Maria Riesch siegt beim Kampf um „blöde Kugel“

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Deutsche Presse-Agentur

Als die führende Lindsey Vonn im Stangenwald von Ofterschwang einfädelte, war für Maria Riesch der erste deutsche Erfolg im Slalom-Weltcup seit Rosi Mittermaier perfekt.

Wie „Gold- Rosi“ vor 33 Jahren feierte die 24-jährige Partenkirchenerin in einem Winter WM-Titel und Kristallkugel im Torlauf. „Sensationell. Es ist zwar immer schöner das auf der sportlichen Seite zu entscheiden. Aber Kugel ist Kugel“, sagte eine sichtlich erleichterte Riesch, der ein fünfter Platz zum Erfolg in der Disziplin-Wertung reichte. „Ich wollte einfach nicht ausfallen. Wenn es umso eine blöde Kugel geht, fährt das im Unterbewusstsein einfach mit.“ Der Sieg beim Heim- Weltcup, bei dem Team-Weltmeisterin Monika Bergmann nach ihrem bekanntgegebenen Rücktritt zum Saisonende ein paar Tränchen verdrückte, ging an die Französin Sandrine Aubert.

Eine der ersten Gratulatinnen von Riesch war Christa Zechmeister, die 1974 als erste deutsche Skirennfahrerin den Torlauf-Weltcup gewann. „Wir haben eine Kugel gewonnen, die wir selbst zu den Glanzzeiten in den 90er Jahren nicht hatten. Das ist etwas Besonderes“, befand Alpin-Direktor Wolfgang Maier.

Vier Saisonsiege holte die Slalom-Weltmeisterin im Torlauf, dazu zwei weitere Podestplätze; da konnte die erkrankte Skirennfahrerin den fünften Rang beim Heim-Rennen verschmerzen. „Das war nicht die Maria, die wir kennen. Hoffentlich hat sich die Blockade gelöst und sie kann im Finale noch einmal richtig zuschlagen“, sagte Trainer Mathias Berthold. „Ich bin froh, dass ich in Are nicht mehr um die Kugel zittern muss“, sagte Riesch, die bereits nach Schweden reiste, nach der Attacke der „eiskalten Vonn“ (Berthold).

Während des zweiten Durchgangs in Ofterschwang wartete Riesch auf Platz fünf liegend im Ziel, als sich ihre amerikanische Ski-Freundin Vonn aufmachte, ihr den vorzeitigen Sieg in der Weltcup-Wertung und Aubert den ersten Sieg zu entreißen. Doch nach der ersten Zwischenzeit geschah der Doppel-Weltmeisterin vor 6500 Zuschauern das Malheur, das für sie im Gesamtweltcup aber keine Folgen hat. Dort ist der Vorjahressiegerin bei noch vier ausstehenden Rennen mit 369 Punkten Vorsprung der erste Platz praktisch nicht mehr zu nehmen.

Im Sog von Maria Riesch sorgten ihre Schwester Susanne auf Platz sechs, Fanny Chmelar auf dem zehnten Rang sowie Nina Perner, Kathrin Hölzl, Bergmann und Christina Geiger in den Punkten für ein ausgezeichnetes Team-Ergebnis für „die beste Nation der Welt im Slalom“ (Berthold). Beim Weltcup-Finale ab Mittwoch in Schweden wird der Deutsche Skiverband mit fünf Slalom-Damen am Start sein. Darunter auch Monika Bergmann, die dann zum letzten Mal an den Weltcup-Start geht.

„Nach dieser Saison werde ich die Karriere beenden. Ich hatte gute Zeiten, aber auch felsige Zeiten. Ich bin immer wieder zurückgekommen, aber ein Comeback gibt es dieses Mal mit Sicherheit nicht“, verkündete die 30-Jährige aus dem Bayerischen Wald, die die WM verpasst hatte, das überraschende Ende ihrer Karriere nach über einem Jahrzehnt im Weltcup. „Ich habe das vorher nicht gewusst. Das tut mir leid, denn die Moni war über ein Jahrzehnt hinweg eine der wichtigsten Figuren bei uns im Slalom“, sagte Berthold.

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