Magerer Auftakt gefährdet WM-Ziel

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Deutsche Presse-Agentur

Nach dem Fehlstart bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften droht dem deutschen Team das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren, doch DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller hat seine Asse für die zweite WM-Woche noch nicht abgeschrieben.

„Mit dem bisher Erreichten können wir mit Sicherheit nicht zufrieden sein. Es wird eng, unser Ziel zu erreichen, aber wir sollten daran festhalten. Wir müssen jetzt die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und unsere Chancen nutzen. Ich gebe die WM noch nicht verloren“, sagte Pfüller in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Sechs bis acht Medaillen hatte der Deutsche Skiverband (DSV) als Ziel für die Titelkämpfe in Liberec ausgegeben. In diesem Rahmen hatte sich die Ausbeute bei Weltmeisterschaften seit 2001 stets bewegt. 1999 in Ramsau hatte es lediglich viermal Edelmetall für die DSV-Starter gegeben. Anno 2009 stehen nach 8 von 20 Entscheidungen lediglich zwei Silber-Plaketten durch Skispringerin Ulrike Gräßler und Tino Edelmann im Massenstart der Nordischen Kombinierer auf der Habenseite.

„Am Sonntag sind zwei Hoffnungen zerbrochen, denn wir hatten sowohl bei den Langläufern als auch den Kombinierern eine Medaille fest eingeplant. Jetzt wird es natürlich schwer, aber es ist nicht unrealistisch“, erklärte Pfüller, der am WM-Ruhetag in Liberec eintraf. Dort standen intensive Gespräche an, um in der zweiten WM-Hälfte noch in die Erfolgsspur zu finden.

Vor allem die Materialfrage bewegte Athleten, Trainer, Techniker und Funktionäre, denn Langläufer wie Kombinerer waren in den Entscheidungen am Sonntag mit ihren Ski nicht konkurrenzfähig. „Wenn man aufgrund des Materials keine Chance hat, ist das bedenklich. Ich werde nicht den Stab über die Techniker brechen, aber es natürlich besonders traurig, wenn solche Probleme beim Jahreshöhepunkt auftreten“, sagte Pfüller.

Er wolle das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, kündigte aber Konsequenzen an. „Wir müssen Dinge überdenken, an denen wir uns in den vergangenen Jahren festgebissen haben. Es gibt zum Beispiel Nationen, die ihre Athleten von den Skifirmen betreuen lassen. Das Geld spielt in dieser Frage keine Rolle, denn Athleten aus Nationen, die nur einen Bruchteil unseres Etats haben, hatten einen wesentlich besseren Ski unter den Füßen“, redete Pfüller Klartext.

Er ist im Langlauf-Lager auch auf anderen Baustellen gefordert. Die Damen befinden sich in einer Formkrise und müssen in den ausstehenden Entscheidungen zu allem Überfluss auf Stefanie Böhler verzichten. Die derzeit stärkste DSV-Läuferin ist erkrankt und wird am Dienstag die Heimreise antreten. „Ich will die Damen in den Team-Wettbewerben nicht ganz abschreiben, aber wir haben schon im Vorfeld nicht erwartet, dass sie um die Medaillen laufen können“, sagte Pfüller.

Die Kritik von Bundestrainer Jochen Behle an der Arbeit von Damen-Coach Ismo Hämäläinen trug ein Übriges zur gereizten Stimmung bei. „Wir haben jetzt eine WM, da sollte man solche Diskussionen nicht führen. Wir werden nach der Saison analysieren, wo wir stehen, und dann die notwendigen Entscheidungen treffen“, sagte Pfüller. Den Herren um Axel Teichmann und Tobias Angerer traut er durchaus Edelmetall zu: „Die Mannschaft ist hervorragend vorbereitet.“ Das sieht auch der Bundestrainer so. „Bei Tobi stimmt die Form, bei Axel auch. Wenn der Zeitpunkt kommt, wird er es zeigen“, sagte Behle.

Die Kohlen aus dem Feuer holen sollen in erster Linie die Kombinierer, von denen Pfüller in den ausstehenden zwei Wettbewerben zwei Medaillen erhofft. Zufrieden zeigte er sich mit den Skispringern, die angeführt von Martin Schmitt auf einem guten Weg seien. „Im Team-Wettbewerb ist hinter Österreich alles möglich“, sagte Pfüller.

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