Mailand oder Hollywood: Wo liegt Beckhams Zukunft?

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Deutsche Presse-Agentur

Quo vadis, David Beckham? Das bizarre Buhlen um die globale Fußball-Ikone steht vor dem Ende. Spätestens in der kommenden Woche soll sich entscheiden, ob er bei seinem Wunscharbeitgeber AC Mailand bleiben kann oder zu den Los Angeles Galaxy zurückkehren muss.

„Fünf Millionen Dollar und ein Freundschaftsspiel würden reichen, um die Verhandlungen abzuschließen“, mutmaßte die zumeist bestens informierte Tageszeitung „Gazzetta dello Sport“ vor dem UEFA-Cup-Heimspiel der Mailänder am Donnerstag gegen Werder Bremen.

Es stehe eine „wichtige“ Woche für ihn an, hatte Beckham selbst erklärt. Er habe sich in Mailand als Fußballer „wiederentdeckt“. Nun hofft der frühere Kapitän der englischen Nationalmannschaft inständig, dass er die Hügel Hollywoods hinter sich lassen und in der Lombardei heimisch werden kann. Dafür muss sich Milan aber bewegen. Der Club des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi hat bislang drei Millionen US-Dollar (2,34 Millionen Euro) für die Leihgabe geboten, LA verlangt bis zu zwölf Millionen. Von einem Mailänder Unterhändler habe er gehört, es könnte bald „gute Nachrichten geben“, berichtete der 33 Jahre alte Beckham, der andernfalls am 9. März in die USA zurückkehren müsste.

In die italienisch-amerikanische Zwickmühle hat sich der Glamourboy selbst gebracht. Nach seiner titelreichen, aber auch strapaziösen Zeit bei Manchester United und Real Madrid wollte Beckham in den USA die Früchte seiner Popularität genießen. Angelockt von geschätzten 250 Millionen Dollar für fünf Jahre - wohl extremster Auswuchs der Fußball-Kommerzialisierung - sollte er im Herbst seiner Karriere der Major League Soccer (MLS) neues Leben einhauchen.

Doch schon bald begann ihn das „frustrierende“ Niveau der US-Liga zu langweilen - und der Ruf aus Mailand kam nach zwei Jahren gerade recht. Was sich dann in der italienischen Modemetropole entwickelte, dürfte nicht zuletzt die beteiligten Vereine verblüfft haben. Aus dem PR-Coup Beckham wurde der sportliche Glücksgriff Beckham. „Wir sind auf Beckham angewiesen“, sagt Milan-Coach Carlo Ancelotti. Nachdem der Engländer gleich zu Beginn mit zwei Treffern und Torvorlagen überzeugte, prasselte von allen Seiten das Lob auf ihn ein. Längst haben sich die Milan-Kollegen für seine längerfristige Verpflichtung starkgemacht. „Er ist ein sehr guter Spieler und hat sich sehr schnell angepasst“, meint AC-Regisseur Clarence Seedorf.

Typisch für die weltweite Werbefigur Beckham ist, dass sich LA Galaxy nicht wegen seiner sportlichen Qualitäten so vehement gegen die Freigabe wehrt. Würde Beckham endgültig gehen, verlöre die MLS erheblich an Vermarktungspotenzial. Der TV-Sender ESPN hatte 2007 rund 67 Prozent höhere Einschaltquoten, wenn „Becks“ spielte, im vergangenen Jahr sahen dann immerhin 22 Prozent mehr Zuschauer zu. Zudem wurden bislang rund 600 000 Beckham-Trikots verkauft. Diesen immensen Werbefaktor will sich Galaxy bezahlen lassen, während Milan vor allem den sportlichen Wert des bald 34-Jährigen sieht, der Ende November ohnehin ablösefrei aus dem Galaxy-Vertrag aussteigen kann.

Beckham selbst muss dem Transfer-Poker relativ tatenlos zusehen. Aus seinem Wunsch, weiter für Mailands Star-Ensemble zu spielen, um dadurch seine Position in der „Three-Lions“-Auswahl zu verbessern, macht Englands Rekord-Feldspieler (108 Einsätze) keinen Hehl: „Ich will 2010 bei der Weltmeisterschaft dabei sein und die beste Chance, das zu erreichen, habe ich, wenn ich in Mailand bleibe.“

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