Mehr Strahlkraft: Köln und Hamburg werten 2. Bundesliga auf

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HSV-Coach
Trainer Christian Titz peilt mit dem Hamburger SV den Aufstieg an. (Foto: Axel Heimken / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Heinz Büse und Dietmar Fuchs

Gemeinsam bestritten sie 102 Erstliga-Jahre, müssen aber in dieser Saison ihr Glück eine Klasse tiefer versuchen. Die Traditionsclubs Hamburger SV und der 1. FC Köln verleihen dem Fußball-Unterhaus mehr Glanz.

Wenn die neue Saison der 2. Bundesliga am Freitag (20.30 Uhr) mit der Partie der Hamburger gegen Holstein Kiel eröffnet wird, sind die Rollen klar verteilt. „Der Hamburger SV und der 1. FC Köln kommen um die Bürde des Aufstiegsfavoriten nicht herum“, kommentierte Robin Dutt. Der Trainer des VfL Bochum verwies auf die höhere Finanzkraft der Konkurrenten und spekuliert: „Beide Vereine haben einen mehr als doppelt so hohen Etat wie der dritthöchste der Liga.“

Dutt steht mit seiner Einschätzung nicht allein da. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Trainern und Managern der Spielklasse ergab, haben die beiden Absteiger gute Chancen auf den direkten Wiederaufstieg. „Wenn beide Mannschaften ins Rollen kommen, werden sie sich um Platz eins streiten und sehr wahrscheinlich eine höhere Punktzahl erreichen als die Aufsteiger in der vergangenen Saison“, orakelte Stefan Leitl, Trainer des ebenfalls als Aufstiegsaspirant gehandelten FC Ingolstadt.

Der Etat der Kölner wird auf 31 Millionen Euro geschätzt. Ähnlich hoch dürfte der des HSV sein. „Diese 2. Liga ist finanziell eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, kommentierte der einstige Coach Peter Neururer in der „Sport Bild“ angesichts der großen Kluft zwischen den beiden Dinos und dem Rest der Spielklasse.

Nicht nur ihre Historie, sondern auch ihre große Popularität prädestiniert beide Clubs für ihre Rolle als Liga-Lokomotiven. Rund 50 000 Anhänger besuchten am vergangenen Sonntag die offizielle Saisoneröffnung in Köln. Der HSV verkaufte für das Nordderby gegen Kiel nahezu alle der 57 000 Karten in den Wochen zuvor und verzeichnete einen Zuwachs von 7 000 Mitgliedern seit Mai.

Aus rein sportlicher Sicht sieht der Duisburger Coach Ilja Gruew den sechsmaligen Bundesliga-Absteiger aus Köln in der Pole Position: „Die Kölner haben den Vorteil, dass sie die 2. Liga im Gegensatz zum HSV kennen.“ Den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten lebten Profis wie Timo Horn, der neue FC-Kapitän Jonas Hector oder Marcel Risse bereits vor. Trotz des Abstiegs machten sie von ihren Ausstiegsklauseln keinen Gebrauch und schworen dem FC die Treue.

Dagegen betritt der Bundesliga-Dino aus Hamburg nach 55 Jahren in der Beletage des deutschen Fußballs Neuland. Die langfristigen Knieverletzungen von Gideon Jung und Kyriakos Papadopoulos, die sich die Abwehrspieler in der Vorbereitung zuzogen, stimmten Trainer Christian Titz nachdenklich. Schließlich benötigt der HSV in den kommenden Monaten nach seiner Einschätzung vor allem solch kampfstarke Profis: „Jedes unserer Spiele in der 2. Liga wird einen Pokalcharakter haben, weil jeder den Verein schlagen will, der so lange in der Bundesliga gewesen ist.“

Doch auch die prominente Konkurrenz im Kampf um den Aufstieg verleitete die Mitbewerber nicht zu einer riskanten Einkaufspolitik. Insgesamt gaben die Zweitligisten bisher nur rund 25 Millionen Euro für über 140 neue Spieler aus und nahmen im Gegenzug etwa 65 Millionen Euro durch Verkäufe und Leihgeschäfte mit über 160 Abgängen ein.

