Medaillenhoffnung Riesch: Alles muss passen

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Deutsche Presse-Agentur

Maria Riesch ist die große Medaillenhoffnung des Deutschen Skiverbandes (DSV) bei den alpinen Weltmeisterschaften in Val d'Isère. Am 3. Februar steigt mit dem Super-G die erste Entscheidung im französischen Wintersportort.

Nach acht Jahren ohne WM-Einzelmedaille will der DSV seine schwarze Serie endlich beenden. „Es ist mein großes Ziel, dass ich hier eine Medaille gewinne“, sagte die 24-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Für die zehnmalige Weltcup-Siegerin sind die Chancen auf Edelmetall vermutlich im Slalom und in der Super-Kombination am größten.

Bei der WM 2005 in Bormio und bei Olympia 2006 mussten Sie verletzt zu Hause bleiben, die WM in Are kam 2007 in der Comeback-Saison ein paar Wochen zu früh. Wie wichtig ist jetzt dieses Großereignis?

„Das ist sehr wichtig für mich. Es ist die erste WM, zu der ich so richtig als Medaillenhoffnung fahre. Es ist mein großes Ziel, dass ich hier eine Medaille gewinne. Das ist sicher möglich, aber an den speziellen Tagen muss alles passen. Man braucht auch das nötige Quäntchen Glück und eine gute Form an dem entscheidenden Tag.“

Im Super-G fällt am Dienstag die erste Entscheidung. In welcher Disziplin ist Ihre Hoffnung denn am größten?

„Am größten sind die Chancen in der Kombi und im Slalom. Auch wenn ich bei der letzten Kombi vor der WM ausgeschieden bin, glaube ich schon, dass ich da gute Chancen auf eine Medaille habe. Aber man sieht, wie schnell man ausscheiden oder einen Patzer machen kann. Und im Slalom ist das nicht anders. Das sind zwar die Disziplinen, wo die Chancen auf eine Medaille am größten sind, aber auch die, in denen man am schnellsten ausscheiden kann. In Abfahrt und Super-G kann alles passieren, ich war in der Abfahrt auch schon auf dem Podium heuer. Ich gebe einfach mein Bestes und dann schauen wir mal.“

Wie gefallen Ihnen denn die Strecken in Val d'Isère?

„Die Speedstrecke kenne ich, weil wir da im April waren. Die ist nicht unbedingt nach meinem Geschmack. Der obere Teil ist sehr schön, eine sehr weitläufige, breite Piste und schöne Kurven, aber auch schwierig und steil. Dann kommt man in den unteren Waldteil, wo alles schwierig ist, kein schönes Gelände. Aber es ist für alle gleich und wir nehmen es wie es kommt. Slalom und Riesenslalom kenne ich nicht genau, ich habe nur gehört, dass die Herren da viele Probleme hatten, weil es sehr steil ist und von der Kurssetzung sehr eng. Das mag ich nicht so gerne, aber ich lasse mich dadurch nicht beeinflussen.“

Sie zählen zu den großen Favoritinnen auf WM-Medaillen, wer sind denn die großen Konkurrentinnen?

„Natürlich in erster Linie Lindsey (Vonn), auch als Konkurrentin im Gesamtweltcup. Anja Pärson ist auch gut drauf im Moment. Aber es sind viele da, die Medaillen gewinnen können und eine WM hat sowieso immer ihre eigenen Gesetze, da passieren oft unvorhergesehen Dinge und deswegen konzentriert man sich am besten nur auf sich selbst und schaut nicht so viel auf andere.“

Die deutschen Alpin-Fans warten schon ewig auf Erfolge. Wie wichtig wäre eine Medaille für den Skirennsport?

„Für den Sport und den Markt in Deutschland ist das sehr wichtig. Durch die Siegesserie im Slalom ist bereits ein ganz anderes Interesse in Deutschland entstanden. Eine Medaille würde dem Ganzen noch mehr Auftrieb geben. Wenn man den WM-Titel mit dem Gesamtweltcup vergleicht, dann hat der Weltmeister-Titel zwar in der Öffentlichkeit einen viel höheren Stellenwert, obwohl es nur ein Rennen war. Der Gesamtweltcup hingegen ist der Lohn für die ganze Saison und wird nicht so wahrgenommen wie eine Medaille. Das ist eigentlich schade, denn es sollte eigentlich die sportliche Leistung honoriert werden.“

Ist es eigentlich schwierig, wenn der ganze Erfolgsdruck auf Ihnen lastet?

„Irgendwie schon, aber in dem Moment, wo ich oben im Starthaus stehe, denke ich daran nicht. In dem Moment stehe ich nicht mehr oder weniger Druck als wenn ich ein Team von vier oder fünf Leuten hinter mir hätte. Aber wenn es manchmal nicht so gut läuft wie zuletzt, ist es teilweise schon schwierig - aber immer erst nach den Rennen. Vor den Rennen befasse ich mich damit nicht.“

Was trauen Sie dem restlichen Team zu?

„Kathi (Hölzl) und der Vicky (Rebensburg) sind im Riesenslalom für ganz vordere Plätze gut. Für Kathi ist es sicher gut, dass es da so steil und eng ist. Sie ist von Fahrweise und der körperlichen Konstitution mehr dafür geschaffen. Und eine Riesenslalom-Medaille ist schon eine Weile her, das wäre ganz toll.“

Und was ist mit Felix Neureuther?

„Felix kann natürlich auch eine Medaille gewinnen und das ist sicher auch sein Ziel. Er hat es Gott sei Dank schon auf das Podium geschafft heuer.“

Interview: Christian Kunz, dpa

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