Mit Enke und Torlos-Gomez gegen Liechtenstein

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Deutsche Presse-Agentur

Das erneute Störfeuer aus München wehrte der Bundestrainer kompromisslos ab - seine Spieler will Joachim Löw gegen das Fußball-Leichtgewicht Liechtenstein genauso entschlossen siegen sehen.

„Die Konzentration ist enorm hoch, wir werden mit Sicherheit beide Spiele anders bestreiten als zuletzt“, versprach Löw den 43 368 Zuschauern im ausverkauften Leipziger Zentralstadion und den Millionen TV-Zuschauern eine bissigere Nationalmannschaft als bei den jüngsten Pleiten gegen England (1:2) und Norwegen (0:1). Mit dem seit einem Jahr im Nationaltrikot torlosen Mario Gomez im Angriff und Robert Enke im Tor soll der erste von zwei fest eingeplanten Siegen beim WM-Doppelpack gegen Liechtenstein und Wales eingefahren werden.

Auch durch die neuerlichen Vorwürfe von Bayern-Manager Uli Hoeneß, der Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff als Spalter zwischen Bundesliga und DFB hinstellte, ließ sich der Bundestrainer nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn ihm das sichtlich schwer fiel. „Es ist eine neue Qualität, dass der Draht zwischen Nationalmannschaft und den Vereinen sogar getrennt wird“, warf Hoeneß via „Bild“-Zeitung der Sportlichen Leitung des DFB-Teams vor und lud Löw zu einem klärenden Gespräch beim Champions-League-Spiel der Münchner am 8. April in Barcelona ein. „Was mich stört, ist dieses Verhalten: Links ist die Nationalmannschaft, rechts sind die Vereine“, unterstrich Hoeneß.

„Das ist völlig verkehrt, das ist fast schon...“, entgegnete Löw und vermied in letzter Sekunde den verbalen Konter. „Was Uli Hoeneß gesagt hat, okay. Eine Kluft, die sehe ich nicht“, sagte der DFB- Chefcoach und listete sachlich seine Argumente auf. Er sei in der Pflicht, auf Nachholbedarf im deutschen Fußball hinzuweisen, dies habe er auch bei der jüngsten Tagung der Bundesliga-Trainer getan. „Das sind ganz objektive Fakten, keine subjektiven Einschätzungen“, betonte der Bundestrainer, der über einen längeren Zeitraum die jeweils sechs führenden Mannschaften der stärksten europäischen Ligen verglichen hatte. Er werde die Dinge auch weiter „beim Namen nennen“.

In die Auflistung der Verbesserungs-Möglichkeiten bezog Löw ausdrücklich auch das eigene Team mit ein. Der Freiburger will ab sofort deutliche Fortschritte sehen. „Wir werden das Spiel auch gegen Liechtenstein mit dem notwendigen Respekt, aber vor allem mit Selbstbewusstsein bestreiten“, kündigte er an. Auf die eigentlich für die Startelf vorgesehenen René Adler und Piotr Trochowski muss der Trainer dabei verzichten.

Härtetests am Samstag sollen darüber entscheiden, ob beide überhaupt mit zum zweiten Länderspiel nach Cardiff reisen werden. Auch dem Leverkusener Stefan Kießling, der wegen Kniebeschwerden das Training abbrechen musste, droht die vorzeitige Abreise. Für den Hamburger Trochowski wird in Leipzig sein Vereinskollege Marcell Jansen oder der Gladbacher Marko Marin im linken Mittelfeld spielen.

Der Kampf um die Nummer 1 im deutschen Tor hat durch die Ellbogen- Blessur des gebürtigen Leipzigers Adler eine weitere überraschende Wendung genommen. „René ist verletzt - Robert spielt. Wir vertrauen ihm“, beschrieb Löw die nächste Folge beim Torwart-Casting, das erst am 10. Oktober beim wohl entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Russland in Moskau vor einer Vorentscheidung stehen dürfte. „Wer da spielt, wird sich einen Vorsprung herausgearbeitet haben“, erklärte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke. Neben Enke, der auch in Wales spielen wird, können sich weiterhin Adler, Tim Wiese - Nummer 2 gegen Liechtenstein - und U 21-Keeper Manuel Neuer Chancen ausrechnen.

Ein Qualitäts-Problem verneinte Löw: „Wir haben kein Torwart- Problem, wir haben sehr gute Torhüter. Was dem einen oder anderen fehlt, ist die internationale Erfahrung in Länderspielen.“ Viel zu tun wird Enke wohl nicht bekommen: Beim Hinspiel gegen Liechtenstein vor sechs Monaten in Vaduz hatten Lukas Podolski (2), Simon Rolfes, Bastian Schweinsteiger, Thomas Hitzlsperger und Heiko Westermann ein 6:0 herausgeschossen. Ein ähnliches Torespektakel will der Tabellenführer der WM-Gruppe 4 wieder bieten. „Es ist wichtig, dass von der Mannschaft eine Reaktion kommt“, sagte Michael Ballack, den Löw in Leipzig als „vorbildlichen Kapitän“ ausgemacht hat.

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