Die größten Investitionen tätigten die Kölner, die geschätzt rund zwölf Millionen Euro für neues Personal ausgaben. Allerdings nahm der FC durch Verkäufe aber auch das meiste Geld aller Clubs (etwa 17,0 Millionen Euro) ein. Teuerster Zweitliga-Abgang war der Franzose Marcel Tisserand, den der FC Ingolstadt bereits an den VfL Wolfsburg verliehen hatte und nun für geschätzte rund sieben Millionen Euro an die Niedersachsen verkaufte. Die Bayern reinvestierten das Geld und rüsteten ihren Kader für etwa 6,5 Millionen Euro auf.

In Köln (Markus Anfang), Kiel (Tim Walter), Berlin (Urs Fischer) und Aue (Daniel Meyer) starten vier Clubs mit neuen Trainern ins Rennen. Neben dem HSV ist auch der 1. FC Magdeburg zum ersten Mal in der 2. Bundesliga vertreten. Der Europapokalsieger von 1974 hat als Ziel den Klassenverbleib ausgerufen.

Die Aussagen von 18 Clubvertretern zu den Aufstiegsfavoriten der 2. Fußball-Bundesliga:

Christian Titz (Trainer Hamburger SV): „Der 1. FC Köln und wir werden immer die Gejagten sein. Jedes unserer Spiele in der Zweiten Liga wird einen Pokalcharakter haben, weil jeder den Verein schlagen will, der so lange in der Bundesliga dabei gewesen ist. Für meine junge Mannschaft heißt das: Wir müssen den Kampf annehmen und in den Spielen immer hundertprozentig am Anschlag sein.“

Markus Anfang (Trainer 1. FC Köln): „Grundsätzlich gebe ich keine Tipps ab, wer auf- und wer absteigt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Absteiger aus der Bundesliga die Favoritenrolle inne haben. Dennoch erwarte ich wie im letzten Jahr eine enge und ausgeglichene Liga.“

Tim Walter (Trainer Holstein Kiel): „Der 1. FC Köln und der HSV werden den direkten Wiederaufstieg anstreben. Es ist doch klar, dass die Teams, die das meiste Geld haben, voraussichtlich auch die besten Spieler, und bei denen der legitime Anspruch vorherrscht, wieder hochzukommen. Es wird aber Überraschungen geben, die Liga ist - bis auf diese beiden Vereine - relativ ausgeglichen.“

Jeff Saibene (Trainer Arminia Bielefeld): „Meine Aufstiegsfavoriten sind Köln, Hamburg und Ingolstadt.“

Achim Beierlorzer (Trainer Jahn Regensburg): „Der 1. FC Köln und der Hamburger SV.“

Robin Dutt (Trainer VfL Bochum): „Der Hamburger SV und der 1. FC Köln kommen um die Bürde der Aufstiegsfavoriten nicht herum. Allein schon beim Blick auf den Etat. Beide Vereine haben einen mehr als doppelt so hohen Etat wie der dritthöchste in der Liga. Ansonsten ist die Liga auch in diesem Jahr wieder sehr ausgeglichen besetzt, da möchte ich mich nicht weiter festlegen.“

Ilja Gruew (Trainer MSV Duisburg): „Der 1. FC Köln hat aus meiner Sicht die besten Möglichkeiten, direkt aufzusteigen. Die Kölner haben den Vorteil, dass sie die Zweite Liga im Gegensatz zum HSV kennen. Aber auch der HSV ist erstklassig besetzt. Es wäre eine große Überraschung, wenn die beiden Teams nicht oben mitspielen würden. Dazu kommen Mannschaften, die nach einer für sie nicht optimalen Saison einen neuen Anlauf nehmen wollen, wie zum Beispiel Union Berlin, Ingolstadt oder der VfL Bochum. Aber es wird bestimmt auch wieder die eine oder andere Überraschung geben.“

Urs Fischer (Trainer 1. FC Union Berlin): „Ich denke, dass vor allem der HSV und Köln von den Voraussetzungen her die Favoriten sind. Es wird eine ausgeglichene Liga sein, in der es auch wichtig ist, wie man startet. Ich glaube aber schon, dass der HSV und Köln die Favoritenrolle annehmen müssen.“

