaktion zu zeigen. Wenn die Waliser überhaupt noch eine Chance haben wollen, müssen sie eigentlich gegen uns gewinnen.“

Groß umbauen wird Löw seine Elf nicht - auch Torlos-Gomez lässt er nicht fallen. „Ich habe das Gefühl, dass der Knoten bei ihm platzt“, meinte der Bundestrainer beinahe trotzig. Verärgert hatten Löw die Pfiffe der Zuschauer, auch wenn er es moderat ausdrückte: „Mario bräuchte eigentlich in so einer Phase die Unterstützung vom Publikum. Er hat gekämpft um ein Tor.“ Löw hofft nun bei Gomez auf den Klose- Effekt. Der Bayern-Stürmer traf beim 6:0 in Liechtenstein vor einem halben Jahr auch nicht, steckte tief in der Krise und landete dann nur vier Tage später beim 3:3 in Finnland mit drei Treffern einen Befreiungsschlag. „Du machst in Wales dein Tor“, sagte Löw zu Gomez.

Am 30. März fliegt die Nationalelf nach Cardiff. An Bord der Chartermaschine wird René Adler fehlen. Wegen seiner Ellbogen-Verletzung reiste der Leverkusener am Sonntag aus Leipzig ab. Löw hatte aber schon vorher festgelegt, dass der gegen Liechtenstein beschäftigungslose Robert Enke auch gegen Wales das Tor hüten wird. Fit meldete sich Piotr Trochowski, der ebenso mitreisen wird wie Marko Marin, der bei seinem Kurzeinsatz gegen Liechtenstein eine Knie-Prellung erlitt.

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