Marias Party-Marathon nach Slalom-Gold

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Deutsche Presse-Agentur

Eine SMS von „Gold-Rosi“, ein Titel-Tanz mit Weltmeister-Freundin Lindsey Vonn und jede Menge Champagner: Mit dem ersten Slalom-Titel seit dem von Rosi Mittermaier vor 33 Jahren hat sich Maria Riesch aller Leiden entledigt und ihre letzte Medaillen-Chance bei der WM genutzt.

„Alle Schmerzen sind jetzt wurscht. Ich habe die Goldmedaille gewonnen. Das ist Wahnsinn. Ich hätte es wirklich nicht mehr für möglich gehalten“, sagte die 24-Jährige, die in Val d'Isère doch noch von der „Pech-“ zur „Goldmarie“ wurde. Bis tief in die Nacht hüpfte die Partenkirchenerin nach dem „sportlich schönsten Tag in meinem Leben“ mit Doppel-Champion Vonn zu Mitgröhl-Hits über die Tanzfläche im österreichischen Haus.

„Ich hätte es wirklich nicht mehr für möglich gehalten“, sagte die zehnmalige Weltcup-Gewinnerin, die wie Mittermaier 1976 bei den Olympischen Spielen in Innsbruck Gold gewonnen hatte. Vor ihren Qualitäten als Party-Queen hatte die 24-Jährige auf der schwierigen WM-Piste von Val d'Isère sportliche Größe bewiesen. Ein heftiger Trainingssturz, eine als Vierte knapp verpasste Kombi-Medaille und wenig berauschende Ergebnisse in Super-G, Abfahrt und beim Riesenslalom-Triumph ihrer Zimmergenossin Kathrin Hölzl: All das hatte die Partenkirchenerin weggesteckt und mit einem „zauberhaften zweiten Lauf“ (Mutter Monika) doch noch ihren WM-Fluch besiegt.

„Das ist wie ein Märchen, das gibt es normalerweise nicht. Die Belastung und sie bringt das Ding runter. Da fehlen mir die Worte“, schwärmte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. Auch Bundestrainer Mathias Berthold, der sich zwischen den Läufen „abseits in eine Hütte“ verzogen hatte und sich zum Zuschauer-Glück beim voller Tücken gesetzten zweiten Durchgang zwingen musste („Trottel schau zu“), verneigte sich vor seiner Musterathletin.

„So einem Druck standzuhalten, das ist sensationell.“ Auch Abends konnte der Coach bei der zweiten Goldfeier binnen 48 Stunden kaum glauben, dass ein deutsches Team erstmals seit 16 Jahren zwei WM- Titel geholt hatte: „Wenn mir jemand gesagt hätte, wir holen zwei Goldmedaillen, hätte ich die ganze Welt umarmt.“

Nach Rang sechs im ersten Durchgang fuhr Riesch im Finale mit Bestzeit zu Gold vor der Tschechin Sarka Zahrobska und Tanja Poutiainen (Finnland). Die nach einer Party-Verletzung am Daumen geschiente Vonn, die das Champagner-Öffnen am Samstag lieber der Freundin überließ, machte ebenso Fehler wie andere Topläuferinnen. „Felsbrocken“ seien ihr vom Herzen gepurzelt gestand Riesch, die es in der Weltmeister-Nacht mit dem gesamten Team krachen ließ.

„Es ist einfach cool, ich habe den Eindruck, jeder freut sich mit mir“, sagte die 24-Jährige, die am Valentinstag sogar Blumen vom prominentesten WM-Ehrengast bekam: Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy überreichte in Abwesenheit seiner Gattin Carla Bruni den Siegerstrauß.

Bei der Medaillenzeremonie präsentierte sich Riesch cool („Tränen sind keine gekommen, das kann man nicht absichtlich machen“). Dagegen waren die Eltern zu Tränen gerührt. „Da war ich sehr nah am Wasser gebaut, das waren wirklich goldene Momente“, gestand Vater Siegfried, der ebenfalls bis tief in die Nacht bei Töchterchens Party ausharrte. Und die Teamkolleginnen, bei denen die Slalom-Karriere-Bestleistung von Fanny Chmelar (8. Platz) oder das Aus von Susanne Riesch kein Thema mehr waren, heizten kräftig ein.

Nur ein wichtiger Feten-Gast fehlte: Kathrin Hölzl. Die Mitbewohnerin des goldigsten WM-Zimmers war längst per Hubschrauber nach Genf und von da mit dem Flieger nach Mainz geflogen. In aller Goldfreude gedachte die 24-Jährige im Aktuellen Sportstudio ihrem vor „genau vor einem Jahr“ beerdigten Vater. „Ich weiß, dass er zugeschaut hat und jetzt ganz stolz auf mich ist“, sagte die Bischofswiesenerin.

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