Stefan Leitl (Trainer FC Ingolstadt): „Der HSV und Köln sind die Favoriten. Wenn beide Mannschaften ins Rollen kommen, werden sie sich um Platz eins und zwei streiten und sehr wahrscheinlich eine höhere Punktzahl erreichen als die Aufsteiger in der vergangenen Saison. Platz drei wird offen sein für mehrere Mannschaften. Es gibt fünf, sechs Mannschaften, die oben mitspielen können.“

Dirk Schuster (Trainer SV Darmstadt 98): „Ich rechne bei den beiden Absteigern Hamburg und Köln mit großen Chancen auf den direkten Wiederaufstieg - aufgrund der wirtschaftlichen Stärke, der Spieler, die sie verpflichtet haben und der Spieler, die den Weg mit in die Zweite Liga gegangen sind. Auch Ingolstadt und Union Berlin haben starke Kader und könnten ein Wörtchen um die oberen Plätze mitreden.“

Kenan Kocak (Trainer SV Sandhausen): „Der Hamburger SV und der 1. FC Köln sind aufgrund ihrer Etatgröße und des vorhandenen Potenzials die absoluten Topfavoriten auf den Aufstieg.“

Markus Kauczinski (Trainer FC St. Pauli): „Für mich ist der FC Ingolstadt ärgster Konkurrent, weil sich der Club gut verstärkt hat und über viele erfahrene Spieler verfügt. Darüber hinaus hat der Club eine sehr gute Infrastruktur und in den verantwortlichen Positionen erfahrene Leute.“

Frank Schmidt (Trainer 1. FC Heidenheim): „Mit dem HSV und dem 1. FC Köln zählen in der kommenden Saison zwei fußballerische Schwergewichte zur Zweiten Liga, die eigentlich in die Bundesliga gehören. Diese Mannschaften bringen überdurchschnittlich viel Erfahrung und Qualität mit, weshalb beide auch für mich die absoluten Top-Favoriten auf den Aufstieg sind. Das Verfolgerfeld dahinter erwarte ich nochmals enger beisammen als in der vergangenen Saison.“

Uwe Neuhaus (Trainer Dynamo Dresden): „Am 1. FC Köln und dem Hamburger SV führt in der kommenden Saison kein Weg vorbei, wenn es um die Aufstiegsplätze in der 2. Bundesliga geht.“

Damir Buric (Trainer SpVgg Greuther Fürth): „Ich denke, mit dem HSV und Köln haben wir in diesem Jahr zwei Vereine in der Zweiten Liga, die nicht nur gefühlt Erstligist sind, sondern auch von ihren Rahmenbedingungen her. Die zwei spielen finanziell in einer anderen Liga und sind somit zwangsläufig die Favoriten auf einen der vorderen Plätze.“

Daniel Meyer (Trainer FC Erzgebirge Aue): „Der Hamburger SV und der 1. FC Köln sind allein aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten meine Top-Kandidaten für den Aufstieg. Beide Vereine müssten schon sehr viel verkehrt machen, wenn ihnen das nicht gelingt.“

Maik Franz (Sportdirektor 1. FC Magdeburg): „Die beiden Großkaliber haben die meisten Mittel zur Verfügung und natürlich auch sehr gute Kader zur Verfügung. Ich denke, dass Köln und Hamburg die Meisterschaft unter sich ausspielen werden. Um den Aufstieg ist dann auch Union Berlin zu nennen. Köln, Hamburg und Union sind meine Favoriten, weil Union mit den Transfers - Reichel, Schmiedebach, Hübner und Andersson - viel Erfahrung dazu geholt hat.“

Steffen Baumgart (Trainer SC Paderborn): „Der 1. FC Köln und der Hamburger SV werden sicher den Anspruch haben, direkt wieder in die Bundesliga aufzusteigen.“

Transferübersicht der DFL

Zweitliga-Spielplan auf bundesliga.de

Profile der 18 Zweitligisten auf bundesliga.de

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