Markus Eisenschmid: Heimatnäher an der Eishockeykarriere arbeiten

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  Die Länderspiele mit dem „Top Team Peking“ gegen die Schweiz bestritt Markus Eisenschmid als Kapitän, beim 4:2-Sieg in Memming
Die Länderspiele mit dem „Top Team Peking“ gegen die Schweiz bestritt Markus Eisenschmid als Kapitän, beim 4:2-Sieg in Memmingen gelang dem Ostallgäuer, was ihm 2018/19 recht gerne gelingt: ein Tor. (Foto: imago)

Trikots in Farben und Design des Deutschen Eishockey-Bundes sind keine Mangelware im Hause Eisenschmid; 225 Länderspiele weist die Statistik für Tanja (25 Jahre; 127 Nationalmannschaftseinsätze), Nicola (22; 86) und Markus (24; 12) aus. Der Dress mit der „58“ vom Memminger 4:2 des „Top Teams Peking“ über die Schweiz allerdings dürfte einen Ehrenplatz bekommen daheim bei Mutter Brigitte und Vater Horst Eisenschmid in Kaufbeuren. Zeigt doch das „C“ auf der Brust die Wertschätzung, die Sohn Markus aktuell in Eishockey-Deutschland erfährt: Kapitän war er beim Einstand von Bundestrainer Toni Söderholm – „für mich ’ne wirklich richtig große Ehre“.

Vor zwölf Monaten noch ist Markus Eisenschmid bevorzugt Insidern ein Begriff gewesen – das war doch der, der nach einem Zweitliga-Winter beim ESV Kaufbeuren den Sprung gewagt hatte über den Atlantik: Medicine Hat Tigers, Western Hockey League, höchstes kanadisches Junioren-Level, mit 18 Jahren, gleich nach dem Abitur. Der dann von den Montréal Canadiens zum Casting geladen wurde, der gefiel und fortan für die Canadiens-Farmteams St. John’s Ice Caps und Rocket de Laval in der American Hockey League zum Schläger griff. Ausgestattet seit Januar 2017 mit einem Zwei-Wege-Vertrag, der Einsätze in der National Hockey League erlaubt hätte. Die gab es nicht, weil es in fatal dichter Folge Verletzungen (darunter auch zwei langwierige Gehirnerschütterungen) gab.

Doch gab es auch ... einen Anruf von Söderholm-Vorgänger Marco Sturm. Der, bestens vernetzt und informiert, holte Markus Eisenschmid in sein vorläufiges Aufgebot für die Weltmeisterschaft 2018 in Dänemark. Der Rechtsschütze, im Club meist als Center aufgeboten, überstand die finale Kaderzäsur, stürmte in Herning neben Matthias Plachta und Patrick Hager. Und schoss, am 13. Mai, nach 120 Sekunden Verlängerung, das Tor zum ersten WM-Sieg über Finnland seit einem Vierteljahrhundert: zum 3:2 – vorläufiger Höhepunkt in Markus Eisenschmids Karriere.

An ihr arbeitet der gebürtige Marktoberdorfer seit dieser Spielzeit wieder heimatnäher. „Ich hatte mich gefragt, wo ich mich am besten weiterentwickeln kann.“ Antwort im Sommer 2018: in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), bei den Adlern Mannheim. Update im Februar 2019: Die Antwort war richtig. Nicht, weil das erste Mannheimer Saisontor beim 5:3-Testspielsieg beim EHC Olten a conto Eisenschmid ging, sondern weil in mittlerweile 43 DEL-Partien 17 Treffer und 17 Vorlagen folgten. Drittbester Scorer des Tabellenführers ist Markus Eisenschmid, die Angriffsreihe mit Chad Kolarik (20 Tore; 24 Assists), Garrett Festerling (12; 15) und ihm ist brutal produktiv. Ihr Jüngster bringt – als Linksaußen – seine Geschwindigkeit und die satte Präzision seiner Handgelenkschüsse mit ein. Und seinen hohen Anspruch an sich selbst: „Ich bin in die Liga gekommen, ich wollt’ was reißen in der Liga, ich wollte gut sein.“ Sind Sie ja, oder? „Ich werd’ weiter hart an mir arbeiten. Ich denke, dass noch mehr geht.“

Doppelte Daumendrückpflicht

Kommt selbstkritisch, nicht selbstherrlich. Und führt, irgendwann, doch noch in die NHL? Zwei Spielzeiten läuft der Vertrag im Nordbadischen, Markus Eisenschmid ist 24. Gerade geworden. Zeit genug also, um Träume zu verwirklichen ... Vier Scouts wurden in Memmingen gesichtet, der „Top Team“-Kapitän hat’s registriert. Relativ beiläufig: „Ich will immer mein Bestes geben. Wenn man gesehen wird, ist es schön – aber in erster Linie kommt es darauf an, wie du die Spiele auf dem Eis spielst.“

Das nächste Mal kommenden Freitag, DEL. In Ingolstadt. Apropos Ingolstadt: Für die ERC-Frauen geht Nicola Eisenschmid auf Bundesliga-Torejagd, Tanja verteidigt in der National Women’s Hockey League für die Minnesota Whitecaps. In Memmingen schauten sie beide zu – um anderntags mit ihrer Nationalmannschaft nach Russland zu fliegen, zum Final-6-Turnier der „Euro Women’s Hockey Tour“ in Dmitrov.

Markus Eisenschmid hatte eishockeyfrei. Und folglich Daumendrückpflicht. Doppelte.

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