Nach Özil-Rücktritt: Jetzt ist DFB-Chef Grindel am Zug

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Reinhard Grindel
Reinhard Grindel, DFB-Präsident. (Foto: Boris Roessler / DPA)
Ressortleiter Sport

Schade, dass Mesut Özil – und seine Social-Media-Agentur – in ihrer Erklärungs-Trilogie kaum Platz für Selbstreflexion und gar keinen Raum für Selbstkritik gefunden haben. Die Erdoganfotos waren unerträglich dämlich und bleiben es.

Dass Özil versucht, die Fotos zu entpolitisieren und sich gleichzeitig mit der Queen und der englischen Premierministerin Theresa May vergleicht, die Erdogan auch getroffen hätten, zeugt von einer ähnlichen Doppelmoral, die Özil – zu Recht – bei Teilen des DFB, der Sponsoren, Gesellschaft und auch der Medien anprangert.

Rassismus-Vorwürfe ernst nehmen

Dass aber ein deutscher Nationalspieler mit Wurzeln, die auch in einem anderen Land liegen, aus der Nationalmannschaft zurücktritt, weil er sich nicht mehr willkommen fühlt und den – beileibe nicht eingebildeten – Rassismus gegen sich nicht mehr ertragen will, dann ist das: weit unerträglicher als das Propagandafoto eines Fußballers mit einem zunehmend autoritär regierenden Präsidenten. Rassismus wirkt – leider.

Grindel muss sich nach Attacke erklären

Özils Rücktritt ist ein gigantischer Warnschuss. An uns alle. Und an den DFB. Nicht nur, weil das DFB-Team auf Jahre hinaus schlagbar wäre, wenn Fußballer mit doppelter Identität sich künftig nicht mehr für das Adlertrikot entscheiden würden.

Mit seiner erbarmungslosen Attacke gegen den heillos überforderten Reinhard Grindel hat Özil den einstigen CDU-Bundestagsabgeordneten in Zugzwang gebracht. Ein DFB-Präsident, dem ein Fußball-Weltmeister „Inkompetenz“ und eine gewisse geistige Nähe zu Rassismus vorwirft, kann nicht zur Tagesordnung übergehen. Jetzt muss Grindel sich erklären – und die Konsequenzen ziehen.

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