Nürnbergs zweites Gesicht lässt Augsburg trauern

Lesedauer: 5 Min
 Jeffrey Gouweleeuw (l)
Jeffrey Gouweleeuw (l) (Foto: dpa)
Sportredakteur

Schnell leerte sich in der Augsburger WWK-Arena die Tribüne mit den Augsburger Anhängern. Nur wenige der Augsburger Spieler hielten es auf dem Rasengrün aus, winkten verhalten und schlichen schnell vom Platz. Ganz anders in der Nürnberger Fankurve, wo es richtig abging. Lautstarke, schwarz-rote Jubelgesänge, ein ausgelassener Trainer Michael Köllner, der applaudierend in Richtung der 4000 Franken lief: Für den Trainer glich der späte Ausgleichstreffer von Lukas Mühl (88.) zum 2:2-Endstand einem Happy End.

„Was unsere Fans heute veranstaltet haben, war schon echt klasse“, betonte Köllner. Kurz zuvor hatte es Christian Mathenia auf den Punkt gebracht. „Das hat etwas mit Teamgeist zu tun. Jeder von uns steckte nicht auf“, so der Nürnberger Torwart, der den Durchhaltewillen seiner Mannschaft bis zur letzten Minute lobte. Vergessen war zu diesem Zeitpunkt eine recht desolate erste Halbzeit, in welcher der Club so gut wie nicht auf dem Platz präsent war. „Da sind wir nicht gut in die Zweikämpfe reingekommen“, so Mathenia.

Nach den Pokaleinsätzen unter der Woche starteten beide Kontrahenten runderneuert. Bei den Gästen bekam Lukas Mühl den Vorzug, vorne stürmten Adam Zrelak, sonst Joker, sowie Virgil Misidjan, im Mittelfeld schenkte Köllner Ondrej Petrak das Vertrauen. Auch auf Augsburger Seite sah man in der Anfangsaufstellung mit Alfred Finnbogason, Marco Richter, Jonathan Schmid und Daniel Baier vier neue Gesichter.

Zwei von ihnen waren an der Führung der Hausherren maßgeblich beteiligt. Fein bedient von Schmid, der sich in der linken Strafraumhälfte der Gäste durchsetzte, musste Finnbogason bei seinem sechsten Saisontreffer im erst fünften Einsatz nur noch einschieben (11.). Die Antwort der Franken war verhalten: Eine Direktabnahme von Zrelak, ein Freistoß von Sebastian Kerk – das war es vor der Halbzeitpause.

Augsburg verpasst Entlastung

Der FCA dominierte die Partie, Nürnberg zog sich oftmals weit zurück, wirkte im Aufbauspiel schlafmützig und hatte Glück, dass es beim einzigen Gegentreffer vor der Halbzeitpause blieb. Auch FCA-Coach Manuel Baum bemängelte: „Wir haben es verpasst, mit dem 2:0 nachzulegen.“ Und so kam es, wie es kommen musste: Der Club startete frech aus der Kabine. Nun nahm das Derby Fahrt auf. Nachdem Finnbogasons Kopfball an die Latte des Nürnberger Gehäuses knallte, folgte ein Konter auf der Gegenseite. Alexander Fuchs bekam den Ball, fackelte nicht lange und schloss zum 1:1 ab.

Die Augsburger wirkten keineswegs geschockt und fanden die passende Antwort in Gestalt von Jonathan Schmid. Der hatte, laut eigenem Bekunden, noch am Vortag intensiv Freistöße trainiert, schnappte sich nun den Ball in zentraler Lage kurz vor der Strafraumlinie der Gäste – und hämmerte ihn schnurstracks ins Nürnberger Tor (59.). „Ein Sensations-Freistoß“, entfuhr es Baum. Nun wog die Partie hin und her, wobei sich der FCA mehr und mehr am eigenen Sechzehner aufstellte und dem Treiben des Clubs zusah.

Kein gutes Rezept gegen die Mittelfranken, die nun alles auf eine Karte setzten. Mit Erfolg: Bei dem von Tim Leibold getretenen Eckball in der Schlussphase sprang Lukas Mühl höher als Caiuby, köpfelte zum 2:2-Endstand ein und eröffnete damit die Stadionparty nach dem Abpfiff. „Zehn Minuten vor Ende haben wir keine Entlastung reinbekommen“, bemängelte Baum, der sich „ärgerlich über das Ergebnis“ zeigte und dem vergebenen dritten Dreier der laufenden Woche nachtrauerte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen