Müller will sich Schalker Aufsichtsrat stellen

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Deutsche Presse-Agentur

Kampf oder Kapitulation? Der beurlaubte Schalke-Manager Andreas Müller müsste auf der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrates mehr als ein Drittel der anwesenden Mitglieder von seinem Konzept überzeugen, um sein Amt weiter ausüben zu können.

Nach dpa-Informationen will der 46-Jährige der formellen Einladung des Kontrollgremiums folgen und bei der Sitzung am 14. März von seinem Recht auf Anhörung Gebrauch machen. Laut Satzung ist bei der Abstimmung eine Zweidrittel-Mehrheit nötig, um ein Vorstandsmitglied vorzeitig abzuberufen. Sollten alle zehn Aufsichtsräte des Fußball-Bundesligisten anwesend sein, würden Müller vier Nein-Stimmen bzw. Enthaltungen genügen, um seine Abberufung zu verhindern.

Dass es so kommt, ist unwahrscheinlich. Möglich wäre es laut Vereinssatzung, Paragraf 8 Absatz 2, aber schon. Dort heißt es wörtlich: „Mit einem Aufsichtsratsbeschluss, der der Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen bedarf, kann ein Vorstandsmitglied auch vor Ablauf der Amtsperiode abberufen werden. Der abzuberufende Vorstand ist von einem entsprechenden Tagesordnungspunkt des Aufsichtsrates rechtzeitig vorher, mindestens drei Kalendertage, zu informieren. Er ist vom Aufsichtsrat anzuhören, indem ihm die Gelegenheit zur Aussprache mit dem Aufsichtsrat vor Beschlussfassung eingeräumt wird.“

Bislang hat Müller, dessen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 datiert ist, seine Teilnahme an der Aufsichtsratssitzung nicht abgesagt. Womöglich will er zumindest die letzte Chancen nutzen, dem Kontrollgremium die Meinung zu sagen und sich einen „guten Abgang“ zu verschaffen. Zu dem ihm vom Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies nahegelegten Rücktritt ließ sich Müller - anders als sein Vorgänger Rudi Assauer - jedenfalls nicht drängen. Assauer hatte es seinerzeit vorgezogen, dem „Scherbengericht“ fernzubleiben und warf stattdessen am 17. Mai 2006 enttäuscht und verärgert die Brocken selbst hin.

Wie lange sich Schalke Zeit lassen will bei der Nachfolgesuche, ist völlig offen. Geschäftsführer Peter Peters eilte von Sitzung zu Sitzung, auch Clubchef Josef Schnusenberg war nicht zu sprechen. Ein Clubsprecher sagte auf Anfrage, dass man ohnehin „keinerlei Wasserstandsmeldungen“ geben oder Details über ein „Anforderungsprofil“ öffentlich machen werde.

Ungeachtet dessen werden bereits fast alle Namen von A wie Assauer über M wie Möller bis W wie Wilmots gehandelt. Die „Bild“-Zeitung nannte drei Kandidaten: Ex-Bayern-Keeper Oliver Kahn, DFB-Manager Oliver Bierhoff und Wolfsburgs Trainer-Manager Felix Magath. Auch der Name des Schalker Kultstürmers Ebbe Sand, der nach seiner aktiven Laufbahn 2006 in der dänischen Heimat beim damaligen Erstligisten Silkeborg IF als Sportlicher Leiter anheuerte, fällt hier und da. „Das ist eine hypothetische Frage. Es gab in der Sache keinen Kontakt“, sagte der 36-Jährige der dpa. Für „Andi“ tue es ihm „unendlich leid“: „Schalke war für mich immer mit ihm und Assauer verbunden“, meinte Sand, der als Mentalcoach und Stürmertrainer der dänischen Nationalelf arbeitet und häufiger mit Müller telefoniert.

Ob Tönnies, wie behauptet, „eine große Anzahl von Bewerbungen auf dem Tisch liegen“ hat, darf zumindest bezweifelt werden. Dann hätten sich die Interessenten schon bei Schalke anbieten müssen, bevor Müllers Beurlaubung feststand.

Für neue Schlagzeilen sorgte indes wieder einmal Kevin Kuranyi, dem angeblich ein Angebot des russischen Erstligisten Lokomotive Moskau vorlag. Eiligst ließ Schalke dies auf der Vereins-Homepage vom Stürmer dementieren. Es habe sich nichts geändert: „Ich will mich bei Schalke 04 durchsetzen und beweisen. Deshalb muss sich niemand mit diesem Gerücht ernsthaft beschäftigen.“

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