Machtworte zum Bayern-Start

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Zwei Neue beim FC Bayern: Trainer Niko Kovac (li.) und Offensivspieler Serge Gnabry.
Zwei Neue beim FC Bayern: Trainer Niko Kovac (li.) und Offensivspieler Serge Gnabry. (Foto: dpa)
Patrick Strasser

So lieben das Arbeitnehmer. Ein neuer Chef kommt und hat gleich gute Nachrichten für sein Personal parat. Niko Kovac (46) verlängerte an seinem ersten Arbeitstag als neuer Bayern-Trainer den Urlaub seiner gedemütigten Nationalspieler bis zum 25. Juli, macht also nach dem Vorrunden-Aus bei der WM in Russland insgesamt 26 Tage frei. Die sieben DFB-Nationalspieler Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Niklas Süle, Sebastian Rudy, Thomas Müller und der Schalker Neuzugang Leon Goretzka werden also auch von der Marketing-Tour in die USA vom 23. bis 30. Juli befreit.

Die WM-Verlierer werden ab 25. Juli an der Säbener Straße von Jupp Heynckes’ Vertrauensmann Peter Hermann wieder in Schwung gebracht. Der ständige Assistent des Triple-Coaches von 2013, der sich eigentlich gemeinsam mit Heynckers in den Ruhestand verabschiedet hatte, konnte davon überzeugt werden, seine für die Mannschaft wertvolle Arbeit in der Trainingsplanung – und steuerung fortzusetzen. Nach der Rückkehr des Bayerntrosses aus den USA erhält Hermann aber wieder bis zum 1. September Urlaub.

Peter Hermann kehrt doch zurück

Beim Trainingslager am Tegernsee (2. bis 9. August) hat Kovac, den sein Bruder Robert als Co-Trainer in München begleitet, seinen Kader komplett. Dann muss der WM-Blues bekämpft und die Negativ-Erlebnisse von Watutinki bis Kasan verarbeitet werden. „Im Urlaub werden sie das vergessen“, meinte Kovac, „ich bin überzeugt, dass sie am ersten Trainingstag genauso motiviert sind, wie ich das erwarte.“

Und das möglicherweise ohne auch nur ein einziges WM-Tor erzielt zu haben. Für die DFB-Auswahl trafen beim 2:1 gegen Schweden mit Marco Reus ein Dortmunder, Toni Kroos von Real Madrid sorgte mit dem Freistoß zum Last-Minute-Erfolg für den einzigen Höhepunkt dieser WM aus deutscher Sicht. Sonst? Ladehemmung, vor allem bei Thomas Müller, der zuvor in 13 WM-Einsäten zehn Treffer erzielt hatte, 2010 in Südafrika Torschützenkönig war. Diesen Titel hatte man beim Turnier in Russland auch Robert Lewandowski zugetraut. Doch der Mittelstürmer fährt ebenfalls ohne Treffer nach Hause, Polen wurde hinter Kolumbien, Japan und Senegal Gruppenletzter – was für eine Enttäuschung. Für Lewandowski, der die Bayern trotz seines Vertrages bis 2021 bis zum Ende der Sommer-Transferperiode gerne verlassen möchte, ein Rückschlag. Es liegt kein entsprechendes Angebot vor. Und wenn dies noch kommt, wird Kovac sein Veto gegen einen Wechsel einlegen. „Ich habe mit ihm telefoniert und meinen Standpunkt gesagt“, berichtete der Coach, „ich finde ihn klasse, er ist ein Weltklassestürmer, der viel für den Club geleistet hat und in der Zukunft viel für den Club leisten wird.“ Balsam auf die geschundene Torjägerseele? „Ich habe ihm meine Wertschätzung gegeben, die jeder Spieler, jeder Mensch braucht“, so Kovac. Auch Boateng (29), der mit einem Wechsel in die Premier League liebäugelt, soll – bzw. muss – bleiben. Kovac’ zweites Machtwort: „So glücklich ich in Frankfurt mit Prince (Boatengs Halbbruder Kevin-Prince, die Red.) war, so glücklich werde ich sicher auch mit Jérôme in München sein.“ Ende der Durchsage.

Über Thiago, der am Sonntag bei der WM mit Spanien gegen Gastgeber Russland im Elfmeterschießen scheiterte,, wurde nicht explizit gesprochen, der „sehr starke Kader“, so Kovac, solle zusammenbleiben.

Mittlerweile sind nur noch zwei Bayernprofis bei der WM. Kolumbiens Star und Führungsfigur James Rodríguez (26) ist angeschlagen und droht wegen einer Muskelverletzung das Achtelfinalduell mit England am Dienstag (20 Uhr/ARD)zu verpassen. Corentin Tolisso (23) hat, wenn auch als Ergänzungsspieler mit bisher lediglich 93 Einsatzminuten, immerhin mit Frankreich das Viertelfinale erreicht. So gelingt vielleicht doch noch einem Bayernspieler ein Tor in Russland. Sonst wäre es der erste „Blackout“ bei einer WM seit 1962. Bei der Endrunde 1990 in Italien hatte Olaf Thon wenigstens seinen Versuch im Elfmeterschießen gegen England verwandelt.

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